Ingenieure gesucht: Doch nur gute Noten sind kein Erfolgsrezept

- München - Überkapazitäten, Personalabbau, Werkschließungen. Nicht alle Berufsgruppen leiden unter diesem Schicksal. Ingenieure werden gesucht. Am Freitag pendelte ein Tross von 150 Studenten zwischen vier oberbayerischen Technologieunternehmen - um schon frühzeitig Kontakte zu Unternehmen zu knüpfen.

<P>BMW, EADS, Audi, Infineon waren die entsprechenden Stationen des "Jobathlon". Alle haben immer wieder entsprechende Stellen zu besetzen und wollen mögliche Bewerber bereits als Studenten kennen lernen. Allerdings gehören sie zu den Unternehmen, die sich Bewerber aussuchen können. Mehrere 100 000 Bewerbungen kommen auf einige 1000 zu besetzende Stellen. Warum dann diese Aktivitäten? "Wir wollen die Besten", sagen übereinstimmend Sprecher von BMW und EADS. Das aber ist nicht gleichbedeutend mit den besten Noten. Die gute Papierform hilft nicht weiter, wenn ein Bewerber nicht fähig ist, im Team zu arbeiten. "Auch die Soft-Skills müssen stimmen", sagt Martina Hatzel von BMW. Bei EADS spielt Internationalität eine entscheidende Rolle. Dazu gehören Sprachkenntnisse - Englisch wird vorausgesetzt -, aber auch die Fähigkeit, im Ausland zu leben. Semester in Spanien oder Auslandspraktika sind unter Umständen wichtiger als Noten. Zwar sind, so Markus Wölfle von EADS, "gute Noten nie schlecht". Doch weniger gute könne man durch andere Qualitäten ausgleichen. Doch ist es extrem schwierig, sich in der Masse durchzusetzen.<BR><BR>Wer mit Bewerbungen wartet, bis er das Diplom in der Tasche hat, ist in vielen Fällen zu spät dran. Der Königsweg - auch bei großen Unternehmen - sind Praktika. Wer einmal bekannt ist, wird nicht in anonymen Auswahlverfahren aussortiert. Das bestätigt auch Andreas Lämmlein von Infineon: Das ist für beide Seiten ideal. Wer als Praktikant beim Münchner Halbleiterhersteller einen guten Eindruck hinterlassen wird im Rahmen des "Student Membership-Programms" auch weiter gefördert, etwa über Exkursionen oder die Vermittlung von Auslandspraktika. Am Ende des Programms steht idealerweise ein Berufseinstieg.<BR><BR>Bei der Suche sollte man sich nicht wegen einer vermeintlich falschen Fachrichtung zurückhalten. BMW sucht eben nicht nur Fahrzeugspezialisten. Besonders gefragt sind derzeit Informatiker und Elektroniker. Bei der EADS sind von den 800 jährlich in Deutschland eingestellten Akademikern zwar 85 % Ingenieure. Doch nur jeder Dritte dieser Posten wird mit Luft- und Raumfahrtingenieuren besetzt. Daneben sind IT-Qualifikationen besonders gefragt, aber auch aus den Fachrichtungen Maschinenbau und Kommunikation werden Bewerber gesucht.<BR><BR>Männer werden übrigens in klassischen Männerberufen nicht besonders gefördert. Im Gegenteil, EADS hat gerade in diesen Bereichen 2003 mehr als 15 Prozent Frauen eingestellt. Für 2004 steht die Zielquote bei 20 Prozent. Dahinter steckt kein Quotendenken. Während bei Männer ein technischer Studiengang auch eine Verlegenheitslösung sein kann, gilt es bei einer Frau, die sich als Maschinenbau-Ingenieurin durchboxen will, als sicher, dass sie sich wirklich dafür interessiert.<BR></P>

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