Insolvenzverwalter: Aero Lloyd kann wieder fliegen

- Frankfurt/Main/München - Der insolvente Ferienflieger Aero Lloyd kann neu starten. Die Bayerische Landesbank als Haupteigner stellte am Mittwoch fünf Millionen Euro für den Weiterbetrieb zur Verfügung. Die ersten Maschinen könnten voraussichtlich an diesem Wochenende wieder abheben, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Gerhard Walter nach einer Betriebsversammlung in Frankfurt.

Damit sei eine sofortige Zerschlagung der Aero Lloyd verhindert worden. "Es geht erst einmal weiter", sagte Walter. Jetzt könne in Ruhe nach einem Investor gesucht werden. Nach Angaben von Walter gibt es ein großes Interesse aus dem In- und Ausland, bei der zu 66 Prozent der Bayerischen Landesbank gehörenden Fluggesellschaft einzusteigen. "Es gibt mehrere hochinteressante Gespräche." Allerdings gehe er davon aus, dass auch bei einer Fortführung der Firma mehr als die Hälfte der rund 1400 Beschäftigten ihren Arbeitsplatz verlieren werden. <P>Mit der jetzt bewilligten Finanzhilfe sei die Bank seiner Bitte nachgekommen, sagte Walter, der sich bereits als Insolvenzverwalter bei der spektakulären Pleite des Bauunternehmers Jürgen Schneider einen Namen gemacht hatte. Bedingungen seien an die Hilfe nicht geknüpft. Die BayernLB erklärte, sie habe die Finanzhilfe auch im Interesse der Mitarbeiter der Aero Lloyd bewilligt. Es sei "ein Beitrag zur begrenzten Fortführung des Flugbetriebs auf deutlich reduzierter Basis".</P><P>"Das ist der Start in eine mögliche neue Perspektive", sagte Aero- Lloyd-Sprecher Asger Schubert. "Aero Lloyd wird wieder fliegen." Das Unternehmen mit Sitz in Oberursel bei Frankfurt hatte vergangenen Donnerstag Insolvenz angemeldet, nachdem die Landesbank kein Geld mehr geben wollte.</P><P>Walter widersprach der Darstellung aus der Belegschaft, dass es für die Angestellten eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2004 gebe. Zwar gebe es Vereinbarungen über den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bei gleichzeitiger Lohnabsenkung. Diese hätten aber angesichts der Insolvenz keine Wirkung mehr und seien allenfalls für Schadensersatzfragen relevant.</P><P>Die BayernLB erklärte am Mittwoch auf Anfrage, dass sie keinen Interessenkonflikt zwischen ihrer Beteiligung an der Aero Lloyd und ihrem 5-Prozent-Anteil an der Lufthansa sehe. Die Entscheidung über die Aero Lloyd sei in einem Konsortium von acht deutschen Banken gefallen. Zur Lufthansa gehört auch der Touristikkonzern Thomas Cook, der ebenfalls im Chartergeschäft tätig ist und wegen Überkapazitäten den Verkauf von Flugzeugen angekündigt hatte.</P><P>Aero Lloyd hat rund 20 Flugzeuge. Dabei handelt es sich um eine der jüngsten Flugzeugflotten im Chartermarkt. Nachdem in den vergangenen Jahren der Reisemarkt deutliche Umsatzeinbußen hinnehmen musste und auch durch die Billigflieger neue Flugzeuge auf den Markt kamen, gibt es derzeit größere Überkapazitäten im Luftverkehr. Mehrere Gesellschaften reagierten darauf mit der vorübergehenden Stilllegung von Flugzeugen.</P>

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