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Der ehemalige Raumfahrer Prof. Dr. Ulrich Walter hat heute einen Lehrstuhl für Raumfahrttechnik an der TU München.

Insolvenz & Sanierung

Risiken analysieren und besser handhaben

Ulrich Walter ist ein vielseitiger Mann und jemand, dem man nicht jeden Tag begegnet. Der Physiker war IBM-Manager und hat seit Jahren einen Lehrstuhl für Raumfahrttechnik an der TU München inne.

Aber vor allem war er Raumfahrer an Bord der Columbia und damit der erste Deutsche im Weltraum. Seine Erkenntnisse aus der Raumfahrt gibt er als Vortragsredner und Berater auch an die Wirtschaft weiter – denn diese könne von der Raumfahrt lernen, betonte Ulrich Walter in seiner Key Note auf dem Wirtschaftsforum „Insolvenz und Sanierung“ von Münchner Merkur tz.

Mehrere Jahre Vorbereitung notwendig

Sein Ansatz folgt dem Motto: „Damit ein Projekt perfekt funktioniert, braucht es mehrere Jahre Vorbereitung. Denn der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht im Prinzip des ‚Trial and Error’, also Versuch und Scheitern, sondern in zehn speziellen Maßnahmen“, sagt der renommierte Wissenschaftler, der im Rahmen der 55. Space Shuttle-Mission fast zehn Tage im All war. Zwei Beispiele: „Zum einen sollten einmal definierte Anforderungen nicht mehr verändert werden. Unternehmen vermeiden damit ein bewegliches Ziel. Das führt dazu, dass sich ein Projekt-Team voll und ganz und vor allem von Anfang an auf ein Ergebnis konzentrieren kann.“

Schlechte Organisation kann katastrophal enden

Zum anderen müsse die Kommunikation immer und auf allen Ebenen funktionieren. Es dürfe beispielsweise keine informellen Befehlsketten geben, und ebenso dürften Unternehmen nicht zulassen, dass missliebige Meinungen unterdrückt würden – offene Kommunikation ist das A und O.

Denn das Nichtbeachten kann zu einer Katastrophe führen, wie den Absturz des Columbia-Shuttles 2003. Aufgrund eines technischen Fehlers am Shuttle war die Columbia 16 Minuten vor der geplanten Landung in einer Höhe von 63,1 Kilometern über Texas auseinandergebrochen. „Die anschließende Untersuchung hat ergeben, dass vor allem organisatorische Ursachen zu dem Unglück geführt haben. Das Problem des fehleranfälligen Bauteils war bekannt, aber durch unter anderem unzureichende Kommunikation und das Ignorieren von Hinweisen wurde es nicht angepackt.“ Schließlich hätten die vorangegangenen Missionen auch fehlerfrei funktioniert. „Solches Denken verhindert langfristigen Projekterfolg“, betont Ulrich Walter. Er plädiert auch dafür, im Krisenfall immer schnell zu reagieren und die richtigen Leute für die Lösung eines Problems einzusetzen. Eben so, wie es die NASA bei der Untersuchungskommission im Rahmen des Absturzes getan hat. „Erst durch diese externen Fachleute konnten diese tieferliegenden Ursachen ermittelt werden.“

Wichtig ist für Ulrich Walter auch, Risiken genau zu bewerten. „Risiken haben immer zwei Dimensionen, die die Beteiligten einschätzen müssen: die Eintrittswahrscheinlichkeit und die potenziellen Auswirkungen. Wer Risiken in einer entsprechenden Risikomatrix analysiert, kann wesentlich besser mit ihnen umgehen.“

Patrick Peters

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