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Das Hofbräu in München ist eine Weltmarke. Auf allen Kontinenten entstehen via Franchise-System neue Hofbräuhäuser. Wie sie aussehen müssen, welche Musik läuft und was es zu essen gibt, wird in München festgelegt. 

Interview mit Hofbräu-Chef

Hofbräuhäuser: Von St. Louis bis St. Petersburg

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München - Das Münchner Hofbräuhaus bekommt immer neue Ableger: Im nächsten Jahr eröffnen Dependancen in St. Louis (USA) und St. Petersburg. Über Auslands-Hofbräuhäuser, die Konkurrenz durch Craftbiere und das deutsche Reinheitsgebot sprachen wir mit dem Chef von Hofbräu, Michael Möller.

Wie ist das Jahr für Hofbräu gelaufen?

Michael Möller: Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden. Wir hatten uns zwar mehr vorgenommen, aber bestimmte Dinge können wir halt nicht beeinflussen, zum Beispiel das schlechte Biergarten-Wetter in diesem Sommer. Auch die Folgen des Amoklaufs in München haben wir stark zu spüren bekommen. Sowohl im Hofbräuhaus als auch auf dem Oktoberfest. Für uns als kleine Brauerei wirkt sich das schon aus. Wir haben ja auch einen großen Exportanteil. Und da merken wir, dass die Welt ganz einfach labiler geworden ist.

Was merken Sie da konkret?

Möller: Unser drittgrößter Markt ist zum Beispiel Russland. Da weiß man leider nicht so genau, was in Zukunft passiert.

Welches sind denn die wichtigsten Exportmärkte für Hofbräu?

Möller: Italien, USA und Russland. China ist auch ein interessanter Markt, aber da haben wir einen Lizenzpartner. Das heißt, der größte Teil des Bieres wird in China gebraut. Der Weg dorthin ist einfach zu teuer. Dazu kommen Importhürden.

Höhere Importhürden könnte es demnächst auch in den USA geben.

Möller: Das kann passieren. Aber wenn das Handelsabkommen TTIP nicht kommt, tut uns das nicht weh. Denn da wäre nicht viel drin, was uns weiterhelfen würde.

Was sind das denn für Probleme?

Möller: Bisher gibt es eine Importsteuer von etwa vier Prozent. Das macht nicht so viel aus. Wenn es jetzt aber plötzlich 20 Prozent wären, sähe es schon anders aus. Aber ich glaube, so wird es nicht kommen. Was uns viel mehr belastet, ist der Bürokratismus. Wir dürfen zum Beispiel keinen Gastronomen in den USA direkt beliefern. Wir müssen über einen Importeur gehen und der Importeur wiederum über einen Verleger. Selbst dann, wenn wir Hofbräuhäuser in den USA beliefern wollen. Jeder schlägt was drauf – und so wird das Produkt immer teurer. So etwas regelt TTIP nicht.

Es gibt ja einige Hofbräuhäuser in den USA. Wie wichtig ist das für Ihr Geschäft?

Möller: Sehr wichtig. Sie sind Markenbotschafter und Werbung. Das macht uns in den USA noch besser bekannt. Da steckt auch viel Arbeit dahinter. Das ist ja ein Franchise-System. Das heißt, wir haben einen Kriterienkatalog, der erfüllt sein muss, wenn wir den Namen „Hofbräuhaus“ dafür hergeben. Die bekommen von uns Handbücher über die Architektur, die Küche, über den Service, die Musik. Das wird alles von uns ausgearbeitet.

Gibt es auch eine Mindestgröße?

Möller: Ja, es sollten schon mindestens 500 Sitzplätze sein. Ein Hofbräuhaus ist groß, das Charakteristische ist die Schwemme. Und um da eine Atmosphäre herzubringen, braucht es eine gewisse Größe.

Wo entstehen die nächsten Hofbräuhäuser?

Möller: Das Hofbräuhaus in St. Louis in den USA wird wahrscheinlich im März oder April fertig sein. In St. Petersburg in Russland wird noch gebaut, das wird wohl noch bis Jahresmitte dauern. Eine kleine Hofbräugastronomie hat gerade in Sibirien den Betrieb aufgenommen, im März soll offizielle Eröffnung sein.

Fahren Sie da eigentlich selbst hin?

Möller: Ja. Zur Eröffnung in Sibirien werde ich dabei sein. Ich war im vergangenen Jahr auch in Belo Horizonte in Brasilien, als dort ein Hofbräuhaus eröffnet wurde. Im Mai geht´s nach Krems in Österreich, wo ein Hofbräu in Betrieb geht – in einer Weinstadt.

Heuer wurden 500 Jahre Reinheitsgebot gefeiert. Wie geht es damit weiter, angesichts immer mehr Craftbieren im Angebot?

Möller: Das Reinheitsgebot hat immer noch seine Daseinsberechtigung. Auch in Zukunft. Das Bier wäre heute nicht das Volksgetränk, wenn es das Reinheitsgebot nicht gegeben hätte. Vor 500 Jahren wurde ja alles Mögliche zusammengebraut, auch allerlei nicht gerade gesundheitsförderliche Dinge. Durch die Beschränkung der Zutaten ist das Bier quasi standardisiert worden. Die Brauer mussten sich konzentrieren auf diese drei Dinge und auf die Technologie, daraus das Beste zu machen. Und das hat dem Bier sehr gutgetan. Ansonsten hätte man nur irgendwelche Gärgetränke.

Der Trend geht aber heute doch genau dahin.

Möller: Moment. Man kann ja über Geschmack diskutieren. Wenn jetzt Craftbrauer Erdbeeren in ein Gärgetränk mischen, muss die Frage schon erlaubt sein: Ist das noch Bier? Lebensmitteltechnisch ist es egal, ob da Gerste oder Erdbeeren drin sind. Sie können brauen, was sie wollen, sie dürfen es nur nicht Bier nennen. Aber die jungen Brauer wollen schnellen Erfolg. Sie produzieren etwas und geben dem einen Namen, den jeder kennt. Sie sparen sich einen Markenaufbau.

Macht Ihnen diese Konkurrenz Sorgen?

Möller: Nein. Die Craftbiere, die da derzeit aus Amerika auf den deutschen Markt schwappen, sind zwar zum Teil sehr interessant im Geschmack, aber sie sind nicht für den bei uns gewohnten Biergenuss geeignet. Da trinkt man einen Schluck, sagt „interessant“, aber mehr auch nicht.

Aber ein bisschen Vielfalt schadet doch nicht.

Möller: Wir hatten schon immer mindestens 1200 Brauereien in Deutschland, und wir haben ja die unterschiedlichsten Biere. Gehen Sie doch mal nach Schwaben oder Franken und nach Norddeutschland rauf. Da findet man die unterschiedlichsten Geschmäcker. Und das ohne Früchte und Gewürze. Trotzdem kann man eine Vielfalt ohne Ende erleben. Für uns als Hofbräu stellt sich die Frage, wollen wir ein Getränkehersteller werden, der heute Bier mit Apfelsaft und morgen mit Himbeersirup, Koriander oder Chili mischt? Braucht´s das? Ich glaube nicht. Ich glaube übrigens auch nicht, dass der Trend von langer Dauer ist. Vor etlichen Jahren gab es auch einen Riesenboom um Alcopops. Gibt es die heute noch?

Haben Sie neue Biere im Sortiment?

Möller: Wir experimentieren auch. Aber nach dem Reinheitsgebot. Wir machen einmal im Jahr einen Sondersud und daraus ein spezielles Bier. Da geht es gar nicht so um Volumen, sondern darum, sich mit dem Produkt auseinanderzusetzen. Ob daraus mal ein Standardprodukt wird, kann sein – oder auch nicht. Im Januar zum Beispiel werden wir ein untergäriges Bier unter dem Namen „Hallodri“ vorstellen, das mit einer ganz neuen Hopfensorte gebraut und kaltgehopft wird. Dadurch bleiben die Hopfenöle besser erhalten, als wenn es gekocht wird. Das schmeckt frischer und fruchtiger.

Woher beziehen Sie denn Ihren Hopfen?

Möller: Aus der Holledau. Zu 100 Prozent. Wir kaufen auch nur bayerisches Gerstenmalz ein. Wasser kommt sowieso von hier und die Hefe ziehen wir selbst hoch und kultivieren sie. Unser Weizenmalz beziehen wir aus Wasserschutzgebieten im Frankenland. Also alles aus Bayern.

Apropos Rohstoffe. Wie entwickelt sich der Bierpreis?

Möller: Ich erwarte, dass er stabil bleibt.

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