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Axel W. Bierbach aus der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen.

Beratung

In der Regionalität liegt die Stärke

Deutschlands Wirtschaft brummt – für Insolvenzverwalter ist das in der Regel ein Zeichen dafür, dass die Aufträge zurückgehen. Doch es gibt auch Ausnahmen, wie die Münchner Insolvenzverwalterkanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen eindrucksvoll beweist.

Die Kanzlei in der Münchner City hat eine stattliche Größe: Rund 60 Mitarbeiter, das gilt in der Branche als gute mittlere Größe. Abgehoben ist die „Kanzlei in der Insolvenzverwaltung mit Sanierungsansatz“, wie sich die Sanierungsexperten selbst bezeichnen, aber nicht. Im Gegenteil: „Wir sehen uns als bayerisches Haus“, betonen die Partner Oliver Schartl und Axel W. Bierbach beim Redaktionsgespräch. Die regionale Verbundenheit zahlt sich aus, denn vor allem im nordbayerischen Raum haben sich die Geschäfte der Kanzlei in den vergangenen Monaten prächtig entwickelt. „Trotz insgesamt fallender Zahlen im Markt weisen wir ein gesundes Wachstum auf“, unterstreicht Schartl. Das macht sich unter anderem dadurch bemerkbar, dass Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen gleich zwei neue Kanzlei-Standorte in Regensburg und Augsburg eröffnet haben.

Firmen reagieren zu spät

Oliver Schartl aus der Kanzlei Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen.

„In der Branche haben sich alle gewundert, dass nach der Lehman-Pleite im Jahr 2008 die Zahl der Insolvenzen in Deutschland nicht nachhaltig gestiegen ist“, ergänzt Bierbach. Natürlich gab es auch hierzulande konjunkturelle Probleme in einzelnen Branchen, doch das ist interessanterweise nicht die wichtigste Ursache, warum dennoch immer wieder Firmen in die Insolvenz gehen müssen. „Die Gründe sind durchaus unterschiedlich“, so Bierbach. „Wir stellen fest, dass es vor allem Managementfehler und Zahlungsausfälle sind, die viele Unternehmen in schwierige Situationen bringen. Gibt es dann zudem noch in der jeweiligen Branche Probleme und einen zusätzlichen Abwärtszyklus, kann es schnell zu Schwierigkeiten kommen.“ Die beiden Partner empfehlen daher Unternehmern, sich rechtzeitig vor einer drohenden Insolvenz abzusichern – und zu handeln. Ein Warnzeichen seien etwa schlechte Kennzahlen bei Ertrag und Liquidität. „Was passiert eigentlich, wenn der Markt um 20 Prozent einbricht? Reichen dann Gewinne und Rücklagen aus, um kurzfristige Schwankungen auszugleichen?“, hinterfragt Bierbach. „Auch die Kundenstruktur sollte auf einer breiten Basis stehen. Firmen, die von nur einem oder zwei Kunden abhängen, haben ein höheres Risiko“, so Schartl. Und treten die ersten Schwierigkeiten auf, dann machen viele Unternehmer aus Sicht der Insolvenz-Experten immer wieder die gleichen Fehler: Sie reagieren gar nicht oder viel zu spät.

Existenz steht auf dem Spiel

Zu Liquiditätsengpässen kann es etwa schnell kommen. „In Zeiten, in denen alles gut läuft, ist es kein Problem, einen Kredit zu erhalten. Doch wenn es plötzlich schlecht läuft, dann kürzen die Banken schnell die Kreditlinien – darauf sollte ein Unternehmen vorbereitet sein“, rät Bierbach. Ein Insolvenzverfahren bedeutet zudem noch lange nicht, dass die Existenz des gesamten Unternehmens auf dem Spiel steht. Gerade weil die Konjunktur in Deutschland so gut läuft, können die Insolvenzverwalter auch in schwierigen Situationen eine Lösung finden. „Wir können aktuell deutlich mehr Sanierungserfolge erzielen als in schlechten Zeiten“, betonen die beiden Partner. Ein Beispiel dafür ist das Insolvenzverfahren des Hubschrauber- und Flugzeugherstellers Helipark GmbH. Hier gelang es den Münchner Insolvenzverwaltern die XtremeAir GmbH, eine Tochtergesellschaft, im Rahmen eines Insolvenzplanverfahrens an ein deutsch-chinesisches Joint Venture zu verkaufen. Die Kompetenz der Kanzlei war zudem in zahlreichen anderen Fällen gefragt, die zugleich die Bandbreite des Geschäfts aufzeigen. Sie hat ihr Können etwa bei der Sanierung einer Montessori-Schule ebenso unter Beweis gestellt wie bei der Insolvenz in Eigenverwaltung der Oberpfälzer Eisengießerei Carolinenhütte. Bei der deutschen Holding-Gesellschaft Tantalus Rare Earths AG wurde der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens sogar wieder zurückgezogen, nachdem zwischenzeitlich Teile des Unternehmens an einen Wettbewerber in Singapur veräußert wurden. „Ein schöner Fall, der zeigt, wie flexibel man das deutsche Insolvenzrecht nutzen kann“, freuen sich Bierbach und Schartl.

José Macia

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