Investieren in Raps und Sonne: Experten sehen hohes Risiko

- Berlin - In Zeiten historischer Rekordmarken beim Erdölpreis entdecken immer mehr Anleger die Investition in alternative Energien. Während Erdöl und Erdgas knapper und teurer werden, gelten Biogasanlagen als Energielieferanten der Zukunft. Der Markt für Biodiesel boomt, weil bisherige Kraftstoffe nach einer Richtlinie der Europäischen Union künftig ersetzt werden sollen. Obendrein wird die Produktion von Strom, Gas, Wärme und Sprit aus Gülle und nachwachsenden Rohstoffen staatlich stark gefördert. Da ist es verlockend, sich einen der neuen Bio-Fonds aus dem jungen Markt ins Depot zu legen.

So paradiesisch die Zukunftschancen mit einer grünen Geldanlage aussehen mögen, so hoch sind aber auch die Risiken. "Für Normalanleger weniger ratsam, eher für Leute mit großem Vermögen und hoher Risikobereitschaft", meint Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW). "Attraktiver Markt, aber gleichzeitig relativ spekulativ", findet Roland Aulitzky von "Finanztest". Grundsätzlich funktioniert die Beteiligung am Bau einer Biogas- oder Biodieselanlage folgendermaßen: Investoren sind mit Summen zwischen 5000 und 50 000 Euro dabei, plus meist fünf Prozent Gebühr.

Als Gegenleistung werden die Rückzahlung der Einlage sowie ziemlich hohe Renditen zwischen 8 und 17,6 Prozent jährlich in Aussicht gestellt, wie Ariane Lauenburg, Expertin von "Finanztest", bei einem Marktcheck herausgefunden hat. Ist genug Geld für ein Projekt eingesammelt, wird der Fonds geschlossen und die Anlage gebaut. Aus Mais, Roggen, Weizen, Gras und Sonnenblumen wird dann Biogas produziert, das mit Hilfe eines Verbrennungsmotors in Strom umgewandelt wird. Das Plus: Stromversorger sind auf Grund des Erneuerbaren- Energien-Gesetzes 20 Jahre lang zur Abnahme des grünen Stroms zum Festpreis verpflichtet. Und aus Raps- und Sojaöl wird Biodiesel gewonnen, der bislang kaum besteuert wird.

Die üppigen Gewinnprognosen speisen sich also letztendlich aus der großzügigen staatlichen Förderung. Gleichzeitig haben Fondsanbieter und Anlagenbetreiber häufig kaum Erfahrung in dem jungen Markt, wie Kurz zu bedenken gibt. Das biete Raum für eine Menge Planungs- und Managementfehler, was die versprochene Rendite schnell drücken könne. "Das ist eine neue Branche mit neuer Technik, da kann viel schief gehen", sagt auch Peter Grieble, Anlagespezialist der Verbraucherzentrale Baden- Württemberg. "Auf Gedeih und Verderb hängt man drin" Wer "grün" investieren will, muss also nicht nur darauf vertrauen, dass die Konzepte und Prognosen langfristig aufgehen.

Er muss sich auch an einem geschlossenen Fonds beteiligen. "Ein Risiko an sich", warnt Kurz. Investoren lassen sich auf Fonds-Laufzeiten von 14 bis 20 Jahren ein. Ein vorzeitiger Ausstieg ist in der Regel nur unter großen Verlusten möglich. Außerdem ist das unternehmerische Risiko nicht zu unterschätzen. Anleger haften bis zur Höhe ihrer Einlage für Verluste der Firma. Im schlimmsten Fall ist das investierte Geld komplett weg. "Auf Gedeih und Verderb hängt man da drin", betont Kurz. Ändert sich die Gesetzgebung, wie beispielsweise mit der Steuererhöhung für Biodiesel konkret geplant, könne sich das negativ auf die Firmenzahlen auswirken. Gute von schlecht gemanagten Fonds zu unterscheiden, dürfte recht schwer sein. Weil Bio-Fonds erst seit kurzem aufgelegt werden, kann kein Anbieter bisher aussagekräftige Leistungsbilanzen vorweisen.

Wer sich in den Markt noch nicht hineinwage, solle als Alternative Solarenergiefonds in Erwägung ziehen, rät Grieble. Zwar handelt es sich auch dabei um geschlossene Fonds. Dafür sei die Gewinnung von Sonnenenergie relativ gut prognostizierbar, die Technik schon weiter entwickelt, die Firmen seien besser zu beurteilen. Vom Kursverfall der Solaraktien in den vergangenen Wochen solle sich niemand abschrecken lassen, meint Börsenfachmann Aulitzky. Das sei nach dem extrem steilen Höhenflug nur überfällig gewesen. "Alternative Energien als Ersatz fürs Öl bleiben ein Riesenthema für die Zukunft, auch bei der Geldanlage", ist Grieble überzeugt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Carsharing-Firmen Car2Go und DriveNow könnten zusammengehen
Stuttgart/München (dpa) - Daimler und BMW erwägen einem Bericht zufolge, trotz Widerstands des BMW-Partners Sixt ihre Carsharing-Geschäfte bald zusammenzulegen. Beide …
Carsharing-Firmen Car2Go und DriveNow könnten zusammengehen
Opec-Allianz drosselt Öl-Produktion - Preise fallen weiter
Opec- und Nicht-Opec-Staaten rücken im Ringen um einen höheren Ölpreis immer näher zusammen. Die Märkte reagieren allerdings verhalten auf den Schulterschluss. Gut für …
Opec-Allianz drosselt Öl-Produktion - Preise fallen weiter
Nach Streetscooter soll elektrisches Stadtauto kommen
Der Entwickler des Elektro-Lieferwagens Streetscooter der Deutschen Post plant auch ein Modell für Privatkunden. Das E-Stadtauto e.GO Life soll 2018 in Serie gehen.
Nach Streetscooter soll elektrisches Stadtauto kommen
Lanxess bleibt mit Chemtura-Übernahme auf Rekordkurs
Köln (dpa) - Der Spezialchemie-Konzern Lanxess bleibt auf Rekordkurs. "Das neue Lanxess wird profitabler, es wird widerstandsfähiger, und es wird weiter wachsen", sagte …
Lanxess bleibt mit Chemtura-Übernahme auf Rekordkurs

Kommentare