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Stephan Götzl ist Präsident des Genossenschaftsverbandes Bayern.

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"Man darf eine solche Bank nicht an die Wand fahren lassen"

München - Nur mit Zähneknirschen akzeptieren die Genossenschaftsbanken die Rettung der Commerzbank. Sie fürchten, dass ihnen der private Wettbewerber künftig mit staatlicher Rückendeckung Konkurrenz macht.

Unsere Zeitung sprach darüber mit Stephan Götzl, Präsident der 317 bayerischen Volksbanken und Raiffeisenbanken.

Herr Götzl, einige Privatbanken und auch Sparkassen mit Landesbanken-Engagements lassen sich vom Staat unter die Arme greifen. Nur das Genossenschaftslager kommt bislang ohne Hilfe vom Bund aus. Bleibt es dabei?

Einzelne Volks- und Raiffeisenbanken werden keine Staatshilfen benötigen. Auch bei den genossenschaftlichen Spitzeninstituten DZ Bank und WGZ Bank sollten wir alle Lasten alleine schultern können. Für diese beiden Häuser kann ich allerdings nur unter Vorbehalt sprechen, da ich nicht in den entsprechenden Gremien sitze.

Die Commerzbank soll das staatliche Kapital auf Druck der Bundesregierung auch dazu nutzen, mehr Darlehen auszureichen. Sieht so aus, als ob sich der Staat im Kreditgeschäft auf die Seite Ihrer Konkurrenz schlägt. Fürchten Sie Wettbewerbsverzerrung zu Ihrem Nachteil?

Die Frage ist tatsächlich, ob aus der Hereinnahme von Staatsgeldern in Banken ein Ungleichgewicht bei den Konditionen resultiert. Zumindest bei öffentlich-rechtlichen Banken verzeichnen wir bereits solche Fälle, in denen Kredite unter marktüblichen Konditionen vergeben werden, um Marktanteile zu gewinnen. Ist das der Fall, liegt eindeutig eine Wettbewerbsverzerrung vor. Darüber hinaus fällt weltweit und auch in Deutschland auf, dass Institute, die Übernahmen eingeleitet haben, sich diese quasi vom Staat bezahlen lassen.

Zum Einstieg des Staates bei der Commerzbank dürfte es trotzdem keine Alternative geben.

Natürlich darf man eine solche Bank nicht an die Wand fahren lassen. Aber wenn der Staat schon Geld gibt, muss er darauf achten, dass das unterstützte Institut seine Konditionen in marktüblichen Bandbreiten belässt. Das ist er den Banken schuldig, die bislang keine Hilfe in Anspruch genommen haben. Außerdem darf der Staat ein Haus wie die Commerzbank nicht für eine Kreditpolitik einspannen, die womöglich zu einer Anhäufung weiterer schlechter Risiken führt.

Sie haben kritisiert, dass die Bundesregierung zwei Staatssekretäre in den Commerzbank-Aufsichtsrat entsendet. Trauen Sie denen nicht zu, dass sie den Bund angemessen vertreten?

Ich traue den Herren Staatssekretären durchaus eine große persönliche und fachliche Kompetenz zu. Aber wir reden über das mit Abstand zweitgrößte deutsche Institut. Woher nehmen diese beiden Herren die nötige Erfahrung, ein großes, international aufgestelltes Kreditinstitut angemessen zu kontrollieren? Da sehe ich ein großes Fragezeichen. Es gibt doch eine Reihe Bankvorstände im Ruhestand, die diese Kontrollaufgabe im Auftrag des Bundes mit erheblich mehr Erfahrung angehen könnten.

Erwarten Sie, dass weitere Banken Staatshilfen beanspruchen werden?

Soweit man hört, muss das vierte Quartal noch mal verheerend verlaufen sein. Insofern ist nicht auszuschließen, dass das ein oder andere Institut darüber nachdenkt.

Interview: Florian Ernst

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