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Johannes-Jörg Riegler ist seit April 2014 Vorstandschef der BayernLB. Zuvor hatte Riegler unter anderem für die Norddeutsche Landesbank und die Deutsche Bank gearbeitet.

Interview mit Vorstandschef Johannes-Jörg Riegler

Die Neuerfindung der BayernLB

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Vor zehn Jahren schlitterte die BayernLB in die tiefste Krise ihrer Geschichte. Die Bank hatte sich mit Milliardeninvestitionen in Ramschpapiere am US-Immobilienmarkt verzockt.

Zudem erwiesen sich Auslandsabenteuer wie das Engagement bei der Kärntner HypoAlpeAdria als Milliardengrab. Mit einer Eigenkapitalspritze von zehn Milliarden Euro und einer Garantie über fünf Milliarden Euro durch den Freistaat Bayern wurde die Bank 2008 gerettet. Der Freistaat besitzt heute 75 Prozent der Anteile an der Bank. Die bayerischen Sparkassen, die im Zuge der Rettung der BayernLB die Bausparkasse LBS übernommen hatten, sind mit 25 Prozent beteiligt. Die EU-Kommission in Brüssel verordnete der BayernLB eine Schrumpfkur und zwang die Bank, ihre Bilanzsumme zu halbieren. Heute ist die BayernLB die siebtgrößte Bank in Deutschland. Inzwischen macht die Bank wieder Gewinne, 2017 waren es 677 Millionen Euro. Die Milliardenhilfen hat die BayernLB bereits vor Jahren vorzeitig an den Freistaat zurückgezahlt. Wir sprachen mit dem Chef des Instituts, Johannes-Jörg Riegler, darüber wie der Bank nach ihrer existenziellen Krise die Wende gelungen ist.

-Herr Riegler, viele Bürger in Bayern kennen die BayernLB als Skandalbank. Inzwischen fährt Ihre Bank wieder Gewinne ein, zuletzt haben Sie erstmals wieder eine Dividende an den Freistaat ausgeschüttet. Was ist passiert?

Wir sehen das Ergebnis von harter Arbeit. Übrigens auch von meinen Vorgängern. Während der Finanzkrise ist bei der Bank richtig viel schiefgelaufen. Dann haben wir aber mit bayerischer Gründlichkeit eine radikale Kehrtwende eingeleitet und uns vor allem auf ein kundenorientiertes Geschäftsmodell besonnen. Wir haben die Bank massiv umgebaut und dabei alle Altlasten beseitigt

Auftrag, aus der Landesbank wieder eine starke Bank zu machen

-Wäre das nicht ein guter Zeitpunkt für den Freistaat, sich allmählich aus der BayernLB zurückzuziehen oder sie sogar zu verkaufen?

Das müssten Sie den Freistaat fragen. Ich bin vor bald fünf Jahren zur BayernLB gekommen mit dem Auftrag, aus der Bayerischen Landesbank wieder eine starke Bank zu machen. Das ist uns gemeinsam ganz ordentlich gelungen. Wir haben jetzt von zwei Rating-Agenturen jeweils drei Hochstufungen bekommen und sind heute die Bank mit dem zweitbesten Rating auf dem deutschen Markt. Wir erwirtschaften seit drei Jahren wieder ordentliche Erträge und sind inzwischen wieder dividendenfähig.

-Warum braucht der Freistaat eine eigene Bank?

Die Bank kann ein starker Teil einer bayerischen Wirtschaftspolitik sein. Uns im Vorstand geht es aber jetzt vor allem darum, diese Bank noch besser und profitabler zu machen, wobei das unabhängig von der Eigentümerstruktur ist.

-Sie könnten sich also durchaus vorstellen, in privater Eigentümerschaft die BayernLB zu führen?

Die Frage stellt sich aktuell überhaupt nicht. Die Eigentümer sind sehr zufrieden mit unserer Entwicklung.

-Der Freistaat hat bei Ihren Vorgängern gerne reinregiert, beispielsweise mit Krediten an den Medienunternehmer Leo Kirch. Hat sicht das verändert?

Absolut. Der Freistaat und die bayerischen Sparkassen haben natürlich in der Phase des Umbaus und der Neuausrichtung der Bank intensiv mitgewirkt. Aber im täglichen Banking ist die Politik komplett außen vor. Zudem sitzt im Aufsichtsrat seit Jahren kein Mitglied der Staatsregierung mehr.

-Trotzdem ist die BayernLB jetzt wieder in die Schlagzeilen geraten, weil sie 2013 tausende Wohnungen der GBW an ein Konsortium unter Führung des Wohnkonzerns Patrizia verkauft hat.

Ich bitte um Verständnis, aber ich kann dazu relativ wenig sagen, da der Verkauf vor meiner Zeit als Vorstandsvorsitzender stattfand.

-Warum beobachten Sie die Debatte mit einer solchen Distanz?

Weil der Verkauf der GBW mit der Bank, so wie sie heute aufgestellt ist, überhaupt nichts mehr zu tun hat. Die Bank musste sich auf Druck der EU-Kommission von der GBW trennen. Alles, was ich in den Akten gelesen habe, zeigt, dass die Bank damals richtig gehandelt hat. Zudem hat man sich beim Verkauf unter den gegebenen Rahmenbedingungen bestmöglich für einen Schutz der Mieter eingesetzt.

„Unsere Aufgabe ist es, die Wirtschaft zu unterstützen“

-Wie ist die Bank heute aufgestellt?

Unsere Aufgabe ist es, die bayerische und deutsche Wirtschaft zu unterstützen. Wir sind in erster Linie eine Bank für Unternehmen, haben die 30 Dax-Unternehmen und 44 von 50 MDax-Unternehmen als Kunden. Zudem kommen wir gemeinsam mit den bayerischen Sparkassen beim bayerischen Mittelstand auf einen Marktanteil von über 40 Prozent.

-Wie teilen Sie sich das Geschäft mit den Sparkassen auf?

Die Sparkassen begleiten in erster Linie die kleineren Gewerbetreibenden und den Mittelstand. Wir sind bei größeren Unternehmen ab 50 Millionen Euro Umsatz tätig. Wir unterstützen die Sparkassen bei der Betreuung ihrer Kunden, wenn internationales Know-how gefragt ist oder bei komplexeren beziehungsweise größeren Finanzierungen. Daneben betreiben wir das gewerbliche Immobiliengeschäft, betreuen Kommunen und Finanzinstitutionen wie Versicherungen. Und mit unserer Tochter DKB betreiben wir die zweitgrößte Direktbank in Deutschland.

-Die Commerzbank und die Deutsche Bank blicken mit einem gewissen Skepsis auf Ihr Institut. Die Privatbanken sagen, wegen der Konkurrenz durch die BayernLB kommen sie nicht so recht auf die Beine. Dax- und MDax-Unternehmen sind ja auch Kunden der Commerzbank und der Deutschen Bank.

Ja, klar. Das sind unsere Konkurrenten am Markt. Wir als öffentliche Banken reflektieren aber vor allem die Breite der mittelständischen Wirtschaftsstruktur in Deutschland.

-Sie planen mit der BayernLB, jetzt wieder stärker ins Ausland zu expandieren – obwohl das Auslandsgeschäft Ihrer Bank in der Vergangenheit so viel Unglück gebracht hat.

Das waren früher ganz andere Geschäfte, ohne Bezug zum Kunden. Jetzt geht es vor allem darum, unsere Kunden beziehungsweise die exportorientierten Kunden der Sparkassen noch stärker ins Ausland zu begleiten. Zur Einordnung: Unser Auslandsgeschäft hat momentan einen Anteil von rund 25 Prozent am Kreditvolumen, diesen Anteil wollen wir behutsam auf etwa 30 Prozent steigern.

-Sie unterscheiden sich auch im Auftritt von Ihren Vorgängern, die oft sehr monarchisch aufgetreten sind. Spiegelt das die neue Kultur in der BayernLB wider?

Ich denke schon. Aber der Bankertypus hat sich in den vergangenen Jahren auch grundsätzlich verändert. Inzwischen hat in vielen Banken eine Generation die Verantwortung übernommen, die ganz anders denkt und handelt.

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-Sie sind einer der wenigen Bankchefs in Deutschland, der keine Krawatte trägt.

Ich habe meinen Leuten mal gesagt: Ich will nicht der Letzte sein, der seine Krawatte ablegt. Und wir bekommen mittlerweile schon Anrufe von Dax-Konzernen, bei denen die Vorstände sagen: Können Sie uns bitte ohne Krawatte besuchen, weil wir die schon lange nicht mehr tragen? Aber ehrlicherweise muss ich auch sagen: Wenn man 25 Jahre gewohnt war, eine Krawatte umzubinden, kostet das schon Überwindung, sie abzulegen. Aber wir arbeiten heute auch als Bank mit sehr vielen jungen Unternehmen zusammen und stellen dabei immer wieder fest: Eine Krawatte passt da häufig nicht mehr.

-Zuletzt war immer wieder zu hören, dass die Gründerszene in Bayern nicht mehr so floriert wie früher. Spüren Sie das?

Das würde ich pauschal nicht sagen. In München entsteht sehr viel Neues, allerdings stärker oft im Bereich der Versicherungen. Fintecs, also Start-ups aus der Bankenbranche, gibt es auch, die sind aber tatsächlich eher in Berlin angesiedelt.

-Hilft es Ihnen in diesem Zusammenhang, dass Ihre Direktbank-Tochter DKB in Berlin sitzt?

Ja, absolut. Das war eine großartige Entscheidung, Mitte der 90er-Jahre in Berlin diese Bank zu kaufen und neu auszurichten. Neben der ING-Diba ist die DKB heute eine der zwei großen Direktbanken in Deutschland. Der DKB hilft natürlich die Berliner Start-up-Szene. Erst vor Kurzem ist es uns beispielsweise gelungen, den Geschäftsführer von PayPal für die DKB zu gewinnen.

-Kommen manchmal die Sparkassen als Ihre Eigentümer zu Ihnen und sagen: Herr Riegler, können Sie mit der DKB mal einen Gang runterschalten?

Richtig ist, dass es früher ein Konkurrenzdenken gab. Inzwischen gibt es ein konstruktives Miteinander und die Erkenntnis, dass die DKB vor allem in Konkurrenz zu anderen Direktbanken und nicht zu den Sparkassen steht. Zum Beispiel unterstützt die DKB viele Sparkassen mit ihrem Spezialwissen im Bereich der erneuerbaren Energien.

-Deutschland ist ein starkes Exportland, Bayern hat eine noch höhere Exportquote. Wie sehr macht Ihnen der eskalierende Handelskonflikt Angst?

Es ist nicht nur der Handelskonflikt, der mir Angst macht, sondern auch die Art und Weise, wie Europa agiert. Europa mit einem Markt von 500 Millionen Menschen müsste nach außen geschlossen und stark auftreten. Stattdessen ist es in vielen Fragen zerstritten, sei es in der Flüchtlings- oder in der Schuldenpolitik vieler Länder. Es gibt Gegensätze zwischen Ost- und Westeuropa sowie Nordeuropa und Südeuropa. Das macht mir große Sorgen. Denn gleichzeitig arbeitet China mit Weitsicht und Dynamik an seiner wirtschaftlichen Entwicklung.

-China macht Ihnen mehr Sorge als Trump?

Ja, langfristig gesehen schon. China betreibt eine ganz klare Industriepolitik, während Europa viele kleine Scharmützel führt. Diese Uneinigkeit in Europa und das zunehmend fehlende Verständnis vieler – leider auch junger Menschen – für die europäische Idee machen mich nachdenklich.

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