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Eine oftmals notwendige Restrukturierung kostet Geld. Ist das Unternehmen dafür zu klamm, können wirtschaftlich sinnvolle Optionen nicht mehr umgesetzt werden.

Sanierungschancen

Rettung für Unternehmen: Rechtzeitig umsteuern

Je früher ein Unternehmen eine Schieflage erkennt, desto größer sind die Rettungschancen. Externe Berater helfen hier mit Erfahrungen und Kenntnissen, die selbst versierten Managern meist fehlen.

Auch wenn es Unternehmenslenkern schwerfällt: Über eine womöglich notwendig werdende Sanierung sollten sie sich so zeitig wie möglich Gedanken machen. Je früher, desto größer die Erfolgschancen, weiß Dr. Frank Girotto aus dem Bereich Sanierung und Restrukturierung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) aus seinen reichhaltigen Erfahrungen.

Wichtiger Aspekt: Eine oftmals notwendige Restrukturierung kostet Geld. Ist das Unternehmen dafür zu klamm, können wirtschaftlich sinnvolle Optionen nicht mehr umgesetzt werden. Deshalb sollte die Geschäftsführung zum Beispiel genau auf Schwankungen bei der Umsatzentwicklung und den Erträgen sowie auf Fälligkeitstermine von Krediten achten, mithin die Liquiditätsentwicklung auch mehrere Monate im Voraus im Auge haben. Klingt eigentlich selbstverständlich. „Es wird aber oft genug zu spät auf Krisensignale reagiert“, beobachtet Girotto.

Nicht nur deswegen empfiehlt es sich, externen Rat dazuzuholen. Girotto bringt das Bild vom Frosch im Wasser ins Spiel. Wenn das Wasser langsam immer wärmer wird, spürt das dieser Frosch nicht – ganz im Gegensatz zu einem Frosch, der in sehr heißes Wasser springt: Letzterer springt sofort wieder hinaus – ersterer wird schlicht kollabieren. Zudem verfügen selbst versierte Manager in der Regel nicht über den Koffer mit den Werkzeugen zur Krisenbewältigung. „Wir können hingegen unsere Erfahrung aus vielen ähnlichen Fällen einbringen“, sagt Girotto.

Das Chancenspektrum erweitern

Wie arbeiten die Berater? „Unser Ziel ist die Sanierung des Unternehmens“, betont der Experte. Eine Insolvenz gilt dabei nicht als Scheitern – sie erweitere vielmehr das Chancenspektrum. Daraus ergeben sich also zwei sich in der Praxis oft ergänzende Wege: die außerinsolvenzliche Sanierung und die Sanierung in der Insolvenz als Plan B: „Allen Beteiligten wird dabei einiges abverlangt“, weiß Girotto. Die Geschäftsführung muss ihr Geschäftsmodell den veränderten Umständen anpassen und eine geeignete Finanzierungsstruktur aufbauen. Mitarbeiter werden sich an neue Prozesse und Abläufe gewöhnen. Kunden, Gläubiger und Lieferanten sind gegebenenfalls einzubinden. Frühzeitig sollte auch der Plan B im Hintergrund bereitliegen, rät Girotto: „Wenn Plan A nicht funktioniert, könnte eine Insolvenz ein taugliches Sanierungsmittel sein ebenso wie ein Unternehmensverkauf oder der Einstieg eines Investors.“

Eine Beratungsgesellschaft wie PwC analysiert hier nicht nur die möglichen Optionen, sondern berät bei der Suche nach der richtigen Strategie und den am besten passenden Finanzierungsinstrumenten. Girotto beschreibt dies als einen Dreiklang von Strategie, Leistung und Mittel, also der besten Verbindung einer validen Strategie, einer funktionierenden Leistungswirtschaft und einer Finanzierungsstruktur.

Die Berater sind da häufig als Vermittler tätig, die das Vertrauen zum Beispiel zwischen Finanzierern und Management wieder stärken sollen. „Wichtig ist, Transparenz zu schaffen“, betont Girotto, der selbst sowohl die Sanierung in der Insolvenz als auch die außerinsolvenzliche berät. Insgesamt basiert die PwC-Arbeit auf vier Säulen. Die Experten erstellen Sanierungsgutachten, beraten in der strategischen und operativen Restrukturierung (Optimierung von Vertrieb, Einkauf, Produktion), in der finanziellen Restrukturierung (Eigenkapital- und Fremdkapitalstruktur besser aufstellen) und bieten außerdem die insolvenznahe Beratung.

JÜRGEN GROSCHE

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