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Ingenieure händeringend gesucht

- München - Es scheint paradox: Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Gleichzeitig suchen immer mehr Unternehmen nach qualifizierten Kräften, die sie immer schwerer finden. Das könnte sich in den nächsten Jahren sogar noch zuspitzen.

Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung erwartet zwar ab 2010 einen deutlichen Rückgang der Arbeitslosigkeit - aber nur "wenn der Bedarf an Arbeitskräften auch hinsichtlich der am Arbeitsmarkt gefragten Qualifikationen gedeckt werden kann".

Probleme zeichnen sich bereits ab: "Wir suchen händeringend Ingenieure", sagt EADS-Co-Chef Tom Enders. 100 qualifizierte Fachkräfte stellt das erfolgreiche Unternehmen derzeit jeden Monat ein. Bewerber sind immer schwerer zu finden. "Die Arbeitsmärkte sind leer gefegt", sagt Enders. Nicht nur in Deutschland, auch in Frankreich und anderen Ländern.

Vielleicht sollte Enders sein Glück einmal in Österreich versuchen. Denn der kleine Nachbar im Südosten zeichnet sich durch ein praxisorientiertes Bildungssystem aus, bei dem viele Wege zur Matura (dem österreichischen Abitur) führen. Mehr als jeder Zweite legt dort gleichzeitig mit der Reifeprüfung auch eine Diplomprüfung ab. Denn parallel zu den klassischen Gymnasien gibt es in Österreich "berufsbildende höhere Schulen". Diese dauern zwar ein Jahr länger, bieten aber eine Qualifikation für einen direkten Berufseinstieg.

Knapp die Hälfte der Schüler entscheiden sich für den gewerblich-technischen Zweig.

Ob ihre Qualifikation der eines Ingenieurs entspricht - wie die entsprechenden österreichischen Berufsorganisationen sagen - oder der eines Technikers in Deutschland - so die Meinung in zahlreichen EU-Gremien - ist noch nicht abschließend geklärt. Wer sich mit diesem Abschluss für ein Studium entscheidet, spart sich aber gegenüber dem herkömmlichen Abitur dank der fachlichen Vorbildung bis zu vier Semester.

Diese Schulen (daneben gibt es auch berufsbildende mittlere Schulen oder die klassische Lehre) sind mittlerweile der in Österreich häufigste Ausbildungsgang. Vor allem die enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, etwa bei Diplomarbeiten, erleichtert den Zugang zum Arbeitsmarkt.

Deshalb nutzen längst nicht alle Absolventen der berufsbildenden höheren Schulen die Möglichkeit eines Studiums, viele von ihnen entscheiden sich für einen direkten Berufseinstieg. Die betriebliche Praxis und die während der Ausbildung erworbenen handwerklichen Fähigkeiten sorgen für eine "extrem positive Aufnahme" der Absolventen durch die Unternehmen, wie Bernhard Bachleitner von der "Austrian Business Agency" sagt.

Auch der Zugang zu höheren Schulen ist in Österreich wesentlich flexibler geregelt. Von der Hauptschule können die Schüler - wenn die Noten stimmen - jederzeit aufs Gymnasium wechseln, denn die Lehrinhalte in der schwierigsten von drei Hauptschulkategorien entsprechen denen des Gymnasiums. Entsprechend ermöglicht auch der Hauptschulabschluss nach neun Jahren den direkten Zugang zu höheren Schulen.

Obwohl Österreich wie Bayern am gegliederten Schulsystem festhält, sorgt die höhere Transparenz für eine Abiturientenquote von rund 40 Prozent. In Bayern liegt sie bei knapp 30 Prozent. Zu wenig jedenfalls, um den Ingenieurmangel der kommenden Jahre zu decken.

EADS-Chef Enders hofft auf eine wachsende Technikbegeisterung in Deutschland. Hoffnung schöpft er aus der guten Resonanz bei den ersten Flügen des Riesen-Airbus A 380 in Deutschland, wo tausende Menschen die Landebahnen gesäumt hatten. "Die Begeisterung für diesen Flieger" sollte bewirken, so wünscht es sich Enders, "dass junge Menschen diesen Weg einschlagen".

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