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iPhone: „Macht so süchtig wie Zigaretten“ - Psychologen warnen vor Folgen übermäßigen Handykonsums

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Von: Markus Hofstetter

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Apple-Chef Steve Jobs stellt am 9. Januar 2007 das iPhone vor
Steve Jobs stellte im Januar 2007 das erste iPhone vor © Krista Kennell/imago

Als Steve Jobs vor 15 Jahren das iPhone vorstellte, ahnte niemand, was er damit ausgelösen würde. Das iPhone veränderte nicht nur ganze Branchen, sondern auch ihre Besitzer.

München - Anfang 2007 stellte Steve Jobs* das iPhone vor. Es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte sondergleichen. Laut einer Analyse des Markforschers Neil Cybart von Above Avalon wurden 2020 weltweit über eine Milliarde der Apple-Geräte aktiv genutzt. Das iPhone hat auch einen großen Anteil daran, dass Apple zum wertvollsten Unternehmen der Welt aufstieg, Anfang 2022 belief sich der Börsenwert auf drei Billionen Dollar*.

Mit dem iPhone begann auch der Siegeszug der Smartphones. Beide vereinigen eine Vielzahl von Funktionen in sich, so dass GPS-, MP3- oder Kamerahersteller schwer zu kämpfen haben oder sogar ganz verschwunden sind.

Apple iPhone: „Angezogen wie Bienen vom Honig“

Das iPhone* veränderte aber nicht nur ganze Branchen, sondern auch ihre Besitzer. „Wir werden [vom iPhone] angezogen wie Bienen vom Honig, so schlimm ist es“, sagt der Psychologe Larry Rosen dem The Telegraph. Man könne nichts dagegen machen, da sie sprichwörtlich unsere Gehirne gekapert hätten. Man wäre einfach gezwungen, diese zu nutzen.

Rosen glaubt sogar, dass Smartphones bei vielen Menschen Symptome wie bei psychischen Störungen hervorrufen oder verstärken können. Dazu zählt er Zwangsneurosen oder Aufmerksamkeitsdefizitstörungen. Er hat mit „Nomophobia“ sogar einen neuen Begriff dafür erfunden. Das ist ein Kunstwort aus „no more phone phobia“, also die Angst davor, kein Smartphone mehr zu haben. Es soll das Unwohlsein beschreiben, das einen überfällt, wenn das Gerät nicht in Griffnähe ist.

Apple iPhone: Besitzer reagieren wie Pawlowsche Hunde

Der Psychologe vermutet, dass uns die Smartphones* darauf hintrainiert haben, einfach und schnell Zugang zu Stimulationen und Unterhaltung zu haben. Dadurch könne man schlechter mit Langeweile umgehen, was wiederum das Bedürfnis stärke, das Gerät zu nutzen.

Auch die Psychologin Gloria Mark erkennt Folgen der Smartphone-Nutzung. Zwischen 2013 und 2015 fiel ihr auf, dass es kein Geplauder mehr gab, zum Beispiel an Bushaltestellen. „Jeder schaut auf sein Smartphone, wirklich jeder“, erzählt sie dem The Telegraph. Mit der Zeit konditioniere uns die Tatsache, dass wir schnell Ergebnisse erhalten, dies immer wieder zu erwarten. Sie höre immer wieder von Leuten: „Wenn ich den Ton des Smartphones höre, reagiere ich wie ein Pawlowscher Hund. Ich greife sofort danach.“

15 Jahre iPhone: Apple wird die Macht der iPhones über ihre Besitzer unheimlich

Apple* scheint sich mit der Zeit etwas unbehaglich darüber gefühlt zu haben, wie viel Macht das iPhone inzwischen über ihre Besitzer hat. 2018 führte der IT-Konzern die Funktion Bildschirmzeit ein. Damit kann der User feststellen, wie lange er unterschiedliche Apps benutzt. Er kann sich auch Zeitlimits für Apps setzen oder Auszeiten festlegen. Vergangenes Jahr wurde Apple Fokus eingeführt. Die Funktion hilft dabei, Benachrichtigungen und Apps auf Apple-Geräten basierend auf dem Status des Besitzers, zum Beispiel in der Arbeit oder zuhause, automatisch zu filtern

Das scheint aber nicht genug zu sein. Der Philosoph Ian Bogost geht laut The Telegraph sogar soweit, das Smartphone als „die Zigarette dieses Jahrhunderts“ zu bezeichnen. Auch Rosen sieht eine große Gefahr: „Wir sind an einem Punkt eines Paradigmenwechsels angelangt, der ein Eingreifen von oben verlangt.“ Er wolle eine massive, öffentliche Informationskampagne, ähnlich wie bei Zigaretten. Er ist aber nicht sehr optimistisch, dass so etwas passieren wird. *Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA

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