Inline-Skater: Schnelle Rollen­ - teure Haftung

München - Mit dem schönen Wetter kommen auch die Inline-Skater wieder ins Rollen. Doch wo dürfen sie das eigentlich? Und wie ist die Rechtslage, wenn auf den flinken Rollschuhen etwas passiert?

Nach gegenwärtigem Recht müssen Inline-Skater innerorts auf dem Bürgersteig fahren, außerorts auf der linken Seite, da "Blader" den Fußgängern gleichgestellt sind. Müssten sie generell die Straße benutzen, so wäre die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer größer als auf dem Bürgersteig. Das hat der Bundesgerichtshof bereits vor Jahren entschieden (Aktenzeichen VI ZR 333/00). Keine präzisen Angaben machten die Richter zur Geschwindigkeit auf dem Gehsteig. Sie müsse der Situation angemessen sein ­ im Zweifel sei allerdings Schritttempo angebracht.

Obwohl der Gesetzgeber dazu aufgerufen wurde, das Recht zu präzisieren, ist bisher nichts in diese Richtung geschehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass auf den Straßen aktuell nichts geschieht, wie die folgenden Richtersprüche beweisen:

Radlern gleichgestellt

Radfahrer haben auf kombinierten Rad-/Fußwegen "besondere Rücksicht" auf Fußgänger zu nehmen, nicht jedoch auf Inline-Skater. Hier haben Radfahrer und Inliner auf gemeinsamen Rad- und Fußwegen gleichermaßen "aufeinander zu achten". Das Kammergericht Berlin stellte fest: Da Radler und Inline-Skater sich gleich schnell fortbewegen können, sind beide "gleichberechtigt". Im verhandelten Fall konnten Sachverständige nicht feststellen, wer von zwei Freizeitsportlern ­ ein Radfahrer und ein Inline-Skater ­, die auf einem gemeinsamen Rad-/Fußweg zusammengestoßen waren, die Schuld daran trug. Deshalb blieben beide mit ihren gegenseitigen Forderungen erfolglos (Aktenzeichen 12 U 195/05).

Riskante Kurve

Übt ein Inline-Skater auf einem kombinierten Fahrrad- und Fußgängerweg das Kurvenfahren, so trägt er 50 Prozent des Schadens, wenn ein nachfolgender Fahrradfahrer wegen eines Schlangenlinien-Manövers des Skaters stark abbremsen muss und sich beim Sturz schwer verletzt. Der Fahrradfahrer trägt deshalb 50 Prozent selbst, weil er den Skater von hinten kommend im Blick hatte (Landgericht Coburg, Aktenzeichen 11 O 320/02).

Sturz über Schlauch

Stürzt ein Inline-Skater über einen quer über die Straße verlegten Gartenschlauch eines Hauseigentümers, so kann er weder Schadenersatz noch Schmerzensgeld verlangen. Ein Gartenschlauch ist ein ­ wegen seines Durchmessers von wenigen Zentimetern ­ "geringfügiges Hindernis", aber dennoch für jedermann "klar erkennbar". Der Eigentümer hat seine Verkehrssicherungspflicht nicht verletzt (OLG Koblenz, Aktenzeichen 5 W 15/08).

In der Halle

Wilde Skater stürzen auf eigene Gefahr. Ein Inline-Skater, der in einer Skater-Halle bei einem Ausweichmanöver (ein anderer Fahrer kreuzte seinen Weg) stürzt und sich schwer an Brust- und Lendenwirbel verletzt, kann nicht vom Betreiber der Halle Schmerzensgeld und Schadenersatz verlangen, weil die Streckenführung zu unübersichtlich sei. Stellt sich heraus, dass fehlende Aufmerksamkeit und gegenseitige Rücksichtnahme der Fahrer ursächlich für den Unfall waren, ferner alle Bauvorschriften vom Hallenbetreiber eingehalten wurden, so geht der Skater leer aus (OLG Bamberg, 5 U 185/05).

Versteckte Scherbe

Inline-Skater müssen mit versteckten Gefahren rechnen. Ein Inline-Skater kann die Kommune nicht für einen Unfall verantwortlich machen, der dadurch entstanden ist, dass er auf einem kombinierten Rad-/Gehweg deshalb gestürzt ist, weil Blütenstaub von Pappeln eine Glasscherbe verdeckt hat, die sich zwischen die Rollen verkeilt hat. Eine ständige Kontrolle und gegebenenfalls Reinigung ist der verkehrssicherungspflichtigen Behörde nicht zumutbar (OLG Koblenz, 1 U 1100/02).

Rechts halten

Auf Wegen müssen Skater immer rechts fahren ­ auch auf landwirtschaftlichen Wirtschaftswegen. Deshalb haftet eine Inline-Skaterin, die mit ihrer Freundin einen solchen Weg nebeneinander befährt und dabei ­ auf der linken Seite ­ mit einer entgegenkommenden Radfahrerin zusammenstößt, für die Folgen (hier unter anderem: 30 000 Euro Schmerzensgeld). (OLG Hamm, 6 U 63/00)

Lärm senkt die Miete

Auch unverschuldet muss der Vermieter für Skater-Lärm "bluten". Zwar hat der Vermieter eine "eindringliche Geräuschbelästigung" durch Rollgeräusche von Inline-Skatern aus dem benachbarten Schulzentrum nach 22 Uhr nicht zu vertreten, aber der Mieter darf die Miete sogar dann mindern (hier um 5 Prozent), wenn die Skater-Anlage nachträglich gebaut wurde (Amtsgericht Emmerich, 9 C 72/00).

Volle Haftung

Generell gilt: Wer als Inline-Skater einen Unfall verschuldet, der haftet mit seinem gesamten Vermögen für die Folgen. Wohl dem, der in einer solchen Situation eine private Haftpflichtversicherung im Rücken hat.

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