Seit dem Ausbruch der Finanzkrise liebäugeln viele Menschen mit Investitionen in Wohnimmobilien.

Inflationsschutz aus Beton

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise liebäugeln viele Menschen mit Investitionen in Wohnimmobilien. Tatsächlich sind die Rahmenbedingungen dafür derzeit vergleichsweise günstig.

Wer sein Geld ins Haus oder die Eigentumswohnung investiert, sichert sich damit einen Inflationsschutz. Denn in den vergangenen zehn Jahren war der Gesamtertrag bei Wohnimmobilien, also die Summe aus Mieteinnahmen und Wertentwicklung, deutlich höher als die Inflationsrate. Zudem ließ sich mit Wohnimmobilien seit 1996 sogar eine bessere Rendite erzielen als mit Aktien des Deutschen Aktienindex Dax, wie eine neue Studie der Postbank ergeben hat.

„Anlagen in deutsche Wohnimmobilien bieten nicht nur auf lange sondern auch auf kurze Sicht einen guten Schutz vor Inflation“, sagt denn auch Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank. Bei einer Immobilienanlage setzt sich der Gesamtertrag aus den laufenden Mieteinnahmen und der Wertveränderung des Hauses oder der Eigentumswohnung zusammen.

Im Verhältnis zum jeweiligen Immobilienwert lässt sich dann die Anlagerendite errechnen. Zwischen 1996 und 2008 summierte sich diese reale Rendite der Untersuchung zufolge auf rund 50 Prozent. Das entspricht einer Verzinsung von rund 3,8 Prozent pro Jahr. Demgegenüber stiegen die allgemeinen Verbraucherpreise um 1,8 Prozent jährlich.

Langfristige Analysen zeigen, dass Mieteinnahmen mit der Preisentwicklung in Deutschland Schritt halten können. So sind die Mieten und das allgemeine Preisniveau zwischen 1996 und 2009 etwa gleich stark gestiegen. Immobilien sind aber nicht nur als Anlageobjekt eine gute Alternative. „Grundsätzlich können auch Eigentümer, die eine Wohnung oder ein Haus selbst nutzen, vom Inflationsschutz einer Immobilie profitieren“, betont Bargel. „Sofern eine Finanzierung mit einer langfristigen Zinsbindung vereinbart wurde, wirken sich zwischenzeitliche Zinserhöhungen infolge eines Inflationsanstiegs auf die finanzielle Belastung nicht aus.“

Hypothekendarlehen sind weiterhin günstig zu haben, auch wenn die Zinsen in den vergangenen Monaten leicht gestiegen sind. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Hamburg liegen die besten Angebote für Kredite bis 100 000 Euro bei zehnjähriger Laufzeit bei etwa 4,1 Prozent.

Das aktuelle Zinstief können auch diejenigen nutzen, die erst in einigen Jahren einen Anschlusskredit für ihre Immobilie benötigen. Mit einem sogenannten Forwarddarlehen können sie sich die niedrigen Zinsen für die Zeit nach Ablauf des laufenden Kredits sichern. Es lohnt sich jedoch immer ein Vergleich, wie eine Untersuchung des Magazins „Finanztest“ zeigt. Bei 100 000 Euro Kreditsumme, dreijähriger Vorlaufzeit und 15-jähriger Zinsbindung beträgt der Unterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter über die gesamte Laufzeit immerhin 10 600 Euro.

Entscheidend für die Ertragsaussichten von Immobilien ist weiterhin die Lage. Die regionalen Unterschiede können erheblich sein, belegt auch eine neue Studie der Landesbausparkassen. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala der Immobilienkäufer stehen Einfamilienhäuser. Die von der LBS vermittelten Verkäufe lagen im ersten Quartal um vier Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Bei gebrauchten Eigentumswohnungen drückt laut LBS das große Angebot die Preise. Sie sind derzeit rund 30 Prozent günstiger als Neubauten zu haben. Angesichts des schwachen Wohnungsneubaus muss laut LBS-Studie damit gerechnet werden, dass das Angebot in den nächsten Jahren eher knapper wird und die Preise steigen.

Für Finanztest-Experte Jörg Sahr spricht nichts dagegen, jetzt in Immobilien zu investieren. „Das Zinsniveau ist niedrig, die Preise sind stabil, und Käufer haben gute Chancen auf den Werterhalt ihrer Immobilie.“ Allerdings sollten Interessenten die Preise in der jeweiligen Region genau vergleichen. „Entscheidend ist letztlich die Mietersparnis in Relation zum Kaufpreis, und dabei kann dann durchaus auch herauskommen, dass man als Mieter günstiger fährt.“

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