ifo Institut befürchtet 2004 mehr Arbeitslose

- München - Das ifo Institut rechnet für das kommende Jahr nur mit einem zaghaften Aufschwung und einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit. "In Deutschland ist die Lage dramatisch", sagte ifo-Chef Hans-Werner Sinn in München. Die Zahl der Arbeitslosen werde im Winter auf bis zu 4,9 Millionen steigen. Positive wirtschaftliche Impulse gebe es praktisch nur aus dem Ausland. Ein Vorziehen der Steuerreform lehnte der Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung ab. Die Arbeitsniederlegungen im Osten kritisierte er scharf. Sie hätten fast schon katastrophale Auswirkungen.

Für das laufende Jahr rechnet jetzt auch das ifo Institut mit wirtschaftlicher Stagnation in Deutschland. Im kommenden Jahr könne die Wachstumsrate bei 1,5 Prozent liegen, sagte Sinn. "Das ist aber immer noch viel zu wenig." Allein 0,6 Prozentpunkte des erwarteten Zuwachses seien auf die höhere Zahl an Arbeitstagen 2004 zurückzuführen. Ohne diesen Effekt liege das reale Wachstum voraussichtlich unter einem Prozent. Gehemmt werde die Wirtschaft durch den Höhenflug des Dollar, die Probleme der deutschen Geschäftsbanken und durch die strukturellen Defizite in Deutschland.<BR><BR>Das ifo Institut und andere führende Forschungsinstitute hatten im April in ihrem Frühjahrsgutachten für 2003 noch ein Wachstum von 0,5 Prozent und für 2004 von 1,8 Prozent prognostiziert. Nun schraubte auch ifo die Erwartungen weiter zurück. Die Arbeitslosigkeit wird nach Einschätzung des ifo Instituts 2003 im Jahresschnitt von knapp 4,1 auf 4,45 Millionen steigen. Im kommenden Jahr sei mit einem weiteren Anstieg auf 4,6 Millionen zu rechnen. "Man hat die Situation immer noch nicht im Griff, es ist geradezu beängstigend", sagte Sinn bei der Jahresversammlung seines Instituts.<BR><BR>Der ifo-Präsident sprach sich gegen ein Vorziehen der Steuerreform aus. "Ich habe kein Verständnis für diese Diskussion.". Es sei schon schwierig genug, die Steuerreform in ihrer bisher geplanten Form ohne Verletzung der Kriterien für die Neuverschuldung zu realisieren. Ein Vorziehen mit voller Gegenfinanzierung sei konjunkturell schädlich, weil es zunächst per saldo zu Nachfrageausfällen führe.<BR><BR>Die Metaller-Streiks in Ostdeutschland für die 35-Stunden-Woche würden alles kaputt machen. Auf diesem Weg würden die Lohnkosten dramatisch erhöht. Das mache den Standort in den Köpfen der Investoren schlecht.<BR>

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