Investoren wollen Konzern zerschlagen: Tui-Chef unter Druck

- Hamburg - Unzufriedene Großinvestoren machen offenbar Front gegen Tui-Vorstandschef Michael Frenzel. Laut Medienberichten fordern sie eine Aufspaltung des Konzerns. Frenzel wolle seinerseits den Hamburger Senat zu einem Einstieg bei Europas größtem Touristikkonzern bewegen. Der niedrige Aktienkurs könnte das Unternehmen zum Ziel einer feindlichen Übernahme machen.

Die Tui mit den beiden Säulen Touristik und Schifffahrt könnte nach Ansicht von Branchenkennern zudem leicht zerschlagen werden. Im ersten Halbjahr 2006 war die Logistiksparte Hapag-Lloyd mit Kreuzfahrt- und Containerschiffen in die roten Zahlen gerutscht, die Touristiksparte -die einen Löwenanteil am Umsatz verbucht -verbesserte hingegen ihr Ergebnis. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" fordern die Investoren, das Management müsse einen Zeitplan für die Aufspaltung in Tourismus und Schifffahrt in 6 bis 18 Monaten bekannt geben. Die Forderungen seien in einem Thesenpapier zusammengefasst, das an Aufsichtsrats- und Vorstandsmitglieder verschickt worden sei. Mit Aufsichtsratschef Jürgen Krumnow hätten die Investoren ihren Strategievorschlag bereits diskutiert.

Die Initiatoren kritisierten demnach vor allem die schwache Aktienkursentwicklung. Autor des kritischen Tui- Thesenpapiers ist laut "FTD" der britische Vermögensverwalter Hermes. Er halte unter fünf Prozent der Aktien der Tui. Die Briten hätten sich bei ihrem Vorstoß unter anderem die Unterstützung der Deutsche- Bank-Tochter DWS gesichert, des führenden Anbieters von Aktienfonds in Deutschland. "Wir haben zu Tui schon lange eine entsprechende Haltung", sagte ein DWS-Sprecher. Zu einer angeblichen Zusammenarbeit mit Hermes wollte der Sprecher keine Angaben machen.

Die Aktien der Tuibefinden sich überwiegend im Streubesitz. Nach einem Bericht des "Hamburger Abendblatts" soll Tui-Chef Frenzel gegenüber Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) argumentiert haben, dass nach einer feindlichen Übernahme die Abspaltung und der Verkauf der Hamburger Logistiksparte Hapag-Lloyd drohen. Hamburg sehe jedoch keine Möglichkeit, sich bei Tui zu engagieren. Der Senat soll nach Frenzels Vorstellung fünf bis zehn Prozent der Tui-Aktien erwerben, um eine feindliche Übernahme abzuwehren, schreibt der "Focus". Nach Informationen der "Welt" favorisiert der Hamburger Senat eine andere Lösung. Der Senat versuche, eine Fusion von Hapag- Lloyd mit der Reederei Hamburg Süd zu organisieren.

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