Investmentbanken sehen Finanzmarktkrise andauern

Frankfurt - Die weltweite Finanzmarktkrise ist nach Einschätzung führender Investmentbanken noch nicht ausgestanden. Die Großbank UBS geht davon aus, dass sich die gegenwärtigen Schwierigkeiten kurzfristig nicht überwinden lassen.

Ähnlich äußerten sich führende Manager der US-Investmentbanken Goldman Sachs und Lehman Brothers. Sie warnen vor noch nicht erkannten Risiken und einer Abschwächung der Konjunktur.

Die Schweizer Großbank teilte am Tag vor Veröffentlichung ihrer Ergebnisse für das dritte Quartal mit, dass sie weitere Abschreibungen auf ihre Positionen im US-Markt für riskante US-Immobilienkredite (Subprime) für möglich halte. "Eine weitere Verschlechterung im amerikanischen Häuser- und Hypothekenmarkt oder eine Rating-Herabstufung von hypothekarisch gesicherten Wertpapieren könnte zusätzliche Abschreibungen erforderlich machen", hieß es.

as dritte Quartal, für das die Bank bereits einen Verlust zwischen 600 und 800 Millionen Franken angekündigt hatte, werde nicht weiter belastet. Allerdings erwartet die Bank, dass sich das vierte Quartal nach einem guten Start auch im Investmentbanking im weiteren Verlauf nicht mehr so gut entwickele wie in der Anfangsphase.

Die Analysten der Bank Wegelin rechnen angesichts der UBS-Mitteilung mit weiteren "explosiven Positionen", die die Bilanzen der Banken belasten dürften. Offenbar wüssten die Institute selber nicht so genau, wann die nächste Mine hochgehen werde.

Derselben Meinung ist auch der Deutschland-Chef der weltgrößten Investmentbank Goldman Sachs, Alexander Dibelius. "Ich glaube, dass wir noch immer nicht alle Risiken kennen", sagte er dem "Spiegel". "Insofern ist das Misstrauen nur menschlich." Weil die Risiken heute viel breiter gestreut seien, habe man lange nicht gewusst, wer wie stark betroffen ist. Lehman-Brothers-Chef Richard Fuld erwartet sogar Auswirkungen der Krise auf die Konjunktur. "Es gibt klare Zeichen der Angst auf den Märkten", sagte er dem "Handelsblatt" (Montag). Er rechne in den USA zwar nicht mit einer Rezession, aber "mit einer Phase schwächeren Wachstums". "Wenn die Immobilienkrise auf den Konsum übergreift, wird es brenzlig."

Die Krise auf den Finanzmärkten sieht auch Fuld noch nicht ausgestanden. Einige Hausbesitzer könnten in den kommenden Zeiten steigender Zinsen umfinanzieren, andere würden ihre Häuser verlieren. "Diese Häuser kommen auf den Markt und werden die Preise weiter drücken." Das könne auch die Hypothekenprodukte der Banken treffen. Sorge bereite ihm zudem die schnelle Erholung der Aktienmärkte. "Die Verbindung zwischen Aktien- und Kreditmärkten scheint unterbrochen. Nach meinem Empfinden geht die Erholung zu schnell."

Geteilte Meinungen gibt es bei den Instituten zu dem vom US-Finanzministerium geplanten Rettungsfonds für den Geldpapier- und Anleihemarkt. Lehman-Brothers-Chef Fuld sieht ihn als Clearing-Mechanismus. "Er ermöglicht es den Banken, die Vermögensteile an den Superfonds zu übertragen, und dadurch werden wieder neue Mittel für Kredite frei." Der Fonds sei dafür da, Zeit zu gewinnen, damit im Moment schwer verkäufliche Vermögensteile eine neue längerfristige Finanzierung oder aber Käufer finden. "Ich halte den Superfonds für eine sehr vernünftige Idee. Wir prüfen, ob wir uns daran beteiligen werden." Aus Deutschland hatten die Deutsche Bank und die Allianz-Tochter Dresdner Bank bereits Interesse an einem Engagement in dem Fonds signalisiert.

Der Goldman-Sachs-Manager Dibelius dagegen hält es für sinnvoller, die faulen Vermögenswerte einfach abzuschreiben. "Meistens ist man besser dran, wenn man eine bittere Medizin schnell schluckt und damit die Gesundung schnell einleitet." Allerdings müsse man berücksichtigen, "dass vielleicht der eine oder andere Patient zurzeit gar nicht in der Lage ist zu schlucken, das heißt, diese Abschreibungen zu verdauen, ohne die eigene Kapitalbasis ernsthaft zu gefährden". Die drei größten US-Banken Citigroup, Bank of America und JPMorgan hatten sich Mitte Oktober grundsätzlich auf die Bildung eines neuen Fonds geeinigt, der die Lage am festgefahrenen Commercial-Paper-Markt entspannen soll. Laut Presseberichten soll der Umfang bei 75 bis 100 Milliarden Dollar liegen. (dpa)

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