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„Der wichtigste Grund, warum es einem Unternehmen schlecht geht, ist: Schwachstellen im Management." (Symbolbild)

Insolvenz und Sanierung

Auf die Menschen kommt es an

Bob Rajan ist bei Alvarez & Marsal in München einer der Spezialisten für Firmen-Umstrukturierungen. Der Kanadier erzählt, warum eine Insolvenz in den USA als Chance gesehen wird und wo der Grund für die meisten Insolvenzen liegt.

Bob Rajan lächelt, wenn es von seinem Job spricht: „Ich bin ein Turnaround-Man“, sagt der gebürtige Kanadier mit indischen Wurzeln. Seit 2007 (mit einer kurzen Pause) ist der Kosmopolit das Aushängeschild von Alvarez & Marsal in Deutschland. Hier, vom Münchner Thierschplatz aus, lenkt der Managing Director der Alvarez & Marsal Deutschland GmbH europaweit Einsätze rund um notleidende Firmen. Spezialgebiet: Restrukturierung.

Alvarez & Marsal, mit rund 2500 Mitarbeitern weltweit einer der Top-Player in diesem Segment, kümmert sich in den USA vom Hauptsitz New York um große und mittelständische Unternehmen. Der bislang spektakulärste Fall war die Abwicklung der Großbank Lehman Brothers. Bob Rajans Einsatzgebiet ist Europa und der Mittlere Osten. Vor allem in Europa hatte er in den letzten Monaten viele Einsätze – als Interims-Geschäftsführer spielt er sozusagen den Feuerwehrmann, um in Schieflage geratene Unternehmen möglichst schnell wieder auf Vordermann zu bringen.

„Aktuell haben wir in Deutschland nicht so viele Aufträge in notleidenden Firmen, denn die deutsche Wirtschaft ist stark und viele Unternehmen sind solide aufgestellt.“ Umso mehr haben Rajan und sein Team aber in anderen europäischen Ländern oder mit der Hebung von Verbesserungspotenzialen in „gesunden“ Unternehmen zu tun. Dabei hat der Kanadier festgestellt, dass es unabhängig von Land und Unternehmensgröße fast immer um die gleichen Fehler geht.

„Der wichtigste Grund, warum es einem Unternehmen schlecht geht, ist: Schwachstellen im Management. Es ist nicht einfach, in einer Top-Management-Position unter hohem externen Druck zu agieren.“ Der erfahrene Interims-Manager steht dabei immer wieder vor der gleichen Herausforderung. „Wie integriere ich ein nicht besonders kompetentes bestehendes Management-Team, damit es meine Restrukturierungspläne mitträgt und umsetzt?“

Sechs bis zwölf Monate, so lange dauert ein durchschnittliches Umstrukturierungsprojekt, bis dahin gelingt es Rajan in der Regel, die Firma wieder wettbewerbsfähig zu machen. Schwieriger werde es, wenn das alte Management ausgewechselt werden muss. „Das funktioniert nur, wenn man als Interims-Geschäftsführer das Vertrauen der Belegschaft genießt.“ Für den „Turnaround-Man“ geht es bei seinen Projekten daher vor allem um eines: Ihm muss es gelingen, binnen kürzester Zeit aus der alten Belegschaft ein Team zu bilden und zu motivieren. „80 Prozent meines Jobs ist reine Kommunikation, denn auf die Menschen kommt es an.“

 Das macht er sehr gut, denn es komme selten vor, dass er ein zweites Mal in ein Unternehmen zurückkommen muss. Bob Rajan arbeitet auch hier mit seinem Team, zumal Alvarez & Marsal nicht nur in München vertreten ist, sondern auf dem europäischen Kontinent auch in London, Paris, Mailand, Madrid, Amsterdam, Warschau, Moskau und Prag. Er bedauert allerdings, dass in Deutschland das Thema Insolvenz so negativ belegt ist.

„In den USA ist das ganz anders: Manager, die eine oder mehrere Insolvenzen hinter sich haben, gelten als erfahren.“ Das deutsche ESUG bewertet Rajan positiv, allerdings hat er eindeutige Sympathien für das amerikanische Chapter-11-Verfahren. „Dieses eröffnet Unternehmen, die in Schwierigkeiten sind, eine Reihe von Werkzeugen, um aus der Krise mit Wettbewerbsvorteilen hervorzugehen."

José Macias

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