Ingenieure gefragt - aber nicht alle

- München - In Zeiten von Massenarbeitslosigkeit ist es kaum zu glauben: Unternehmen beklagen, dass sie auf dem deutschen Arbeitsmarkt nicht genug Bewerber finden - und das in einer deutschen Domäne, dem Ingenieurswesen. Hier stehen nach Branchenangaben 15 000 Stellen offen, weil es keine geeigneten Bewerber gibt. Doch das liegt auch an den Unternehmen selbst.

Es ist eine der selten guten Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft: Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS will bei seiner Tochter Airbus heuer 1000 neue Mitarbeiter einstellen. Das Geschäft brummt und das Unternehmen benötigt zusätzliche Arbeitskraft. Allerdings: Es sei schwierig, auf dem deutschen Arbeitsmarkt ausreichend qualifizierte Bewerber zu finden. Und das ist offenbar kein Einzelfall.

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) hat kürzlich vor Nachwuchsmangel in technischen Berufen gewarnt. 15 000 Stellen in Deutschland könnten nicht besetzt werden, weil es an passendem Personal fehle. "Der Fachkräftemangel ist derzeit das Investitionshemmnis Nummer eins in Deutschland", erklärte VDI-Direktor Willi Fuchs. Ohne entsprechende Mitarbeiter bleibt den Unternehmen oft nichts anderes übrig, als Projekte zu streichen oder ins Ausland zu verlagern. "Damit verliert Deutschland Wirtschaftskraft", resümiert ein VDI-Sprecher. Und das mehrfach. Denn an jeder Ingenieursstelle hingen im Schnitt 2,3 weitere Arbeitsplätze.

Für eine große Zahl von Menschen in Deutschland ist das allerdings kaum zu fassen. Rund 66 000 Ingenieure sind der jüngsten Statistik zufolge bei der Bundesagentur für Arbeit als arbeitslos gemeldet. Da hier nicht alle Kreise erfasst sind, liegt die tatsächliche Zahl wohl zwischen 70 000 und 80 000. Doch von denen wollen viele Unternehmen nichts wissen. "Es ist die Frage, ob die Qualifikationen auf die gesuchten Stellen passen und wie die regionale Verteilung aussieht", relativiert man bei der Bundesagentur. Den größten Anteil - etwa ein Drittel - machen Architekten und Bauingenieure aus. Und in dieser Branche ist die Beschäftigungssituation wegen der schwachen Konjunktur nach wie vor schlecht. Auch in gefragten Feldern - Maschinenbau und Elektro - gibt es zehntausende arbeitslose Ingenieure. Doch selbst die bekommen selten eine Chance.

"Einige Unternehmen haben manchmal ein zu hohes Anspruchsniveau", beklagt der VDI-Sprecher Sven Renkel. Wenn ein Bewerber einem Stellenprofil nicht voll entspreche, wünsche man sich von den Betrieben "mehr Bereitschaft zur Weiterqualifizierung der potenziellen Mitarbeiter". Ähnlich sieht das Bundesagentur-Expertin Beate Raabe. "Absolventen haben im Moment gute Job-Chancen. Auf der anderen Seite gibt es bei den Arbeitslosen viele, die älter als 50 Jahre sind. Und hier besteht bei einigen Unternehmen das Vorurteil, dass die nicht über die aktuellen Fachkenntnisse verfügen würden", kritisiert sie. Zudem erwarteten viele Betriebe, dass ein Bewerber nicht aufwendig angelernt werden müsse, sondern vom ersten Tag an loslegen könne.

Bei der EADS räumt man ein, auf der Suche nach Spitzenkräften zu sein. Die Luft- und Raumfahrtbranche setze hohe Qualifikationen voraus. Dazu kommen die Besonderheiten des internationalen Konzerns: Fremdsprachenkenntnisse und Interesse, mit Kollegen aus verschiedenen Kulturkreisen zu arbeiten, werden erwartet, erklärt Thorsten Möllemann, Leiter Personalmarketing bei der EADS. Zudem sollen die Mitarbeiter flexibel sein. "Man sollte mit dem Ansatz kommen, dass man an dem Standort, an dem man anfängt, nicht sein Leben lang bleibt."

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