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Auf iPhones ploppen derzeit unerfreuliche Meldungen beim Öffnen von Facebook oder Instagram auf.

Streit um Nutzerdaten eskaliert

Apple: Daten oder Geld - Facebook und Instagram lassen ihren Nutzern keine Wahl

  • Jonas Raab
    vonJonas Raab
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Facebook und Instagram nehmen iPhone-Nutzer in die Pflicht, ihre Daten weiterhin preiszugeben. Tun sie es nicht, könnten die sozialen Netzwerke bald Geld kosten.

Menlo Park - Wer sein iPhone kürzlich auf den neusten Stand gebracht hat und dann Facebook oder Instagram öffnet, wird von einem neuen Hinweis begrüßt: „Du verwendest iOS 14.5“. Klar, schließlich hat man das Update ja gerade aufgespielt. Weiter unten heißt es dann: Man solle „dazu beitragen, dass Facebook kostenlos bleibt“. Facebooks markanter Daumen nach oben ziert die Aufforderung.

Facebook reagiert damit auf eine neue Funktion, die Apple mit seinem neuen Betriebssystem aufs iPhone gebracht hat: das sogenante App-Tracking. Damit will der Tech-Gigant aus Cupertino iPhone- und iPad-Nutzer besser vor Informationsklau schützen. Bisher konnte Facebook das Nutzungsverhalten seiner Mitglieder über verschiedene Apps und Webseiten hinweg verfolgen, um dann „maßgeschneiderte“ Werbung einzublenden.

Facebook und der iPhone-Hersteller im Clinch: „Wir müssen Apple Schmerzen zufügen“

Mit iOS 14.5 hat Apple dem jetzt einen Riegel vorgeschoben. Standardmäßig ist die Option „Apps erlauben, Tracking anzufordern“ aktiviert. Apps müssen beim ersten Start seitdem explizit nachfragen, ob sie die Aktivitäten eines Nutzers in Apps oder auf Webseiten erfassen dürfen. Zwischen Facebook und Apple entbrannte deshalb ein riesiger Streit.

„Wir müssen Apple Schmerzen zufügen“, soll Mark Zuckerberg laut einem Bericht des Wall Street Journal in eine Runde von Facebook-Spitzenmanagern gerufen haben. Der Grund für den emotionalen Appell liegt auf der Hand: Facebook bezieht einen Großteil seiner Einnahmen aus personalisierter Werbung. Dazu braucht es so viele Daten wie möglich.

iPhone-Nutzer sollen dazu beitragen, dass Facebook und Instagram kostenlos bleiben

Derlei Daten-Sammelwut öffentlich zu kommunizieren, würde Facebooks angeknackstem Ruf allerdings einen Bärendienst erweisen. Das soziale Netzwerk wirft dem iPhone-Hersteller deshalb in erster Linie vor, mit seinem Update kleinen und mittleren Unternehmen zu schaden. Diese könnten ihre Kunden jetzt nicht mehr effektiv erreichen und ihr Geschäft nicht ausbauen, heißt es in einem Blogbeitrag des sozialen Netzwerks.

Die Folge sei laut Facebook, dass „viele der Apps und Websites, die bislang kostenlos waren, Gebühren für ihre Dienste erheben oder ganz von der Bildfläche verschwinden werden.“ Wie ernst das Facebook meint, macht jetzt die Mittteilung, die iPhone-Nutzer beim Öffnen der Facebook- und Instagram-App ganz offensiv in die Pflicht nimmt.

Viel mehr als ein Bluff dürfte der drastische Hinweis beim Öffnen von Facebook und Instagram aber nicht sein, eher ein weiterer Seitenhieb in Richtung Apple. Facebooks Finanzchef Dave Wehner erklärte erst kürzlich, dass man die Folgen von Apples neuen Datenschutz-Regeln managen könne. Facebook baue seine Anzeigen-Systeme um. Dann würde man auch mit weniger Daten auskommen, ergänzte Top-Managerin Sheryl Sandberg.

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