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Die richtigen Weichen stellen: Darauf kommt es auch für Unternehmer in der Krise an. Mit den richtigen Beratern an der Seite kann dies gelingen – und das Unternehmen hat wieder eine Zukunft.

Wirtschaftsforum "Insolvenz und Sanierung"

Insolvenz ist nicht das Ende

Zum zweiten Mal trafen sich auf Einladung der Münchner Merkur tz Insolvenzverwalter und Sanierungsexperten zum Wirtschaftsforum „Insolvenz und Sanierung“ und diskutierten über wichtige Themen rund um die Unternehmenskrise.

Der Wirtschaft geht es im Großen und Ganzen gut, sowohl in Deutschland im Allgemeinen als auch in Bayern im Speziellen. Die Arbeitslosigkeit ist niedrig, die Konsumausgaben sind hoch. Auch die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ist ein Indikator für die wirtschaftliche Großwetterlage. Nach Mitteilung des Wirtschaftsdienstes Bürgel gab es 2015 in Deutschland 23.222 Unternehmensinsolvenzen, das seien 5,4 Prozent weniger als 2014; das ist damit der sechste Rückgang in Folge.

Bayern fast an der Spitze

In Bayern sieht der Trend trotz starker Wirtschaft aktuell anders aus. Hier lag die Zahl der Unternehmensinsolvenzen bei 3017. Das sind rund 120 mehr als noch 2014 – aber bei der Betrachtung der Anzahl der Firmeninsolvenzen je 10 000 Unternehmen weist Bayern mit 50 Insolvenzen nach Baden-Württemberg (42) den zweitbesten Wert auf und ist auch in der Vergangenheit immer mit eher niedrigen Zahlen im Bundesvergleich aufgetreten.

Insolvenzverwalter und Sanierungsexperten warnen aber vor Euphorie. „Die Zahl der Insolvenzen und Restrukturierungen wird wieder ansteigen, wenn die Geldschwemme abebbt“, betont zum Beispiel Prof. Dr. Christian Heinrich, der den Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht und Insolvenzrecht an der Katholischen Universität Ingolstadt-Eichstätt innehat. Er war einer der Teilnehmer des zweiten Wirtschaftsforums „Insolvenz und Sanierung“ von Münchner Merkur tz, bei dem wieder Experten rund um die Unternehmenskrise über die Themen diskutierten, die für die Branche und den Markt und damit immer auch die Unternehmen wichtig sind.

Auch andere Experten sind sich mit Christian Heinrich einig und weisen darauf hin, dass die aktuell niedrigen Zahlen kein Indikator für eine ebenso stabile Zukunft sein müssen. Stephan Ammann (Pluta Rechtsanwalts GmbH) bringt es mit der griffigen Formel auf den Punkt: „Billiges Geld deckt vieles zu.“ Die Finanzflut sorgt dafür, dass Unternehmen am Leben erhalten werden, die es sonst vielleicht nicht schaffen würden. „Das zieht sich über ein, zwei Jahre hin. Am Ende geraten sie aber doch in Schieflage“, konstatiert Oliver Schartl (Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen). Der Insolvenzverwalter erwartet, dass ab Ende des Jahres wieder mehr Unternehmen von einer Insolvenz betroffen sein werden.

Unangenehme Konsequenzen nicht leugnen

Eine Insolvenz bedeutet aber nicht das zwangsläufige Ende für ein Unternehmen, denn viele Betriebe würden saniert und könnten dann neu durchstarten – auch das ein Ergebnis des zweiten Wirtschaftsforums „Insolvenz und Sanierung“. Doch für viele Unternehmer ist der Gang in die Insolvenz eine persönliche Niederlage: „Wir müssen hier auf der menschlichen Ebene Auswege schildern und Vertrauen aufbauen“, sagt Dr. Christine Berg-Grünenwald (fbj Kanzlei). Gerade mittelständische Gesellschafter scheuten den Insolvenzantrag oft wegen der damit verbundenen Konsequenzen. „Sie sollten die Angst davor verlieren, sich rechtzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das würde ihnen größeren Handlungsspielraum eröffnen“, rät Oliver Schartl. Sein Kanzleipartner Axel W. Bierbach stellt die Rolle des Beraters in der Krisensituation in den Vordergrund: „Wenn Berater den Gesellschaftern oder Geschäftsführern die Wahrheit sagen, kommen diese oft nicht wieder.“ Lieber suchten sie Berater, die unangenehme Konsequenzen leugneten. Außer diesen Beratern habe davon aber keiner etwas.

Dabei sei gute Beratung vor der Insolvenz oft der Weg, um das Ruder noch einmal herumzureißen. Sanierungsberater könnten beispielsweise dem Steuerberater, der Probleme meist am ehesten erkennt, zur Seite stehen. Sie hätten aber oft Angst, ihren Mandanten zu verlieren, dabei sei es besser, zögen auch sie frühzeitig versierte Berater hinzu, beobachtet Dr. Paul Fink (Fink Rinckens Heerma). „Es sind durchaus Konstellationen möglich, in denen beide gut zusammenarbeiten.“ Dr. Maximilian Pluta (Pluta Rechtsanwalts GmbH) bestätigt die Beobachtung. „Dabei könnten wir dem Steuerberater als Sparringspartner zur Seite stehen.“

Patrick Peters

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