Interview mit Börsenprofi: Kein Interesse an heißen Aktientipps

München - Seit 1971 betreut die Fiduka Geld ihrer Kunden. Sie ist damit eine der ältesten unabhängigen Vermögensverwaltungen in Deutschland. Zum 40-jährigen Bestehen sprachen wir mit ihrem Mit-Gründer und Senior-Partner Gottfried Heller.

Wie viel Geld haben Sie in den 40 Jahren der Fiduka verwaltet?

Da gab es Schwankungen mit den Kursen, aber auch weil Mandate beendet wurden oder hinzukamen. Wir lagen aber in den letzten 20 Jahren immer zwischen 350 und 600 Millionen Euro.

Und das Geld war gut angelegt?

Wenn man Geld in Aktien anlegt, müssen diese nicht nur attraktiv sein, sondern auch preiswert. Das heißt: kaufen, bevor andere einen Trend entdecken. Wir waren Pioniere, was die Schwellenländer anbelangt. Wir haben bereits 1994 einen entsprechenden Fonds aufgelegt. Wer von Anfang an dabei war, kann heute auf zwischen neun und zehn Prozent jährlichen Zuwachs zurückblicken. Und das trotz der dramatischen Krisen, die seither passiert sind.

Gibt es einen ehernen Anlagegrundsatz, den Sie verfolgt haben?

Wir haben für Kunden nie etwas gekauft, was wir nicht für uns selbst gekauft hätten, und nie etwas, was wir nicht verstanden haben: Futures, Derivate, undurchschaubare Zertifikate. Heiße Aktientipps haben wir links liegen gelassen und keinen Cent in Subprime-Papiere gesteckt. Und dann haben wir die Steuersparmode in den 1990er-Jahren nicht mitgemacht. Deren Verlustzuweisungen wurden in vielen Fällen ihrem Namen gerecht. Trotz der hohen Provisionen von rund 15 Prozent haben wir davon die Finger gelassen.

Keine Fehlschläge?

Doch. Wir haben auch Verluste gemacht, aber nicht mit Sachen, die als Schrott am Boden liegen blieben, sondern mit soliden Aktien, bei denen das investierte Geld nicht dauerhaft verloren war. Wir achten auf Buchwert, Dividende, auf Kurs-Gewinn-Verhältnis und Kurs-Cashflow-Verhältnis. Das sind alles Zahlen die für Werthaltigkeit stehen. Wichtig ist uns auch ein positiver Gewinntrend.

Gibt es Alarmzeichen, die Ihnen signalisieren: Davon lasse ich die Finger?

Wir unterscheiden sehr streng zwischen dem, was man investieren nennt und dem, was man spekulieren nennt. Bei einer Spekulation muss man drei, vier Jahre warten, ob das Ereignis, auf das man gewettet hat, eintritt, und schaut dann möglicherweise in die Röhre. Wir investieren in Dinge, die wir einigermaßen kalkulieren können, weil wir Anhaltspunkte haben, wie eine Branche und Unternehmen in dieser Branche sich geschlagen haben. Fehler passieren auch uns. Wir versuchen sie aber durch eine breite Diversifizierung in Grenzen zu halten.

Was war denn bei einer Anlageentscheidung Ihr größter strategischer Irrtum?

Während der großen Inflation 1980 bis 1982 wurde die US-Inflationsrate von 15 Prozent durch eine drakonische Geldpolitik bekämpft. Der Leitzins lag bei 20 Prozent. Wir stopften unsere Depots mit zehnjährigen Anleihen, die mit 16 Prozent verzinst wurden, voll und ließen Aktien bei traumhaften Einstiegskursen links liegen. Und dann ist im August 1982 die Börse abgezischt. Wir stiegen zu spät ein. Seither weiß ich: Nicht die Wirtschaft läuft der Börse voraus. Sondern die Börsen drehen bereits sechs bis neun Monate vor dem Tiefpunkt der Rezession.

Und auf welche Entscheidung sind Sie heute stolz?

Im Oktober 2008 nach der Lehman-Pleite, als die Börse im freien Fall war, habe ich gegen die vorherrschende Meinung von einem Schlussverkauf mit deutlichen Preisabschlägen gesprochen und den Kauf von Aktien empfohlen. Ich war mir sicher, dass die Börse bereits vor der konjunkturellen Wende etwa im zweiten Quartal 2009 anziehen wird. So kam es dann auch. Ich kann heute rückblickend sagen, dass ich zuletzt in fast allen, in denen ich antizyklisch und damit gegen den Trend gehandelt habe, richtig lag. Nur war ich oft etwas zu früh dran.

Der größte Reinfall?

Meine erste Aktie, die Pan-Am. Die habe ich für zehn Dollar gekauft. Da kam 1988 Lockerbie, der Anschlag auf ein Flugzeug dieser Linie. Pan-Am ist auf einen Dollar abgestürzt. Da habe ich verkauft. Immerhin bevor durch die Pan-Am-Pleite der eine Dollar auch noch weggewesen wäre. Diese Erfahrung hat mich von der ganzen Luftverkehrsbranche abgebracht.

Welchem Mottofolgen Sie?

Ich halte es mit Gustav Stresemann, der sinngemäß gesagt hat: Aus Siegen lernt man kaum etwas, aus Niederlagen lernt man. Das zeigt auch: Ohne Erfahrung kann man an der Börse nicht langfristig erfolgreich handeln. Angelesenes Wissen ist an der Börse nicht viel wert.

Das Gespräch führte Martin Prem

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