Wie Innovationkraft entfesselt wird

- München -­ Klare Worte hat Roman Herzog nie gescheut. An seiner berühmten Ruck-Rede, in der er in seiner Zeit als Bundespräsident einen energischen Umschwung im Land forderte, stört ihn nach eigenem Bekunden heute nur, dass er damals von allen Seiten Lob erntete. Darum legte er gestern in München noch einmal nach: "Die Ruck-Rede war nur in zweiter Linie an die Regierung gerichtet und in dritter an die Opposition. In erster Linie hat sie sich an das Volk gerichtet", sagte Herzog am Rande eines Fachsymposiums zum Thema "Innovationen neu denken".

"Politiker, die wirklich etwas bewegen wollen, werden vom Volk bei der nächsten Wahl sofort abgestraft", kritisierte er.

Dabei gibt es laut Herzog in Deutschland mehr als genug, was bewegt werden müsste. Beginnen würde er bei der Bürokratie. "Das muss sein, kostet nichts und nimmt niemandem etwas weg." Zur praktischen Umsetzung des Vorhabens würde Herzog eine Kommission einsetzen, der man zur Vorgabe macht, jedes Jahr einige hundert oder gar tausend Verordnungen zu streichen. "Anders geht es nicht", glaubt der Bundespräsident a. D., der mittlerweile Vorsitzender des Roman Herzog Instituts ist. Dieses Institut befasst sich mit der Frage, wie ein ressourcenarmes Land wie Deutschland Innovationskraft mobilisieren kann. Die Ausgangslage dafür "ist gar nicht so schlecht", befand Herzog. Schließlich sei Deutschland nach wie vor ein Land der Ideen ­ wenngleich nicht zugleich der Markterfolge. Als Beispiel nannte er die Geschichte der MP3-Technologie, die hierzulande ersonnen, aber in den USA und Asien zu Geld gemacht wurde. "Wertschöpfung und Arbeitsplätze entstehen so im Ausland." Das sei nicht nur ein Problem der Unternehmen, sondern auch der Gesellschaft, die "gern als Erstes darüber nachdenkt, wie gefährlich etwas sein könnte".

Dieses Sicherheitsdenken stehe auch der Innovationsförderung im Wege. Denn schon auf dem Antrag für Fördergeld müsse angegeben werden, was denn am Ende genau herauskommen soll. "Eine Vorgehensweise, die dem Geist von Innovationen fundamental widerspricht." Herzog plädierte dafür, dass Aufwendungen für Forschung und Entwicklung auch über 100 Prozent steuerlich absetzbar sein sollten. "Das klingt primitiv, spart aber die Prüfung von Projektanträgen."

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