Interview mit Klaus Josef Lutz: "Wir machen nichts Verrücktes"

München - Der neue Vorstandschef der BayWa spricht über Geschäftsideen, Geschwindigkeit und Getreidepreise.

Die Tür geht auf, Klaus Josef Lutz steht auf dem Flauscheteppich seines Büros im 16. Stock des BayWa-Hochhauses. Er schüttelt Hände, lächelt, wechselt noch ein paar Worte mit seinem Assistenten, telefoniert kurz und wünscht sich von den zwei Damen im Vorzimmer einen Cappuccino.

Dann kehrt Ruhe ein, hinter den Fenstern schweben Wölkchen über den Türmen der Münchner Frauenkirche. Lutz nimmt am Kopf des kleinen Holztisches Platz und fragt: "So, und was mach ma jetzt?" Natürlich über ihn und die BayWa sprechen.

-Herr Lutz, Sie sind jetzt seit gut 70 Tagen Vorstandschef der BayWa. Werden Sie von den Mitarbeitern schon erkannt, wenn Sie in den Aufzug steigen?

Selbstverständlich. Auf der Führungsebene habe ich mit jedem ein Interview geführt. Ich kenne auch schon einen Teil unserer Geschäftsführer in Deutschland, Österreich und Osteuropa. Es ist wichtig, die Kollegen und ihre Anliegen zu kennen und zu verstehen. Deshalb bin ich auch viel im Unternehmen unterwegs.

-Der Umstieg vom Verlagsgeschäft auf den Agrar- und Baustoffhandel ist geglückt?

Ja, wobei ich mich durchaus umgewöhnen musste. Früher war ich vor allem als Sanierungsmanager im Einsatz. Wenn man dann in ein gesundes und erfolgreiches Unternehmen wie die BayWa einsteigt, ist das was ganz anderes. Dann geht es nicht mehr um Leben und Tod, sondern um eine kontrollierte Weiterentwicklung. Anfangs war ich hier und da vielleicht ein wenig schnell unterwegs.

-Bei Ihrer ersten Pressekonferenz im August haben Sie gleich einen bunten Strauß von Ideen für die BayWa präsentiert. Unter anderem hatten Sie über einen Ausbau des in Deutschland nicht unbedingt lukrativen Autohandels gesprochen, der bei der BayWa bislang nur eine untergeordnete Rolle spielt. Stehen in dem Bereich Zukäufe bevor?

Wir prüfen das noch und haben deswegen ein Gutachten zu den Perspektiven des Kfz-Handels in Auftrag gegen. Stand heute ist, dass wir nicht planen, daraus eine eigenständige Geschäftseinheit zu bauen wie unsere drei heutigen Kernbereiche Agrar, Bau und Energie.

-Einen Umsatz von einer Milliarde Euro, wie Sie ihn damals ins Gespräch gebracht hatten, wird es nicht geben?

Wir haben immer von einer Prüfung gesprochen. Aber eine Milliarde Euro Umsatz und mehr sehe ich derzeit nicht. An unseren 22 Autohäusern in Baden-Württemberg und Bayern halten wir aber auf jeden Fall fest. Ein Desinvestment, wie es immer wieder gefordert wird, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zur Diskussion.

-Sie drängen mit der BayWa ins Geschäft mit erneuerbaren Energien. Sind schon Projekte spruchreif?

Wir haben eine Einheit mit dem Namen "BayWa Green Energy" gegründet und bauen gerade das Management auf. Aktuell führen wir Gespräche mit potenziellen Partnern wegen der Produktion von Bioethanol und Biogas, wobei wir hier ausschließlich über Maßnahmen reden, die der Nahrungsmittelproduktion keine Konkurrenz machen. Gleichzeitig entwickeln wir für ein Geothermie-Projekt im Großraum München einen Geschäftsplan. Wir prüfen, welche Dienstleistungen die BayWa liefern könnte. Vorstellbar wäre, dass wir Komponenten liefern, wie wir es im Solarbereich schon tun, oder dass wir das Projektmanagement übernehmen. Eine Beteiligung an der Betreibergesellschaft ist auch denkbar.

-Geothermie gilt als Zukunftsthema, über Risiken ist bislang aber nur wenig bekannt.

Geothermie kann für die BayWa eine Chance sein. Weil wir uns mit Energiethemen auskennen und weil man Geothermie in Deutschland aufgrund der Heißwasserspeicher im Untergrund nur in Oberbayern machen kann, wo wir zu Hause sind. Risiken lassen sich absichern.

-Welches Umsatzpotenzial erwarten Sie durch Ihre Energie-Offensive?

Es ist noch zu früh darüber zu sprechen. Erst brauchen wir eine Basis für eine Entscheidung im Vorstand. Aber wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist, dann wollen wir wachsen. Dann könnten wir uns auch vorstellen, ein Unternehmen aus dem Erneuerbare-Energien-Bereich zu übernehmen.

-Sie sprachen schon an, dass Sie früher ein Sanierungsmanager waren. Gibt es auch bei der BayWa was zu sanieren, obwohl es dem Konzern derzeit so gut geht wie nie?

Im Bausegment sind wir dabei, ein neues Konzept zu erarbeiten, wie wir den Baustoffhandel und unsere Bau- und Gartenmärkte modernisieren können. Der Markt hat sich in den letzten Jahren nachteilig geändert. Deswegen richten wir uns neu aus. Wir wollen effizienter sein. Dazu will ich auch die Sicht von außen einholen, weswegen wir uns Berater ins Haus holen werden.

-Die BayWa-Aktie hat seit ihrem Antritt gelitten: Anfang Juli waren es noch gut 40 Euro, derzeit steht der Kurs bei unter 25 Euro. Wie erklären Sie sich das?

Momentan haben wir grundsätzlich einen abwärts gerichteten Aktienmarkt. Daneben hat ein Wechsel im Vorstandsvorsitz meistens Auswirkungen auf den Aktienkurs. Ich denke, dass Aktionäre Gewinne mitgenommen haben und jetzt abwarten: Was macht der neue Vorstandschef? Ich bin aber optimistisch, dass wir den Kurs mittelfristig wieder nach oben führen können. Weil die Zahlen überzeugend sein werden und weil wir nichts Verrücktes machen. Wir setzen die konservative Geschäftspolitik meines Vorgängers fort und es gibt Investoren, die genau solche Unternehmen suchen.

-Die BayWa verfügt über enorme stille Reserven. Vielleicht hilft dem Kurs eine kleine Sonderausschüttung auf die Sprünge?

Es gibt immer wieder Bestrebungen von Aktionären, Kapital auszuschütten. Das ist legitim. Aber ich warne davor, stille Reserven einfach so zu realisieren. Das wird es mit mir nicht geben. Stattdessen wollen wir dafür sorgen, dass wir das Kapital in unsere Kernbereiche leiten, um eine sinnvolle Rendite zu erzielen.

-Die BayWa hat zuletzt sehr gut an den hohen Getreidepreisen verdient. Die sind nun wegen der guten weltweiten Ernten wieder deutlich gefallen. Beeinträchtigt das die Geschäftsaussichten?

Das Jahr 2008 wird als Ausnahmejahr für die BayWa zu Ende gehen, daran werden die gesunkenen Getreidepreise nichts mehr ändern. Es wird aber sehr schwer werden, dieses Ergebnis im kommenden Jahr zu wiederholen. Derzeit müssen wir von einem Ergebnisrückgang ausgehen. Wir halten aber mit einem guten Kostenmanagement dagegen.

-Ihre zwei Vorgänger bei der BayWa waren jeweils 20 Jahre im Amt. Können Sie sich einen beruflichen Lebensabend bei der BayWa vorstellen?

Man weiß nie, was das Leben bringt. Und die Entscheidung darüber, wie lange ich bleibe, muss auch der Aufsichtsrat treffen. Aber ich habe mich auf einen längerfristigen Aufenthalt eingerichtet, wobei es wahrscheinlich keine 20 Jahre werden. Dann wäre ich ja schon 70 und längst im Rentenalter.

Interview: Florian Ernst

Klaus Josef Lutz (50)

ist seit 1. Juli Vorstandsvorsitzender der BayWa AG. Dabei war sein erster Kontakt mit dem Mischkonzern eher unerfreulich: Mitten auf seinem angestammten Bolzplatz zog in den 60er-Jahren ein Bautrupp die spätere BayWa-Zentrale hoch. Deswegen kann der gebürtige Münchner jetzt vom Konferenzraum aus sein Elternhaus sehen. Zuvor war er unter anderem als Geschäftsführer des Süddeutschen Verlags tätig. 

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