+
Vielen geht der Durchblick verloren vor lauter Rechnungen und Mahnungen. Wenn dann Inkasso-Firmen die ersten Briefe schicken, handeln manche Schuldner panisch. Dabei ist gerade dann ein kühler Kopf gefragt.

Inkasso: Das Geschäft mit der Angst

München - Mit Mahnbescheiden, Schufa-Einträgen und Gerichtsvollziehern drohen dubiose Inkasso-Unternehmen vermeintlich zahlungsunwilligen Kunden – häufig mit unlauteren Mitteln. Doch es gibt Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren.

Es sind Schreiben, die niemand im Briefkasten haben möchte: Zahlungsaufforderungen von Inkasso-Unternehmen. Die Branche der Geldeintreiber ist für schwarze Schafe besonders anfällig. Die Absender drohen teilweise mit teuren Mahnbescheiden, Zwangsvollstreckungen und Gerichtsvollziehern, um die Kunden unter Druck zu setzen. Sie hoffen, dass Adressaten aus Angst vor den Folgen zahlen – müssen sie in vielen Fällen aber nicht. Man muss nur wissen, wie man sich zur Wehr setzt.

Was tun eigentlich Inkasso-Firmen?

Grundsätzlich treiben sie offene Geld-Forderungen für einen Gläubiger ein. Dies kann beispielsweise ein Händler, Internetanbieter oder Versicherungsunternehmen sein, also ein Unternehmen, mit dem ein rechtlicher Vertrag über kostenpflichtige Leistungen geschlossen wurde. Kommt ein Kunde diesen finanziellen Verpflichtungen nicht nach, kann der Vertragspartner ein Inkasso-Unternehmen damit beauftragen, die offenen Beträge einzufordern. So erspart sich der Konzern Zahlungserinnerungen und Mahnungen. Entweder handelt eine Inkasso-Firma im Auftrag eines Vertragspartners oder aber kauft diesem die Forderungen ab. In letzterem Fall arbeitet das Inkasso-Unternehmen für sich selbst und fordert das Geld in Eigeninteresse ein.

Woran sind seriöse Firmen erkennbar?

Schon der Brief eines Inkasso-Unternehmens gibt Hinweise auf dessen Seriosität. Auf dem Briefbogen muss die Registrierung beim zuständigen Gericht angegeben sein. Diese kann man im Internet unter www.rechtsdienstleistungsregister.de überprüfen oder sich beim Gericht direkt erkundigen, ob tatsächlich eine Registrierung vorliegt. Ist erst gar keine Registrierung auf dem Schreiben notiert, sollte dies beim zuständigen Gericht gemeldet werden, rät die Verbraucherzentrale Bayern.

Außerdem muss sich aus dem Brief ergeben, für wen das Inkasso-Unternehmen welche Forderungen geltend macht. Üblicherweise gewährt eine seriöse Firma außerdem eine Zahlfrist von etwa sieben Tagen ab Datum des Schreibens. Ist der Brief auf einen Tag notiert, der bereits einige Wochen zurückliegt und dessen Frist schon abgelaufen ist, sollte man hellhörig werden.

Welche Gebühren muss ich akzeptieren?

Es gibt keine gesetzlich geregelte Höhe von Inkasso-Kosten. Aber Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale in Bayern weiß: „Es ist ein Wahnsinn, was zum Teil an Gebühren erhoben wird.“ Deshalb sollte man sich die Kostenaufstellung genau anschauen.

Generell sollte niemand eine Rechnung zahlen, wenn er keinen Vertrag mit dem betreffenden Unternehmen geschlossen hat. Denn mit der Zahlung akzeptiert man die Forderung. Ist die Aufforderung rechtens, muss der Gläubiger das billigste Mittel wählen. Das heißt, die Kosten eines Inkasso-Unternehmens sollten für den Kunden nicht über den Gebührenrahmen eines Rechtsanwaltes hinausgehen. Dieser Rahmen ist im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz geregelt. Werden Kontoführungsgebühren in Rechnung gestellt, muss der Kunde diese nicht bezahlen, sie sind über die Inkasso-Gebühr abgedeckt. Auch Zinsen dürfen nur in Höhe von fünf Prozentpunkten über dem Basiszins verlangt werden.

Sollte sich die Anschrift des Kunden geändert haben, muss dieser mit Adressermittlungs-Kosten in Höhe von vier bis acht Euro rechnen, falls er die neue Anschrift dem Vertragspartner nicht mitgeteilt hat. Keine Inkasso-Gebühr darf eine Firma verlangen, wenn sie die Forderungen vom ursprünglichen Vertragspartner gekauft hat und das Geld in eigener Sache eintreibt.

Wie wehre ich mich gegen Forderungen?

Am wichtigsten ist es, sofort Widerspruch einzulegen, sobald eine unberechtigte Zahlungsaufforderung des Inkasso-Unternehmens im Briefkasten liegt. Eine seriöse Firma sollte auf die Einwände eingehen. Häufig geht aus den Schreiben nicht eindeutig hervor, wer der richtige Ansprechpartner ist. „Am besten sollte man immer mit demjenigen in Kontakt treten, der einen als Letztes angeschrieben hat“, nennt Halm eine Faustregel. Danach gilt „Aussitzen. Denn der Gegner ist in der Beweispflicht“, erläutert die Expertin. Grundsätzlich reicht ein Widerspruch, egal wie viele Zahlungsaufforderungen folgen. Etwas anderes ist es bei Mahnbescheiden: Diesen sollte man zwingend erneut widersprechen.

Wo kann ich mich informieren?

Die Verbraucherzentrale in Bayern bietet sowohl eine telefonische Beratung wie auch Informationen im Internet unter www.verbraucherzentrale-bayern.de an. Außerdem laufen noch bis Ende September Umfragen der Verbraucherzentralen in ganz Deutschland zum Thema Inkasso. Verbraucher, die ein dubioses Schreiben eines Inkasso-Unternehmens erhalten haben, können dies an die zuständige Zentrale schicken. Dieses wird per Fragebogen ausgewertet und fließt in die Umfrage ein.

Von Janine Tokarski

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Airbus übernimmt Steuer bei Bombardiers C-Serie
Überraschung in der Flugzeugindustrie: Airbus steigt bei der C-Serie des kanadischen Konkurrenten Bombardier ein. Der Coup ist politisch delikat - denn Bombardier ist im …
Airbus übernimmt Steuer bei Bombardiers C-Serie
Dax kann Marke von 13 000 Punkten nicht halten
Frankfurt/Main (dpa) - Die Anleger sind am Dienstag in den letzten Handelsminuten in Deckung gegangen. Der Dax beendete den Tag 0,07 Prozent tiefer bei 12 995,06 Punkten.
Dax kann Marke von 13 000 Punkten nicht halten
Banken und Unternehmen machen Druck auf Brexit-Unterhändler
Je länger sich die Brexit-Verhandlungen hinziehen, desto schwieriger wird es für Unternehmen zu planen. Deshalb macht die Wirtschaft zunehmend Druck. Vor allem die …
Banken und Unternehmen machen Druck auf Brexit-Unterhändler
Staat verdient mehr an Rauchern
Wiesbaden (dpa) - Der deutsche Fiskus hat mehr an Rauchern verdient. Im dritten Quartal wurden 7,2 Prozent mehr versteuerte Zigaretten produziert als im …
Staat verdient mehr an Rauchern

Kommentare