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Beratung

Lästige Erbschaften: Erben ist keine Pflicht

Wer befürchtet, nur Schulden zu erben, darf sein Erbe ausschlagen. Manchmal lohnt es sich aber trotzdem, den Nachlass anzunehmen.

Deutschland, ein Land der reichen Erben? Aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts zufolge summierten sich die Erbschaften und Schenkungen im vergangenen Jahr auf 108 Milliarden Euro, Tendenz steigend. In diesem Jahrzehnt werden voraussichtlich rund drei Billionen Euro hinterlassen. Davon werden 2,1 Billionen Euro an die nächste Generation übertragen. Das klingt auf den ersten Blick nach einem üppigen Geldsegen für jüngere Generationen. Doch der Schein trügt. Denn ein Drittel dieser gigantischen Summe wird allein innerhalb des reichsten zwei Prozent der deutschen Bevölkerung vererbt. Jeder vierte Nachlass hat einer Erhebung des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) zufolge nur einen Wert von null bis 25.000 Euro. In etwa jedem zehnten Fall stehen Erben sogar vor der Wahl, mit dem Nachlass Schulden zu übernehmen. Sie müssen das nicht. Sie können das Erbe innerhalb einer Bedenkzeit von sechs Wochen ausschlagen. Viele tun das, aber Manche gehen das Risiko ein und übernehmen die Schulden, die ein Verstorbener ihnen hinterlassen hat.

„Ich habe es schon erlebt, dass Erben ein Nachlass über den Kopf gewachsen ist und ihre eigene Existenz bedroht hat“, erzählt Christine Berg-Grünenwald, Fachanwältin für Insolvenzrecht bei der Kanzlei fjb in München. „Große Probleme können vor allem dann auftreten, wenn der Nachlass und das eigene Vermögen miteinander vermengt werden. Denn die Gläubiger des Erblassers stellen natürlich dann ihre Forderungen an den Erben. Das unterschätzen manche Betroffene, wenn sie ein Schulden-Erbe antreten“, so Berg-Grünenwald. Ein klassisches Beispiel dafür sei die Übernahme einer Gastwirtschaft, bei der die Erben die Mietverträge und andere vertragliche Verpflichtungen übernehmen. Geraten die Erben dann selbst in finanzielle Schwierigkeiten, wird es kompliziert.

Wer einen Nachlass übernimmt, bei dem die Soll- die Habenseite übersteigt, sollte deshalb sorgfältig darauf achten, das eigene Hab und Gut juristisch sauber vom Nachlass zu trennen. „Genau diese Möglichkeit bietet eine Nachlass-Insolvenz“, rät Dr. Christine Berg-Grünenwald. Durch dieses Verfahren wird erreicht, dass Erben gegenüber Gläubigern nur beschränkt auf den Wert des Nachlasses haften. Das Eigenvermögen der Erben wird vom Nachlass getrennt. Danach sorgt ein Insolvenzverwalter für die Abwicklung des Nachlasses. Voraussetzung für solch ein Verfahren: Der Erbe muss den Antrag unverzüglich stellen, sobald er die Zahlungsunfähigkeit oder die Überschuldung des Nachlasses festgestellt hat. Zwar verursacht ein Nachlassinsolvenzverfahren hohe Kosten. Doch der Antrag ist für den Erben kostenfrei, und auch sonst kommen auf den Erben keine weiteren Kosten zu. Denn das Insolvenzgericht eröffnet ein derartiges Verfahren ohnehin nur, wenn erwartet werden kann, dass die Verfahrenskosten und das Honorar des Insolvenzverwalters durch die Insolvenzmasse gedeckt sind.

Matthias von Arnim

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