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Inflation: Rentnerin isst nur zwei Mahlzeiten am Tag: „Man fühlt sich als Mensch 2. Klasse“

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Von: Lisa Mayerhofer

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Ältere Frau in einem Bus.
 Eine Rentnerin berichtet, wie ihr die Inflation das Leben schwer macht – und fordert mehr soziale Gerechtigkeit. (Symbolbild) © Michael Gstettenbauer/Imago

Hohe Lebensmittelpreise treffen Menschen mit geringem Einkommen besonders hart. Eine Rentnerin berichtet, wie ihr die Inflation das Leben schwer macht – und fordert mehr soziale Gerechtigkeit.

Kiel – Die Inflation und die stark gestiegenen Lebenshaltungskosten belasten Menschen mit geringem Einkommen sehr. Wer auf Hartz IV oder eine kleine Rente angewiesen ist, für den können die Preissteigerungen der vergangenen Monate existenzgefährdend werden. Davor warnen Sozialverbände und Politikvertreter. Die Grünenfraktion plädierte vergangene Woche im Bundestag etwa für höhere Hartz-IV-Regelsätze und mehr finanzielle Entlastungen.

Rente und Hartz IV: Menschen verzichten wegen Inflation auf eine Mahlzeit

„Die gestiegenen Preise machen sich im Lebensalltag und an der Supermarktkasse längst bemerkbar. Das sind heftige Einschnitte für immer mehr Menschen mit kleinem Einkommen“, sagte Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Betroffen seien vor allem Alleinerziehende, Kinder und Familien, Menschen in Grundsicherung oder mit kleiner Rente.

Wie eine am Freitag veröffentlichte repräsentative Insa-Befragung im Auftrag der Bild-Zeitung zeigt, verzichten bereits 16 Prozent der 1.002 Befragten wegen der Inflation auf eine reguläre tägliche Mahlzeit. 13 Prozent ziehen demnach einen Verzicht auf Essen in Betracht, wenn die Teuerung anhält, bei 68 Prozent ändert sich noch nichts. „Uns darf es nicht kaltlassen, wenn wegen gestiegener Lebensmittel- und Energiepreise inzwischen viele Menschen angeben, auf eine Mahlzeit zu verzichten“, mahnte Haßelmann.

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Inflation: Rentnerin muss Essen rationieren – „Mehr kann ich mir nicht leisten“

Zu den Menschen, die die Inflation besonders hart getroffen hat, gehört die Rentnerin Renate K. aus Kiel, wie waz.de berichtet. Die 68-Jährige erhält zusätzlich zu ihrer kleinen Rente Grundsicherung – trotzdem bleiben ihr nach Abzug der Wohnkosten nur 449 Euro zum Leben. Wegen der stark gestiegenen Lebensmittelpreise müsse sie ihr Essen rationieren: „Ich esse zwei Mahlzeiten am Tag“, sagt sie der Zeitung. „Mehr kann ich mir nicht leisten.“ Sie sei sehr froh, dass sie einen Schrebergarten habe, in dem frisches Obst und Gemüse wächst.

Deshalb möchte sie auch nicht zur Tafel gehen, da sie sonst das Gefühl habe, sie würde anderen Menschen „etwas wegnehmen, denen es noch schlechter geht als mir“, sagt die Rentnerin gegenüber waz.de. Sie weiß aber auch nicht, was sie tun soll, wenn die Preise weiter steigen.

Sie habe schon jetzt das Gefühl, dass ihre Armut sie isoliere: Sie könne nicht spontan mit Freunden Kaffee trinken oder auf ein Konzert gehen, berichtet sie der Zeitung. Andere Menschen würden ihr aus dem Weg gehen, sobald sie ihre Altersarmut offenbare: „Wenn man im Gespräch sagt, dass man sich zum Beispiel einen Restaurantbesuch nicht leisten kann, weil man arm ist, dann ist die Stimmung schnell im Eimer“, erzählt die Rentnerin waz.de. „Zack, sitzt du alleine am Tisch.“

Die 68-Jährige fasst zusammen: „Man fühlt sich als Mensch zweiter Klasse.“ Das will sie aber nicht hinnehmen – und engagiert sich beim Kieler Verein Groschendreher, der Altersarmut sichtbar machen möchte. „Mein persönlicher Anspruch ist politisch“, sagt die Rentnerin der Zeitung. (lma/dpa)

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