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Preis-Schock in Deutschland: Höchste Inflationsrate seit 1993 - Zwei Gründe maßgeblich

  • Patrick Freiwah
    VonPatrick Freiwah
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Die Preise in Deutschland haben im August 2021 im Vergleich zum Vorjahresmonat enorm angezogen. Es handelt sich um die größte Inflation seit nahezu drei Jahrzehnten. Zwei Gründe sind wesentlich.

Berlin/München - Keine einfachen Zeiten für die Geldbeutel deutscher Verbraucher: Die Preise in Deutschland sind im August 2021 so stark wie seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr gestiegen: Die Inflationsrate lag bei 3,9 Prozent, erklärte das Statistische Bundesamt am Freitag. Eine noch höhere Inflationsrate im Vergleich zum Vorjahresmonat hatte es letztmals im Dezember 1993 gegeben, mit einem Anstieg von 4,3 Prozent.

Allerdings scheint die Entwicklung aktuell zumindest gestoppt: Im Vergleich zum Vormonat Juli haben sich die Verbraucherpreise der Auswertung nach nicht verändert. Grund für den markanten Preisanstieg seien neben weiteren Faktoren auch Sondereffekte im Zuge der Corona-Krise. Dazu zählt natürlich der sogenannte Basiseffekt durch die coronabedingte Senkung der Mehrwertsteuersätze im Juli 2020. Dieser hatte die Inflationsrate bereits im Juli 2021 sprunghaft auf 3,8 Prozent im Vorjahresvergleich ansteigen lassen, da sich die Mehrwertsteuersätze für fast alle Waren und Dienstleistungen seit Jahresbeginn wieder auf dem vorherigen Niveau befinden. Mittlerweile geht es der deutschen Wirtschaft besser, der Staatshaushalt ist jedoch tief im Minus.

Inflation in Deutschland: Zwei Gründe sind für die höheren Preise maßgeblich

Somit ist für die starke Inflation zu einem Großteil die Rückkehr zur erhöhten Mehrwertsteuer verantwortlich. Außerdem gab es im Corona-Jahr 2020 zeitweilig einen Preisverfall bei den Mineralölprodukten, der sich im Vorjahresvergleich nun erhöhend auf die Gesamtteuerung auswirkt. Speziell im Energiesektor haben sich die Preise dennoch drastisch erhöht. Hinzu kommt nämlich auch die Einführung der CO2-Abgabe seit Januar 2021, die Energieprodukte verteuert.

Das Statistische Bundesamt verwies zudem auf "krisenbedingte Effekte, wie die deutlichen Preisanstiege auf den vorgelagerten Wirtschaftsstufen". Angesichts von Lieferengpässen hatte es zuletzt über verschiedene Wirtschaftszweige hinweg bei der Materialbeschaffung teils deutliche Preissteigerungen gegeben. Diese Effekte hätten sich bisher jedoch "nur teilweise und abgeschwächt im Verbraucherpreisindex niederschlagen", erklärte Christoph-Martin Mai, Leiter des Referats "Verbraucherpreise" im Statistischen Bundesamt.

Inflation in Deutschland, Preisschock an den Tankstellen: Die Lebenshaltungskosten haben zuletzt merklich angezogen.

Inflation in Deutschland: Mehrwertsteuersenkung als Hauptgrund - Es gibt Ausnahmen

Die Preise für Waren insgesamt erhöhten sich von August 2020 bis August 2021 überdurchschnittlich um 5,6 Prozent. Vor allem die Preise für Energieprodukte lagen mit plus 12,6 Prozent deutlich über der Gesamtteuerung. Angeblich könnte der Spritpreis in Bälde sogar noch massiv steigen, auf über zwei Euro*.

Die Preise für Nahrungsmittel stiegen im August gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,6 Prozent, nach 4,3 Prozent im Juli 2021. Teurer gegenüber August 2020 wurden vor allem Gemüse (plus 9,0 Prozent) sowie Molkereiprodukte und Eier (plus 5,0 Prozent). Darüber hinaus verteuerten sich auch Gebrauchsgüter wie Fahrzeuge (plus 5,5 Prozent) oder Möbel und Leuchten (plus 4,0 Prozent) deutlich. Dagegen wurden laut Bundesamt nur wenige Waren billiger - zum Beispiel Fernsehgeräte (minus 0,7 Prozent).

Im Vergleich zum Vormonat Juli 2021 blieben die Verbraucherpreise im August indes stabil. Die Preise für Energieprodukte insgesamt erhöhten sich nur gering um 0,4 Prozent. Hier standen nach Angaben der Statistiker den Preisanstiegen bei Kraftstoffen (plus 0,9 Prozent) Rückgänge beim Heizöl (minus 1,7 Prozent) gegenüber.

Dabei müssen deutsche Haushalte mehr für Strom bezahlen als in allen anderen EU-Ländern. Das liegt an hohen Abgaben. Doch Besserung ist kaum in Sicht. (PF/dpa) *Merkur.de gehört zum Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Michael Gstettenbauer/Imago

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