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Passanten gehen über eine belebte Einkaufsmeile. Foto: Frank Rumpenhorst/Illustration

Nahrung 3,5 Prozent teurer

Inflation schnellt im Mai über Zwei-Prozent-Marke

Das Leben in Deutschland ist spürbar teurer geworden. Kehrt das Inflationsgespenst zurück? Volkswirte sehen wenig Grund zur Sorge.

Wiesbaden (dpa) - Steigende Energiepreise und ein frühes Pfingstfest haben die Inflation im Mai auf den höchsten Stand seit Februar 2017 getrieben.

Die Verbraucherpreise lagen um 2,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch anhand vorläufiger Daten mitteilte. Von April auf Mai erhöhten sich die Verbraucherpreise nach Berechnungen der Wiesbadener Behörde um 0,5 Prozent.

"Die Inflation zeigt im Mai ihr wahres Gesicht. Im April waren die Daten nach unten verzerrt, weil - wegen des relativ frühen Osterfestes - die Preise für Reisen, Freizeit und Transport nicht wie im Vorjahr den Osteraufschlag in sich trugen. Dieser Sondereffekt hat sich nun verflüchtigt", analysierte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

Größter Preistreiber im Mai war Energie. Anders als im Vorjahr gab es in diesem Frühjahr keine Delle bei den Preisen für Heizöl und Kraftstoffe, die Energiepreise zogen im Mai zum Vorjahresmonat insgesamt um 5,2 Prozent an. Nahrungsmittel verteuerten sich um 3,5 Prozent. Zudem schlugen Pauschalreisen zu Buche, weil Pfingsten 2018 im Mai und nicht - wie im Vorjahr - erst im Juni lag.

Volkswirte gehen daher davon aus, dass schon im Juni bei der deutschen Inflationsrate wieder eine 1 vor dem Komma stehen wird. Im März und April 2018 hatte die jährliche Teuerungsrate jeweils 1,6 Prozent betragen, im Februar waren es 1,4 Prozent. Eine 2 vor dem Komma gab es zuletzt im April 2017 mit 2,0 Prozent. Es bleibe dabei, "dass der unterliegende Preisauftrieb in Deutschland anders als im Euroraum insgesamt zwar anzieht, dies aber in einem sehr moderaten Tempo geschieht", erklärte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.

Für den Euroraum insgesamt strebt die Europäische Zentralbank (EZB) mittelfristig eine Teuerungsrate knapp unter 2,0 Prozent an. Dieser Wert gilt als Garant für stabile Preise, weil er weit genug entfernt ist von der Nullmarke. Denn sind Preise dauerhaft niedrig oder sinken gar auf breiter Front, könnten das Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben - eine Wachstumsbremse. Trotz Nullzins und Geldflut ist das EZB-Inflationsziel noch nicht erreicht.

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