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Mit der Insolvenz des Solarmodulherstellers sind auch am Thüringer Produktionsstandort Hunderte Arbeitsplätze akut gefährdet. Foto: Arifoto Ug/Michael Reichel

Werk Arnstadt läuft weiter

Sanierer Piepenburg soll Solarworld retten

Bonn - Die Mitarbeiter von Solarworld haben einen neuen Hoffnungsträger: Nach dem Insolvenzantrag übernimmt der erfahrene Anwalt Horst Piepenburg vorläufig die Geschäfte.

Nach dem Insolvenzantrag des Solarherstellers Solarworld tritt der erfahrene Sanierungsexperte Horst Piepenburg an, um das Unternehmen mit insgesamt 3300 Beschäftigten zu retten. Das Amtsgericht Bonn bestellte den Düsseldorfer Anwalt zum vorläufigen Insolvenzverwalter. 

Der 63-Jährige hat sich mit zahlreichen erfolgreichen Einsätzen bundesweit einen Namen gemacht. So schaffte er es 2002 beim insolventen Oberhausener Babcock-Konzern, trotz der Pleite die Mehrzahl der rund 21.000 Jobs zu retten. "Ich übernehme keine aussichtslosen Mandate", wird Piepenburg zitiert.

Nach dem Insolvenzantrag für die Konzernmutter meldete Solarworld auch für die deutschen Tochtergesellschaften Insolvenz an. Betroffen seien die Töchter in Sachsen und Thüringen sowie zwei weitere Gesellschaften, teilte Solarworld mit. Der Schritt war erwartet worden. Solarworld beschäftigt in Deutschland rund 2600 Menschen, davon in Arnstadt (Thüringen) gut 800 und in Freiberg (Sachsen) gut 1200.

Produktion läuft vorerst weiter

Die Produktion bei Solarworld laufe am Freitag vorerst weiter, sagte ein Unternehmenssprecher. Künftig muss aber Piepenburg entscheiden, ob etwa neues Material nachgekauft werden darf. Das Wichtigste dürfte daneben aber die Suche nach einem Investor sein.

Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sicherte am Freitag bei einem Besuch des erst vor einigen Jahren eröffneten Werkes in Arnstadt die Unterstützung des Landes zu. In der thüringischen Stadt beschäftigt Solarworld derzeit noch 814 Mitarbeiter. Das Werk sichert laut Tiefensee außerdem Hunderte Arbeitsplätze bei Zulieferern. Die Produktion müsse möglichst weiter laufen, sagte Tiefensee. Es sei mit Blick auf eine Zukunftslösung und die Investorensuche wichtig, einen produzierenden Standort zu haben.

Solarworld hatte am Donnerstag offiziell Insolvenz zunächst für die Konzernmutter Solarworld AG angemeldet. Das Unternehmen macht für sein Scheitern vor allem Dumping-Angebote aus China verantwortlich, die den Marktpreis weltweit in den Keller gedrückt hätten. Deutschlandweit beschäftigte Solarworld rund 2600 Menschen in der Bonner Zentrale, in Arnstadt und in Freiberg (Sachsen). Hinzu kommt ein großer Standort in den USA.

Bafin prüft Insolvenzantrag

Der für viele Anleger und Mitarbeiter überraschende Insolvenzantrag beschäftigt unterdessen die Finanzaufsicht Bafin. Es werde geprüft, ob die Anleger rechtzeitig über drohende Risiken informiert worden seien, bestätigte eine Bafin-Sprecherin eine entsprechende Meldung der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Freitag).

Laut FAZ geht es darum, ob der bisherige Firmenchef Frank Asbeck das Überschuldungsrisiko in der Bilanzpressekonferenz nur wenige Wochen vor dem Insolvenzantrag heruntergespielt habe. Asbeck verteidigte seine Informationspolitik. Er sei selbst von der Zuspitzung der Krise überrascht worden, sagte er dem Wirtschaftsmagazin "Capital".

Zu Wort meldeten sich auch Vertreter von Anlegern. Aktionäre und Anleihegläubiger sollten ihre jeweiligen Interessen bündeln, riet der Frankfurter Anwalt Klaus Nieding. Die Anleger müssten von Anfang an in die kommenden Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

dpa

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