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Wie Rettungskräfte in manch einer Notsituation aktiv werden müssen, arbeiten auch Insolvenzverwalter und Sanierer in Unternehmen daran, zu retten, was zu retten ist.

Insolvenzverwalter

Die Retter in letzter Minute

Sie sind es, die mehr als einmal durch Sanierungsmaßnahmen wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen vor dem Untergang gerettet haben. Beim ersten Wirtschaftsforum „Insolvenz und Sanierung“ der Mediengruppe Münchner Merkur tz stellen Insolvenzverwalter und Sanierungsberater ihre Tätigkeit dar.

Der Ruf der Insolvenzverwalter ist nicht der beste. Sie müssen sich so manches Vorurteil anhören: Sie würden nur Unternehmen zerschlagen und damit Arbeitsplätze vernichten, glauben viele. Die Realität sieht anders aus. Ohne die gründliche Arbeit der Sanierer wären viele Firmen verschwunden, die heute wieder erfolgreich am Markt operieren. Dabei sind – das verhehlt niemand – auf allen Seiten Opfer zu bringen. Inhaber, Beschäftigte, Gläubiger, Lieferanten und viele weitere Beteiligte müssen mitwirken, damit ein krankes Unternehmen gerettet werden kann. Aktuell sorgt die gute Wirtschaftslage zwar dafür, dass vergleichsweise wenige Firmen insolvent werden. Die Zahlen sind seit Jahren rückläufig – aber dieser Wind kann sich durchaus drehen, wenn die Konjunktur abflaut, geo- und schuldenpolitische Risiken lassen grüßen.

Wie kompliziert, aber auch vielseitig und häufig von Erfolg gekrönt die Sanierungsarbeit sein kann, zeigten Spezialisten aus Anwaltskanzleien, Unternehmensberatungen und der akademischen Welt beim Wirtschaftsforum „Insolvenz und Sanierung“ der Mediengruppe Münchner Merkur tz. Zum ersten Mal haben sich Experten aus führenden Häusern in dieser Runde versammelt, um über die wichtigen Themen ihrer Branche zu sprechen.

Das ESUG als „Schutzschirmverfahren“

Eines dieser Themen: das ESUG, das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen, auch bekannt als „Schutzschirmverfahren“ oder Eigenverwaltung. ESUG habe den Markt verändert und neue Möglichkeiten geschaffen, Unternehmen zu entschulden und für die Zukunft neu aufzustellen, betonen die Teilnehmer des Wirtschaftsforums. Dr. Hubert Ampferl von Dr. Beck & Partner sagt beispielsweise: „ESUG ist ein positiver Impuls im Markt, denn die neuen Instrumente stehen vermehrt im Fokus.“

Außendarstellung spielt wichtige Rolle

Bei Insolvenzverfahren, vor allem größeren, spielt die öffentliche Wahrnehmung häufig eine wichtige Rolle. Deshalb sind sich die Insolvenzverwalter und Sanierungsexperten einig, dass die Außendarstellung der Tätigkeit verändert werden müsse. Die Menschen könnten abstrakte Problemstellungen nicht immer nachvollziehen, konstatiert Dr. Stephan Kolmann von BBL Bernsau Brockdorff & Partner. Insolvenzverwalter seien Heilungsberater und nehmen die Operation am offenen Herzen vor, diese Funktion müsste deutlicher herausgestellt werden. Auch Oliver Schartl (Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen) ist überzeugt: „Eine neue Kommunikationsstrategie kann dazu beitragen, alle Beteiligten mitzunehmen.“

Die folgenden Seiten geben Einblick in die spannende Welt der Sanierung, stellen wichtige Akteure vor und zeigen, wie Insolvenzverwalter als Lotsen das Schlimmste verhindern können. Denn die „Insolvenz ist ein Teil der Sanierung“ (Dr. Thomas Sittel, goertzpartners Management Consultants), und Scheitern sei kein Makel, wie auch Prof. Dr. Thomas Druyen (Sigmund Freud Privat Universität) feststellt: „Um etwas zu erreichen, muss man auch scheitern können.“

Jürgen Grosche / Patrick Peters

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