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Konsum wird teurer: Die Verbraucherpreise sind im vergangenen Jahr im Schnitt um 1,5 Prozent gestiegen

Statistik

Inflationsrate – mal ganz regional und individuell

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München - Offiziell sind die Verbraucherpreise 2013 um 1,5 Prozent gestiegen. Gefühlt lag die Teuerung höher – je nach Wohnort und Konsumverhalten. Regionale Preisindizes sollen die Teuerungsrate aussagekräftiger machen.

Die Statistik hat gesprochen: Die Inflationsrate in Deutschland lag im vergangenen Jahr bei 1,5 Prozent. Das teilte das Bundesamt für Statistik Anfang der Woche mit. Die Verbraucherpreise sind demnach im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Prozent gestiegen. Ein niedriger Wert – eigentlich Grund zur Freude für die Verbraucher. Wäre da nicht die eigene Wahrnehmung: Die Miete wurde kräftig erhöht, die EEG-Umlage verteuert den Strom, Lebensmittel waren auch schon mal günstiger und die letzte Heizölrechnung war ein Schock. Wie kommen die Statistiker also auf 1,5 Prozent? Und warum fühlt sich das bei vielen Verbrauchern mehr wie 15 Prozent an?

Zunächst zu den offiziellen Zahlen: Jeden Monat berechnet das Statistische Bundesamt den Verbraucherpreisindex. Er gibt an, wie sich die Preise im Vergleich zum Vorjahresmonat entwickelt haben. In Prozent stellt das die Inflationsrate dar. Grundlage für die Berechnung ist ein Warenkorb, der alle für den Konsum wichtigen Produkte und Dienstleistungen enthält – von Lebensmitteln und Kleidung bis hin zu Mieten und Versicherungen. Rund 300 000 Einzelpreise werden dafür jeden Monat in ganz Deutschland erhoben. Sie werden in zwölf Warengruppen eingeteilt und unterschiedlich stark gewichtet. Der Bereich „Wohnen“, zu dem Miet- und Heizkosten zählen, macht mit rund 32 Prozent den größten Teil des Kuchens aus (siehe Grafik).

Der Inhalt des Warenkorbs wird regelmäßig aktualisiert – Produkte, die aus den Sortimenten der Supermärkte verschwinden, werden automatisch durch neue Waren ersetzt. Alle fünf Jahre wird die Gewichtung der Warengruppen, das sogenannte Wägungsschema, außerdem aktualisiert – zuletzt 2013. „Aufgrund der sich verändernden Altersstruktur wurden das Gesundheitswesen und der Pflegebereich aufgewertet“, erklärt Ute Egner vom Statistischen Bundesamt. Auch der Bildungsbereich spiele eine größere Rolle, da die Ausgaben für Nachhilfe und Privatschulen in Deutschland gestiegen seien. Außerdem wird der Internethandel bei der Berechnung des Indexes noch stärker berücksichtigt.

Am Ende stellt die Teuerungsrate den deutschen Durchschnitt dar. Neben der amtlichen Inflation gibt es aber auch die „gefühlte Inflation“, also die Teuerung, wie sie die Verbraucher bei ihren täglichen Einkäufen subjektiv wahrnehmen. Dabei werden Dinge des täglichen Bedarfs (zum Beispiel Lebensmittel) stärker berücksichtigt als langlebige Konsumgüter (zum Beispiel Autos).

Doch auch von der gefühlten Inflation kann die persönliche Wahrnehmung deutlich abweichen. Regionale Unterschiede werden auch hier nicht berücksichtigt – obwohl diese in manchen Bereichen gravierend sind. „Im Bildungswesen macht es etwa einen großen Unterschied, ob Studiengebühren erhoben werden oder nicht“, sagt Egner. Außerdem sei der Wohnungsmarkt in Deutschland sehr differenziert.

Eine Arbeitsgruppe des „Rats für Sozial- und Wirtschaftsdaten“ hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, regionale Preisindizes zu entwickeln – bisher sei das ein „weißes Fleck“ auf der Landkarte. Einmal pro Jahr sollen die Verbraucherpreise auf Kreisebene erhoben werden. So sollen die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten in den Regionen deutlich werden – ein wichtiger Punkt, wenn es etwa um einen Wohnortwechsel geht. „Für Arbeitnehmer können regionale Preisindizes eine wichtige Basis für Gehaltsverhandlungen sein“, sagt Heiko Stüber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und Mitglied in der Forschungsgruppe „Regionale Preisindizes“.

Erste Untersuchungen hätten bereits ergeben, dass das Preisgefälle (ohne Mieten) zwischen Stadt und Land in Deutschland durchschnittlich zwischen drei und sechs Prozent liege. Größere Unterschiede gebe es bei den Mieten. Die Preisgestaltung großer Handelsketten sei dagegen oft bundesweit einheitlich. „Außerdem dämpft der wachsende Online-Handel regionale Preisunterschiede“, erläutert Stüber. Mit ersten abschließenden Ergebnissen rechnet er in ein bis zwei Jahren. Im Februar will die Arbeitsgruppe einen Antrag auf Forschungsgelder bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft beantragen, um das Projekt weiter voranzutreiben.

Nicht nur regional, sondern ganz persönlich wird die Inflationsrate mit dem Inflationsrechner auf der Homepage des Statistischen Bundesamtes (www.destatis.de). Hier kann jeder seine individuelle Teuerungsrate errechnen. „Die persönliche Inflation kann dabei weit vom Durchschnittswert abweichen“, sagt Egner. Je nachdem, ob jemand Raucher ist, Autofahrer, Jugendlicher oder Rentner. Zwei Beispiele: Legt man den Verbraucherpreisindex vom November 2013 zu Grunde, sinkt bei Nichtrauchern die persönliche Inflationsrate um 0,1 Prozent. Der Hintergrund: Die Tabakpreise zogen im November um 4,1 Prozent an – fällt diese Teuerung in der Rechnung weg, sinkt die Inflationsrate. Die persönliche Inflationsrate von Autofahrern liegt dagegen über dem Durchschnitt. Hintergrund: Die Preise für Kraftstoffe sind im November gesunken (minus fünf Prozent). Das hat die Teuerung gedämpft – fällt dieser Effekt weg, klettert die Inflationsrate von 1,3 auf 1,6 Prozent.

Manuela Dollinger

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