+
Finanzmarkt Wall Street

„Schwärzester Tag“

Finanzmärkte in Panik - Dax rutscht ab - Ausnahmezustand an der Wall Street

Ein „Flash Crash“ sorgt für Aufregung an der Wall Street, wenige Stunden später sackt auch der Nikkei ab, auch die Börsen in China und Australien gehen nach unten. Angela Merkel ist besorgt.

New York/Tokio - Ein massiver Kurssturz an der Wall Street hat nur Stunden später die Börsen in Asien und Australien nach unten gezogen. Neben den Märkten Tokio und Australien erlebten auch China und Hongkong empfindliche Abschläge zum Handelsstart am Dienstag. Vorausgegangen war der mit knapp 1600 Zählern bisher größte Tagesverlust des Dow Jones nach Sorgen um eine möglicherweise bevorstehende Zinswende. Damit fiel der Index wie nie zuvor an einem einzelnen Handelstag. Die bisherigen Jahresgewinne lösten sich rasend schnell in Luft auf, ebenso wie die seit Anfang Dezember erzielten Gewinne.

Der Nikkei-Index für 225 führende Werte sackte am Dienstag in den ersten 15 Handelsminuten um fast 1000 Punkte ab. Der Nikkei-Index reagierte darauf zum Handelsauftakt mit einem Abschlag von 914,28 Punkten oder 4,03 Prozent beim Stand von 21 767,80 Punkten. Der breit gefasste Topix verlor 73,81 Punkte oder 4,05 Prozent beim Stand von 1749,93 Punkten.

Der Shanghaier Composite Index lag am Dienstag eine halbe Stunde nach Handelsstart rund 1,89 Prozent im Minus bei 3421 Punkten. Deutlicher fielen die Abschlägen in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong aus, wo der Leitindex Hang Seng zum Handelsstart um mehr als 1100 Punkte auf 31 100 Punkte absackte - ein Minus von 3,8 Prozent.

Auch in Australien erlebte die Börse zum Auftakt einen Kurssturz. Der S&P/ASX200-Index verbuchte ein Minus von 165,1 Punkten oder 2,74 Prozent. Nicht eine Aktie habe zugelegt, sagte Marktanalytiker Ben Le Brun. Er beschrieb die Lage an der Börse in Sydney als „echtes Blutbad“.

Angst um europäischen Börsenmarkt

Der Einbruch an den US-Aktienmärkten dürfte am Dienstag für heftige Verluste auch an den europäischen Börsen sorgen. Beim Dax deutete am Morgen vieles auf einen Kampf mit der Marke von 12 000 Punkte hin. Der Broker IG sah den deutschen Leitindex zunächst mit 12 015 Punkten um 5,30 Prozent unter dem Handelsschluss vom Montag. Damit wären sämtliche Kursgewinne seit August des vergangenen Jahres aufgezehrt.

„Bisher war es eine normale Korrektur. Das, was heute passiert, darf aber als Crash bezeichnet werden“, sagte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Viele Anleger seien in regelrechte Panik verfallen. „Das ist eine Flucht aus Aktien.“ Nur wenige Investoren hätten „freiwillig“ verkauft, die meisten seien durch den rasanten Kursverfall regelrecht dazu gezwungen worden.

Weißes Haus ist trotz Kurssturz optimistisch

Das Weiße Haus zeigte sich unterdessen trotz des Kurssturzes an der Wall Street zuversichtlich über die wirtschaftliche Lage in den USA. Der Fokus von Präsident Donald liege auf den langfristigen wirtschaftlichen Fundamentaldaten, die weiterhin „außergewöhnlich stark“ seien, erklärte seine Sprecherin Sarah Sanders. Dazu gehörten etwa die „historisch niedrige“ Arbeitslosigkeit sowie steigende Löhne, fügte sie hinzu. Unter Fundamentaldaten verstehen Ökonomen sogenannte harte Zahlen - etwa zum Wirtschaftswachstum.

In den USA sprang am Montag das Angstbarometer, der Vix-Index, das die Kursschwankungen des S&P 500 misst, um fast 100 Prozent hoch. Das letzte Mal, als der Volatilitätsindex kräftig nach oben gesprungen war, hatten Sorgen um die chinesische Wirtschaft für einen Ausverkauf an den Börsen gesorgt.

Dieses Mal vermuteten Händler Sorgen um eine schneller als bisher vermutete Zinswende als Grund. Nachdem am Freitag zur Vorlage des Arbeitsmarktberichts der Anstieg der Stundenlöhne bereits Erwartungen an weiter kletternde US-Leitzinsen beflügelt hatte, setzte an diesem Tag das ISM-Stimmungsbarometer für das Nicht-Verarbeitende US-Gewerbe eins drauf. Im Januar wurde der höchsten Stand seit Beginn seiner Erhebung 2008 verzeichnet. Derart starke Daten hätten Befürchtungen ausgelöst, dass 2018 womöglich sogar Zinsschritte seitens der Fed anstehen könnten, hieß es.

Dow startet mit Minus von 4,60 Prozent

Mit einem Minus von 4,60 Prozent auf 24 345,75 Punkten ging der Dow aus dem Handel. Damit büßte das weltweit wichtigste Börsenbarometer letztlich 1175 Punkte ein. Erst vor wenigen Tagen war noch bei 26 616 Punkten sein jüngstes Rekordhoch bejubelt worden. Der breit gefasste S&P 500 brach am Montag um 4,10 Prozent auf 2648,94 Punkte ein. Der technologielastige Nasdaq 100 verlor 3,91 Prozent auf 6495,92 Punkte.

Marktanalyst Craig Erlam vom Devisenbroker Oanda sprach von einem „Flash Crash“ an der Wall Street und Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners ergänzte: „Viele Anleger sind regelrecht in Panik verfallen.“ Die Flucht aus Aktien sei dabei durch zahlreiche Stop-Orders massiv beschleunigt worden, die Anleger eigentlich setzen, um sich vor allzu großen Verlusten zu schützen. Marktbeobachter Daniel Saurenz von Feingold Research sah im freien Fall des Dow „den schwärzesten Tag für die Aktienmärkte seit Jahren“.

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich von der Panik an der Wall-Street nicht anstecken lassen. Der Leitindex Dax konnte am Dienstagmorgen höhere Verluste rasch eindämmen. Zuletzt stand er noch 1,83 Prozent tiefer bei 12 455,33 Punkten. Ein für möglich gehaltenes Absinken unter die Marke von 12 000 Punkten blieb aus. „Investoren behalten die Nerven“, meinte Daniel Saurenz von Feingold Research.

Angela Merkel besorgt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich besorgt über den Einbruch an den Börsen in den USA und Asien gezeigt. Sie sagte am Dienstag in Berlin vor dem Beginn der entscheidenden Phase der Koalitionsverhandlungen mit der SPD, es gehe um Wohlstand und Sicherheit in Deutschland: Die Börsenentwicklung der letzten Stunden habe gezeigt, dass „wir in unsicheren Zeiten leben“.

Man müsse nun mit einer verlässlichen Regierung die Voraussetzungen dafür schaffen, „dass wir morgen auch noch in Wohlstand und in Sicherheit im umfassenden Sinne leben können“, sagte die CDU-Chefin. Dieses Ziel dürfe man gerade in unsicheren Zeiten nicht aus den Augen verlieren. Merkel rief zu Kompromissbereitschaft auf allen Seiten auf.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gericht verhandelt über Diesel-Fahrverbot in Darmstadt
Wieder klagt die Deutsche Umwelthilfe in Sachen Luftqualität gegen eine deutsche Großstadt. Diesmal geht es bei den möglichen Diesel-Fahrverboten um Darmstadt - das …
Gericht verhandelt über Diesel-Fahrverbot in Darmstadt
Finanzaffäre um Ghosn: Renault erhält vorläufig neue Führung
Renault-Nissan-Chef Ghosn ist wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Japans Börsenauflagen verhaftet worden. Jetzt drohen ihm nicht nur ein Prozess, sondern auch …
Finanzaffäre um Ghosn: Renault erhält vorläufig neue Führung
Dax sinkt auf tiefsten Stand seit Dezember 2016
Frankfurt/Main (dpa) - Sorgen um das weltweite Wirtschaftswachstum, Italiens Staatshaushalt und weiterhin schwache US-Börsen haben den Dax am Dienstag auf den tiefsten …
Dax sinkt auf tiefsten Stand seit Dezember 2016
Nach schwerem Unwetter: Straßenhunde dürfen in Ikea-Filiale wohnen - sehen Sie die süßen Bilder 
Nach dem heftigen Unwetter der vergangenen Wochen in Italien hat eine Ikea-Filiale beschlossen, Straßenhunde in der Möbelausstellung wohnen zu lassen. Die Begeisterung …
Nach schwerem Unwetter: Straßenhunde dürfen in Ikea-Filiale wohnen - sehen Sie die süßen Bilder 

Kommentare