+
Dr. Martin Heidrich, Partner Corporate Restructuring und Insolvenzverwalter bei der Wirtschaftskanzlei White & Case.

Insolvenz und Sanierung

Frühzeitige Planung kann Probleme mindern

Sanierungsberater erarbeiten gemeinsam mit dem Unternehmer Lösungen in wirtschaftlich schwierigen Situationen. Dazu kann auch der Gang in ein Insolvenzplanverfahren gehören, um sich auf diese Weise zu restrukturieren.

Durch ESUG, das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen in Eigenverwaltung, hat sich einiges verändert. Immer mehr Insolvenzverwalter haben ihren Fokus erweitert und stehen als Restrukturierungsexperten auf Seiten des Unternehmers. Und zwar schon dann, wenn sich die Zahlungsunfähigkeit erst anbahnt, aber noch nicht eingetreten ist.

„Durch eine frühzeitige Planung lassen sich Schwierigkeiten in den Griff bekommen – und sei es, dass Unternehmer und Restrukturierungsberater gemeinsam einen Sanierungsplan erstellen, in dem die Insolvenz als Instrument vorgesehen ist, also ein Insolvenzplanverfahren nach ESUG“, sagt Dr. Martin Heidrich, Partner Corporate Restructuring und Insolvenzverwalter bei der Wirtschaftskanzlei White & Case, die zu den größten Insolvenzverwalter-Kanzleien Deutschlands gehört. Gemeinsam könne man dem Insolvenzverwalter und den Gläubigern ein transparentes und erfolgversprechendes Konzept vorlegen, das erklärt, was auf welche Weise neu gestaltet werden soll.

„Damit kann ein Unternehmer ein gewisses Mitbestimmungsrecht im Insolvenzverfahren erhalten und seinen Sanierungsplan einbringen.“ Martin Heidrich ist aber auch der Überzeugung, dass das beste Konzept nicht hilft, wenn der Unternehmer nicht mit Herzblut bei der Sache ist. „Wenn der Unternehmer nicht will, kann man nicht sanieren. Der Impuls muss frühzeitig vom Unternehmer kommen, dann kann man gemeinsam gestalten. Viele Unternehmer gehen den Schritt aber weiterhin zu spät, weil sie die Augen vor ihren schwerwiegenden wirtschaftlichen Problemen verschließen. Sie wollen nicht über die Insolvenz reden und warten, bis sie das letzte Pulver verschossen haben. Aber dann sind in der Regel schon viele Möglichkeiten der Sanierung abgeschmolzen.“

In solchen Fälle käme der Impuls häufig vom Unternehmens- oder Steuerberater, sich an einen Restrukturierer zu richten, oder aber die Bank dränge dazu, da sie ihre Kredite gefährdet sieht. In einer Insolvenz geht es grundsätzlich darum, die Gläubigerinteressen bestmöglich zu befriedigen, der Unternehmer steht dabei nicht im Mittelpunkt. Das ist bei einer vorinsolvenzlichen Sanierung grundsätzlich anders.

„Wir wollen dem Mandanten jede rechtliche zulässige Chance eröffnen und das Beste für ihn herausholen. Dabei zeigen wir auch die Vorteile auf, strukturiert in die Insolvenz zu gehen, und dann arbeiten wir natürlich eng mit dem Insolvenzverwalter, der in der Eigenverwaltung als Sachwalter auftritt und alle Sanierungsschritte überwacht, und den Gläubigern zusammen. Wir bleiben aber als Berater an der Seite des Unternehmens und behalten dessen Interessen im Auge“, betont Martin Heidrich.

Der Versuch, mit den Möglichkeiten des ESUG Missbrauch zu betreiben, sei ihm noch nicht untergekommen. Aber Heidrich sagt auch deutlich: „Das würden wir auch als Berater nicht mitmachen. Wir bieten nur umsetzbare Unterstützung.“ Dass Insolvenzverwalter immer häufiger als Berater aufträten, ist für den Rechtsanwalt eine generelle Markttendenz. Gerade jüngere Verwalter würden heute anders denken als noch vor einigen Jahren und sich den neuen Marktanforderungen öffnen.

Patrick Peters

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ryanair geht nach Streikdrohung auf Piloten zu
Ryanair-Chef Michael O'Leary hat sich gern als Gewerkschaftsfresser gegeben. Weil nun Streiks in der verkehrsreichen Weihnachtszeit in ganz Europa drohen, legt der Ire …
Ryanair geht nach Streikdrohung auf Piloten zu
Bahn lässt ICE-Züge wegen Winterwetters langsamer fahren
Seit einer Woche kämpft die Bahn gegen Probleme auf ihrer Neubaustrecke. Damit das Wetter am Wochenende nicht noch mehr Ärger macht, ergreift der Konzern bundesweit …
Bahn lässt ICE-Züge wegen Winterwetters langsamer fahren
Continental will bald mit Elektroantrieben Gewinn machen
Autozulieferer Continental will beim Siegeszug der Elektroantriebe rechtzeitig mitmachen. Der 48-Volt-Diesel-Hybrid soll schon bald Geld verdienen.
Continental will bald mit Elektroantrieben Gewinn machen
Amazon legt Italien-Steuerstreit mit 100 Millionen Euro bei
Rom (dpa) - Der Online-Versandhandelskonzern Amazon will nach Angaben der italienischen Steuerbehörde seinen Streit mit Rom mit einer Zahlung von 100 Millionen Euro …
Amazon legt Italien-Steuerstreit mit 100 Millionen Euro bei

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion