Inflationsangst drückt Konsumklima

Nürnberg - Die aufgekommene Inflationsangst in Deutschland hat die Stimmung der Verbraucher in Deutschland im Herbst stärker als erwartet gedrückt und könnte die Prognose für das Konsumwachstum im laufenden Jahr gefährden. "Die auf 0,6 Prozent gesenkte Prognose für das Wachstum des privaten Konsums 2007 wackelt", sagte GfK-Ökonom Rolf Bürkl der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX in Nürnberg.

Sollten sich die Inflationsängste verfestigen, dürfte es sehr schwer werden, die Prognose zu erreichen. Auch für das Weihnachtsgeschäft wäre dies ein negatives Signal. Im ersten Halbjahr hatte der Konsum in Deutschland nach vorläufigen Angaben stagniert.

Das Konsumklima prognostiziert der GfK zufolge nach revidiert 6,7 (zunächst 6,8) Punkten im Oktober einen Wert von 4,9 Punkten für November. Ökonomen hatten im Schnitt nur einen leichten Rückgang auf 6,4 Punkte erwartet. Die steigende Inflationsangst drücke auf die Stimmung. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung als auch die Anschaffungsneigung seien gesunken. Die im Spätsommer plötzlich einsetzende Angst vor Inflation als Reaktion auf die zum Teil drastischen Preiserhöhungen bei bestimmten Lebensmitteln sowie die hohen Energiepreise belasteten die Kauflaune. Eine zurückhaltende Einkommenserwartung und Konsumneigung seien die Folge. "Bei den Verbrauchern ist wie bei der Euro-Einführung und der Mehrwertsteuererhöhung erneut das Gefühl aufgekommen, alles wird teurer", sagte Bürkl.

Trotz der für das laufende Jahr etwas eingetrübten Konsumaussichten bleibt Bürkl für das kommende Jahr optimistisch: "2008 ist der Durchbruch beim privaten Verbrauch zu erwarten." Das Konsumwachstum in Deutschland dürfte sich auf bis zu 1,5 Prozent beschleunigen. Die nach wie vor sehr positiven Rahmenbedingungen wie der Rückgang der Arbeitslosigkeit, steigende Löhne und Entlastungen durch eine deutliche Rücknahme des Arbeitslosenbeitrags würden durch das Thema Inflation derzeit überlagert. Die positive Arbeitsmarktentwicklung und die trotz der US-Finanzmarktkrise nach wie vor robuste Weltkonjunktur dürften sich allmählich aber bei den Verbrauchern wieder stärker durchsetzen.

Der starke Euro und die zunehmend kritischen Stimmen mit Blick auf die weitere Konjunkturentwicklung im Hinblick auf die US-Hypothekenkrise verpassten der GfK zufolge den Konjunkturerwartungen bei der jüngsten Erhebung einen Dämpfer. Das Niveau der Konjunkturerwartungen sei trotz des Rückgangs um 1,6 Punkte auf 39,1 Zähler aber nach wie vor sehr hoch, heißt es in der Studie. Dies lasse auch künftig eine gute wirtschaftliche Entwicklung erwarten.

Die Einkommenserwartungen sanken um drei auf minus 0,7 Zähler. Dieser Indikator liege nun im Bereich des Mittelwertes von etwa Null Punkten. Die Anschaffungsneigung ging um 10,5 Punkte auf minus 12,9 Punkte zurück. Viele Verbraucher fürchteten, dass sie in Zukunft unter anderem mehr für Strom, Gas, Benzin und Heizöl aufwenden müssten und entsprechend weniger Mittel für andere Anschaffungen verfügbar seien, begründet die GfK die Zurückhaltung und die zunehmende Sparneigung. Die GfK befragt monatlich rund 2.000 Verbraucher im Auftrag der EU-Kommission. (dpa)

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