Internationale Firmenjäger attackieren Daimler-Chrysler

- Stuttgart/Frankfurt/London - Es klingt wie eine Räuberpistole, Frankfurter Aktienanalysten halten dennoch für möglich, was die Londoner "Financial Times" gestern berichtete: Firmenjäger attackieren den größten deutschen Industriekonzern, Daimler-Chrysler. Finanzinvestoren hätten in den vergangenen zwölf Monaten mehrfach den Daimler-Großaktionär Deutsche Bank angesprochen und ihr Kaufinteresse für das Aktienpaket im Volumen von 10,7 Prozent bekundet.

<P>Auch bei anderen Aktionären wie der Kuwait Investment Authority, die 7,2 Prozent an Daimler hält, hätten die Firmenjäger vorgesprochen. Ihr Ziel: Die Zerschlagung von Daimler-Chrysler.<BR><BR>Die Offerten seien, so berichtet die Zeitung weiter, zum Teil direkt von privaten Gesellschaften, zum Teil über Investmentbanken gemacht worden. Von "Spiegel online" befragte Analysten schlossen nicht aus, dass Daimler wegen der aktuellen Probleme seiner Kernsparte Mercedes Ziel von so genannten Private-Equity-Firmen sein könnte. Diese, in der Branche Raider ("Räuber") genannten Investoren, übernehmen zumeist Unternehmen, von deren Management sie nicht überzeugt sind, und verkaufen sie nach einer Sanierung wieder mit Gewinn. Finanziert wird eine Übernahme oft durch eine Zerschlagung und den Verkauf von Unternehmensteilen. "Das klingt zwar zunächst abenteuerlich, ist aber nicht völlig aus der Welt", sagte Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler gegenüber "Spiegel online". Wegen der zuletzt auf der Hauptversammlung geäußerten massiven Kritik am Management sei Daimler-Chrysler "ein absoluter Übernahmekandidat". Der Branchenexperte einer anderen Frankfurter Bank sagte, er könne sich vorstellen, dass Private-Equity-Fonds Anteile an Daimler-Chrysler übernähmen, um das Management auszutauschen. "Das wäre eine Methode, um Schrempp loszuwerden", hieß es.<BR><BR>Daimler-Chrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp steht derzeit wegen Qualitätsproblemen ausgerechnet bei der renommierten Kernmarke Mercedes und - wie er selbst sagte - unakzeptablen Verlusten beim Kleinwagen Smart in der Kritik.<BR><BR>Als wenig realistisch stufen andere Beobachter der Szene die Erfolgsaussichten der Raider ein. Die Deutsche Bank würde sich massiven politischen Widerständen gegenübersehen, falls sie ernsthaft eine Trennung von ihren Daimler-Aktien erwöge. Außerdem steht dem ein weiterer Kritikpunkt an Schrempp im Wege: Der niedrige Aktienkurs. Derzeit notiert die Daimler-Chrysler-Aktie bei zirka 31 Euro (gestern gab es deutliche Abschläge von gut 2,8 Prozent). Bei der Deutschen Bank jedoch stehe die Beteiligung mit einem Preis "in Richtung 40 Euro" in den Büchern. Für so viel weniger werde das größte deutsche Geldhaus kaum verkaufen.<BR><BR>Das Vorpreschen der Fonds zeige ein wachsendes Interesse ausländischer Investoren an großen deutschen Konzernen, schreibt die "FTD". Vergangenes Jahr hatte die US-Beteiligungsgesellschaft Blackstone für gut 3 Milliarden Euro Celanese übernommen. KKR, ein weiterer US-Investor, habe in den letzten fünf Jahren für 8,5 Milliarden Euro in Deutschland eingekauft. Banker gingen davon aus, dass diese beiden Gesellschaften künftig verstärktes Interesse an Dax-Konzernen zeigen könnten.</P>

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