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Internationale Energiekrise: Strom- und Gaspreise steigen auf Rekordniveau

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Das Kraftwerk Niederaußem von RWE gesehen von einem Feld bei Niederaußem aus.
Die gestiegenen Energiepreise rufen die Energieminister der Europäischen Union auf den Plan (Symbolbild). © Christoph Hardt / Future Image / Imago

Die Strom- und Gaspreise liegen auf Höchstwerten. Die Energieminister der Europäischen Union wollen deshalb bei einer informellen Tagung am Mittwoch ein mögliches Vorgehen besprechen.

Kranj, Slowenien - Die Energiepreise in der Europäischen Union erreichen Rekordwerte. Die Gründe dafür sind zahlreich. Die EU-Minister für Verkehr und Energie beraten bei einer informellen Tagung an diesem Mittwoch, wie sie darauf reagieren wollen. Das geht aus einer Meldung des Rates der Europäischen Union hervor.

EU-Staaten: Strompreis steigt um fast die Hälfte

Seit dem 3. Januar 2021 ist der europäische Gaspreis Angaben von Bloomberg zufolge um 223 Prozent gestiegen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle ermittelt zwischen Januar und Juli einen Anstieg der Einfuhrpreise für Erdgas in Deutschland in Höhe von 42 Prozent. Die Vergleichsportale Check24 und Verivox weitere Preissteigerungen im Herbst: Die Gasgrundversorger in Deutschland hatten eine Preiserhöhung angekündigt. Check24 geht von 11,5 Prozent mehr aus, Verivox spricht von 12,6 Prozent höheren Gaskosten – umgerechnet wären das jährlich im Schnitt pro Haushalt 172 Euro beziehungsweise 188 Euro mehr.

Einer der Gründe für den Preisanstieg ist der Versuch, die Klimakrise aufzuhalten: Die Dekarbonisierung der Wirtschaft ist einer der Schritte, um das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen und die Welt vor unumkehrbaren Klimawandelfolgen zu bewahren. Um das zu schaffen, müssten die Länder die Emissionen bis zum Ende dieses Jahrzehnts laut UN um 45 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010 senken. Eine der Maßnahmen: Pro Tonne steigt der CO2-Preis künftig von 25 Euro auf 30 Euro zum Ende des Jahres. Bis zur Mitte des Jahrzehnts ist ein Preis von 55 Euro geplant.

Doch noch weitere Faktoren haben maßgeblich Einfluss auf die steigenden Energie- und Strompreise: Asiens Wirtschaft hat sich nach der Coronakrise erholt und die Nachfrage nach Energie wächst. Gleichzeitig sinkt das Angebot, denn wichtige Gasförderer wie Russland und Norwegen liefern weniger. Manche Kritiker vermuten, dass Russland den Gashahn zudreht, um das umstrittene Projekt Nord Stream 2 früher in Betrieb nehmen zu können. Andere können hingegen keine künstliche Verknappung erkennen.

Hohe Energiepreise in Europa: So will die EU steigende Preise abfangen

Spanien wirkte den hohen Energiepreisen mit Steuersenkungen entgegen: Das Land reduzierte beispielsweise die Stromerzeugungssteuer und senkte die Mehrwertsteuer für Stromrechnungen von 21 Prozent auf zehn Prozent. Zudem verwendet die Regierung unter Premier Pedro Sanchez die Mehreinnahmen durch CO2-Zertifikate dafür, den Strompreis zu senken. In Italien könnte Premierminister Mario Draghi die hohen Strom- und Gaskosten abfangen, indem er Subventionen von vier Milliarden Euro in den Markt schießt. Am Donnerstag will die italienische Regierung eine Entscheidung dazu treffen.

Bei dem Treffen der EU-Minister am Mittwoch in Slowenien sollen konkrete Richtlinien für die EU beraten werden. Die Minister werden den „Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe und das Funktionieren des Energiebinnenmarktes besprechen“, heißt es auf der Seite des Europäischen Rates. Die Ergebnisse wollen die Minister auf einer Pressekonferenz am 23. September bekannt geben. Ein weiteres Treffen ist für den 2. Dezember geplant. Österreichs Energieministerin Leonore Gewessler sagte im Vorfeld, die Antwort auf hohe Gaspreise sei, schneller auf erneuerbare Energien umzusteigen. Dies schaffe auch Unabhängigkeit etwa von russischen Gasimporten.

Indes droht die Klimakonferenz im November zu scheitern, denn die Bemühungen der Länder bleiben klar hinter den Erwartungen zurück. In der Bundestagswahl am 26. September entscheiden die Bürger Deutschlands über den künftigen Kurs der Bundesrepublik. Dabei lohnt sich ein Blick ins Wahlprogramm, denn die Ziele der Parteien in puncto Klimaschutz unterscheiden sich stark.

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