Internationale Nokia-Proteste geplant - Streiks möglich

Bochum/Brüssel/Helsinki - Gegen die angekündigte Schließung des Bochumer Nokia-Werks wollen Gewerkschaften und Betriebsräte jetzt auch auf internationaler Ebene vorgehen.

Zu den europaweit geplanten Aktionen könnten auch Streiks gehören, kündigte der Generalsekretär des Europäischen Metallgewerkschaftsbundes Peter Scherrer am Dienstag im Deutschlandradio Kultur an. So solle erreicht werden, dass der Mobilfunk-Konzern die Schließung des Bochumer Werks aussetze und über Alternativen nachdenke.

Einzelheiten des geplanten Vorgehens sollen am Mittwoch bei einem Treffen der Nokia-Betriebsräte in Brüssel beraten werden, kündigte ein Sprecher der IG Metall in Düsseldorf an. Dabei seien Streiks nicht ausgeschlossen, bestätigte er Generalsekretär Scherrer. An den Gesprächen werde auch die Betriebsratsvorsitzende des Bochumer Nokia-Werks Gisela Achenbach teilnehmen. Mit der Ankündigung, sein Bochumer Werk mit 2300 Beschäftigten schließen zu wollen, hatte das finnische Unternehmen vor zwei Wochen eine Protestwelle ausgelöst.

Nokia reagierte skeptisch auf die Berichte über neue Hoffnung für den Erhalt des Bochumer Werkes. Unternehmenssprecherin Arja Suominen sagte in Helsinki: "Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass irgendwelche neue Fakten auftauchen, die ein Umdenken bei uns zur Folge haben könnten." Sie bestätigte, dass Nokia in Verhandlungen mit dem indisch-finnischen Unternehmen Sasken Technologies über eine Übernahme der Bochumer Forschungs-und Entwicklungsabteilung Adaption Software stehe. Betroffen seien 40 Arbeitsplätze. Dies war bereits bei der ersten Ankündigung der Schließungspläne am 15. Januar öffentlich mitgeteilt worden.

Möglicherweise über 200 derzeitige Nokia-Mitarbeiter könnten ihren Arbeitsplatz bei einem erfolgreichen Abschluss von Verhandlungen über den Verkauf des Bereichs Automotive Business behalten. Hier werde mit einem ehemaligen Nokia-Bereichsleiter und der Beteiligungsgesellschaft Equity Partners verhandelt, hieß es bei Nokia. Der Betriebsrat hatte angekündigt, der Unternehmensführung eigene Vorschläge zum Erhalt des Standortes vorlegen zu wollen.

Einbrüche beim Verkauf von Handys des finnischen Herstellers hat es zumindest nach Angaben von T-Mobile in Deutschland trotz der anhaltenden Proteste nicht gegeben. "Wir stellen keinen Absatzrückgang fest", sagte T-Mobile-Deutschland-Chef Philipp Humm. Vor dem Tor des Bochumer Werks gingen auch am Dienstag die Aktionen weiter. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) kritisierte die Schließungsentscheidung des finnischen Weltmarktführers bei einem Besuch in Bochum als "nicht nachvollziehbar" und "nicht akzeptabel". Auch der Essener Weihbischof Franz Grave zeigte sich mit der von der Schließung bedrohten Belegschaft solidarisch.

Der SPD-Bundesvorsitzende Kurt Beck hatte Nokia auf einem Parteitag der SPD in Bochum-Wattenscheid bereits am Montagabend aufgefordert, das geplante Aus für das Bochumer Werk zu überdenken. "Der Kampf um Nokia in Bochum ist noch lange nicht verloren", sagte Beck. Zudem müsse die europäische Subventionspolitik überprüft werden, forderte der SPD-Chef. Bei der Globalisierung dürften Menschen nicht "Versuchskaninchen" sein.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Brüssel prüft Monsanto-Übernahme durch Bayer genauer
Die EU-Kommission will die Risiken des Zusammenschlusses für den Wettbewerb in der Agrarchemie genauer unter die Lupe nehmen. Bayer reagiert darauf gelassen. Der Konzern …
Brüssel prüft Monsanto-Übernahme durch Bayer genauer
Rheintalbahn soll am 7. Oktober wieder freigegeben werden
Alles dauert viel länger als zunächst gedacht. Erst am 7. Oktober sollen wieder Züge auf der europäischen Hauptachse Rheintalbahn fahren. Bis dahin muss das Notkonzept …
Rheintalbahn soll am 7. Oktober wieder freigegeben werden
Merkel will Spiele-Entwickler mit mehr Geld fördern
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bei der Eröffnung der Computerspielemesse Gamescom der Branche eine stärkere staatliche Förderung in Aussicht gestellt.
Merkel will Spiele-Entwickler mit mehr Geld fördern
Bei mehr als 60 Euro Gebühren fürs Konto die Notbremse ziehen
Die Experten von Finanztest nahmen 231 Gehalts- und Girokonten von 104 Banken unter die Lupe. Einige Geldinstitute zocken bei den Gebühren so richtig ab. Dann ist die …
Bei mehr als 60 Euro Gebühren fürs Konto die Notbremse ziehen

Kommentare