Ifo Institut: Psychologische Effekte drücken Stimmung in Deutschland

- München - Die Fußball-Nationalmannschaft ist bei der Europameisterschaft ausgeschieden, der Sommer kommt nicht aus den Startlöchern und auch von Wirtschaft und Politik gibt es kaum positive Nachrichten. Die Stimmung in Deutschland ist gedrückt. Nach Einschätzung vieler Experten lähmt der sich breit machende Pessimismus zunehmend das Land.

<P>"Das sind schon psychologische Effekte", betonte der Chefvolkswirt des Ifo Instituts, Gernot Nerb. Die kleineren Firmen zögerten mit Einstellungen und Investitionen, die Verbraucher hielten sich mit Ausgaben zurück. Als Folge ist ein sich selbst tragender Aufschwung, der sich von Monat zu Monat verstärkt, nicht in Sicht.<BR><BR>Mit dem Einbruch des Ifo-Geschäftsklimaindex im Juni hatten kaum Experten gerechnet. Der Rückgang sei enttäuschend, sagte DekaBank-Volkswirt Andreas Scheuerle. Der zuletzt gefallene Ölpreis und die guten Konjunkturdaten aus den USA hätten einen solchen Rückgang nach seiner Einschätzung nicht erwarten lassen. Beim Ifo Institut selbst hieß es: "Wir selber waren auch überrascht."<BR><BR>Die externen Voraussetzungen für die deutsche Wirtschaft sind eigentlich nicht so schlecht. Die Weltwirtschaft brummt. "Damit kann der Grund für die pessimistischeren Geschäftserwartungen auch nicht in der Sorge über ein mögliches Ablaufen der Weltkonjunktur liegen", meinte Commerzbank-Expertin Elisabeth Andreae. In den USA rechnen die Ifo-Experten 2004 gar mit einem Wachstum von 4,7 Prozent. "Leider wird die Konjunktur nur von den Exporten mitgezogen", räumte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn ein. Der private Konsum wird nach seiner Einschätzung erst im nächsten Jahr mit Verspätung anziehen.<BR><BR>Initialzündung ist nicht in Sicht</P><P>Wegen einer größeren Zahl von Arbeitstagen und der Nachfrage aus dem Ausland haben die Konjunkturexperten das Jahr 2004 noch nicht völlig abgeschrieben. Das Ifo Institut rechnet mit 1,7 Prozent Wachstum und auch die Bundesregierung macht weiter auf Optimismus. "Der Aufschwung ist da", sagte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement auch nach Bekanntgabe des Geschäftsklimaindex dem Nachrichtensender N 24. Allerdings müssten jetzt alle "Verunsicherungen vermieden werden". Diskussionen etwa über Steuererhöhungen seien Gift für die Konjunktur.<BR><BR>Eine Initialzündung, die den Stimmungsaufschwung in Deutschland einläuten könnte, ist nicht in Sicht. "Am Arbeitsmarkt tut sich wenig", sagte Nerb. So lange die Menschen aber um ihren Job fürchten, geben sie kein Geld aus. So dürfte das Auf und Ab in der Stimmungslage weiter gehen.<BR><BR>Vergleiche mit dem Fußball häufen sich in Zeiten der Europameisterschaft unausweichlich. "Bei den kleineren Unternehmen und den Verbrauchern ist das wie bei unserer Fußballmannschaft: zu defensiv", meinte Nerb angesichts des weit verbreiteten Pessimismus in der Wirtschaft. Mit Blick auf Wirtschaft und Konjunktur hat der Volkswirt die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben: "Da sind wir noch nicht ausgeschieden." <BR><BR>CSU-Generalsekretär Markus Söder rechnet dagegen eher mit Erfolgen auf dem Spielfeld als in der Wirtschaft. "Während die Fußball-Nationalmannschaft immerhin die Chance hat, im Jahr 2006 Weltmeister zu werden, wird der Weg zurück an die wirtschaftliche Weltspitze mit jedem Tag unter rot-grün länger dauern."<BR><BR></P><P align=center></P>

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