Investorenjagd: "Russisches Monaco" soll mit deutschem Geld entstehen

- Sotschi - Gouverneur Alexander Tkatschew und seine Regierung haben ehrgeizige Ziele. Sie wollen aus Krasnodar ein "russisches Monaco" machen. Die Region an der Küste des Schwarzen und des Asowschen Meeres ist eine der schönsten Russlands. Kilometerweite, unberührte Strände. Wer in den kaukasischen Bergen skifahren will, muss nicht lange im Auto sitzen. Nur einen Katzensprung entfernt liegt im Westen die Krim, im Südosten schließt sich Georgien an. Nördlich der Stadt Krasnodar beginnt eine der fruchtbarsten Ebenen Russlands.

Aus der unberührten Natur wollen die Russen nun Kapital schlagen. Die Anschub-Finanzierung sollen ausländische Investoren bringen. Bereits heute wachsen graue Betonriesen, die später Touristen beherbergen sollen. Noch müssen Reisende am Flughafen Sotschi-Adler in einem Empfangsgebäude einchecken, das an Sowjet-Zeiten erinnert. Ein neues Terminal ist im Bau.

Um den Investoren die Region schmackhaft zu machen, wird seit 2002 jedes Jahr in der Küstenstadt Sotschi am Schwarzen Meer ein internationales Wirtschaftsforum abgehalten. "Ausländisches Geld ist gut für russische Wirtschaft" prangt in deutscher Sprache auf einem Banner am Eingang zum IV. Internationalen Wirtschaftsforum "Kuban 2005". Schon heute zeigt sich Sotschi als schmucke Stadt, die Touristen lockt - bisher allerdings nur russische. An der Strandpromenade reiht sich ein Liegestuhlverleih an den nächsten, dazu kommen Strandcafé´s und ein Schwimmbad. Im gepflegten Park wachsen Palmen. Noch Anfang Oktober ist es so warm, dass ein Bad im Schwarzen Meer ein Vergnügen ist.

Doch die Regionalregierung will mehr. "Krasnodar hat großes Potenzial. 80 Prozent der Meeresküste und ein Großteil des Hinterlandes sind noch nicht erschlossen, die Infrastruktur befindet sich noch im Aufbau", berichtet Artur Merk, Deutschland-Manager von "Kuban-Airlines", die als einzige Fluglinie Direktflüge von Frankfurt nach Krasnodar anbietet.

125 Millionen Euro Investitionen an einem Tag

Die langen, kaum besiedelten Küstenabschnitte bieten Platz für viele Freizeit-Träume. Im Bezirk Tuapse soll etwa ein Sportzentrum entstehen, mit einem Eisstadion für 4800 Besucher und zwei Fußballfeldern. Wie die Besucher zum Sportzentrum kommen sollen, lassen die Planer offen. Der nächste Bahnhof, Tuapse, ist 25 Kilometer entfernt.

Dennoch stößt die Gegend am Schwarzen Meer in Deutschland auf Interesse. Rund 60 deutsche Geschäftsleute reisen als gemeinsame Delegation zum Wirtschaftsforum nach Sotschi. "Der Markt in Deutschland springt nicht an, also gehen wir zu anderen Märkten", sagen Andreas Mack und Peter Elissen. Die beiden Handelsvertreter erhoffen sich, in Sotschi Partner zu finden, die ihre Waren in Russland vertreiben. Dabei haben sie ein buntes Sortiment: Toaster, einen Kamin mit flackerndem Elektro-Feuer, Heizdecken. Dass ihre Produkte ankommen, zeigt das Gedränge vor ihrem Stand. Doch nur ein einziger vielversprechender Kontakt zu einem russischen Geschäftsmann hat sich ergeben. "Wir versuchen, einen Vertrieb aufzubauen, die größte Schwierigkeit ist dabei die russische Bürokratie", sagt Mack. "Grundsätzlich sind die Russen aufgeschlossen, doch es fehlt noch an Weitsicht, die Bürokratie zu vereinfachen."

Das Aushängeschild der Firma Eschenbach Zeltbau GmbH aus dem fränkischen Bad Königshofen ist der Firmen-Vertreterin Ines Tuch bereits vorausgereist. Die Messegesellschaft Krasnodar hat ein großes Messezelt von den Franken gekauft, das nun die Aussteller in Sotschi beherbergt. Ines Tuch will sich an Ort und Stelle umschauen, ob der russische Markt interessant für ihre Firma ist. Sie vermutet dort Potenzial. "Die Messe-Veranstalter in Russland können noch nicht so viel überdachte Fläche anbieten wie in Westeuropa", sagt Tuch. Deshalb hofft sie, auch in der GUS Eschenbach-Zelte zu verkaufen.

Dirk Hunger, Vize-Präsident der Abteilung Nordost-Europa der Norddeutschen Landesbank, schaut sich in Sotschi die wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten vor Ort an. Sein Eindruck ist mit entscheidend dafür, ob die Norddeutsche Landesbank Investitionen in Krasnodar unterstützen wird. Hunger ist sehr positiv gestimmt. "Ich bin überrascht von der wirtschaftlichen Dynamik dort", sagt er.

Gut gelaunt ist auch Gouverneur Alexander Tkatschew, als er beim Gala-Diner vor die Gäste des Internationalen Wirtschaftsforums tritt. Für 125 Millionen Euro wurden am ersten Tag des Forums Investitionsverträge unterschrieben, gibt er bekannt. "Das unterstützt unser Bemühen um eine bessere Zukunft für Krasnodar."

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