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Durch die Insolvenz der Karstadt-Mutter Arcandor sind 40.000 Arbeitsplätze bedroht.

Insolvenzen: Pleitewelle gefährdet 540.000 Arbeitsplätze

München - Die tiefe Rezession hat in Deutschland ein Firmensterben ausgelöst. Bis zu 540 000 Arbeitsplätze sind dadurch bedroht.

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rechnet in diesem Jahr mit bis zu 35 000 Firmenpleiten. Dadurch seien rund 540 000 Arbeitsplätze bedroht, sagte Creditreform-Vorstand Helmut Rödl. Auch für das nächste Jahr erwarten die Experten mit einem weiteren Anstieg der Firmenpleiten. „Die schwere Wirtschaftskrise zieht immer mehr deutschen Unternehmen den Boden unter den Füßen weg“, sagte Rödl. Dabei treffe die Krise auch ungewöhnlich viele große Firmen wie Arcandor oder Qimonda.

Ausschlaggebend für die wachsende Zahl der Firmenpleiten seien Finanzierungs- und Liquiditätsengpässe gepaart mit einer sehr schlechten Auftragslage. Für das nächste Jahr erwartet der Experte einen weiteren Anstieg der Firmenpleiten um rund 10 Prozent. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mussten laut Creditreform rund 16 650 Firmen einen Insolvenzantrag stellen. Das sind gut 14 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Noch stärker stieg die Zahl der durch Unternehmenspleiten bedrohten Arbeitsplätze. Sie erhöhte sich dramatisch um 54,4 Prozent auf 254 000 Stellen.

Doch nicht nur die Zahl der Firmenpleiten stieg, auch die Zahl der Verbraucherinsolvenzen nahm im ersten Halbjahr um vier Prozent auf 50 350 Fälle. Und die Entwicklung dürft sich in der zweiten Jahreshälfte noch verschärfen. „Falls die Konjunktur bis zum Herbst nicht anspringt, ist eine Entlassungswelle zu befürchten“, sagte Rödl. Und der Verlust des Arbeitsplatzes werde noch mehr Menschen in die Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit drängen.

Besonders hart traf die Konjunkturkrise das stark exportorientierte Verarbeitende Gewerbe. Die Zahl der Pleiten im Industriesektor stieg Rödl zufolge um mehr als 30 Prozent. Am schwersten zu leiden hatten dabei die Automobilzulieferer. Insgesamt 40 der rund 1000 Autozulieferer in Deutschland mussten laut Creditreform bereits Insolvenz anmelden. Betroffen seien rund 20 000 Arbeitsplätze.

Die über lange Jahre als Sorgenkind geltende Baubranche kam dagegen bislang vergleichsweise glimpflich durch die Rezession. Hier stiegen die Insolvenzzahlen „nur“ um 7,6 Prozent. Die durch Firmenpleiten im ersten Halbjahr entstandenen Schäden bezifferte Creditreform auf 20,8 Milliarden Euro, 5,5 Mrd. Euro mehr als im Vorjahreszeitraum.

Auf das Gründungsgeschehen hatte die wirtschaftliche Talfahrt dagegen bislang kaum negativen Einfluss. Deutschlandweit wurden in der ersten Jahreshälfte 89 400 Unternehmen neu in die Register eingetragen, deren Größe, Rechtsform und Beschäftigtenzahl auf größere wirtschaftliche Aktivität schließen ließen, berichtete Creditreform. Das entspricht das einer Steigerung um 11,5 Prozent. Im Zuge des fortschreitenden Arbeitsplatzabbaus wagen immer mehr Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit.

Von Erich Reimann

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