Bei der Gepäckkontrolle am Flughafen wird so manches in den USA gekaufte Technik-Schnäppchen teuer. foto: oliver Bodmer

iPhones, Tablets, Digicams

Schnäppchen-Einfuhr mit Köpfchen

München - Das iPhone aus den USA, das Tablet aus China und die Digitalkamera aus Spanien. Oft sind technische Gerätschaften im Ausland um einiges billiger als bei uns. Vorsicht: So ein Schnäppchen kann unter Umständen teuer werden.

Wer hat nicht schon einmal darüber nachgedacht, sich ein Elektrogerät von einem ausländischen Hersteller im Internet zu bestellen oder sich eines aus dem USA-Urlaub mitzubringen? Doch lohnt sich der Import? Was tun, wenn das Gerät defekt ist, die Garantie nicht greift oder das preiswerte Angebot ein Plagiat ist? Günstige Ware aus dem Ausland ist nicht immer das beste Angebot.

Sparpotenzial

Ob vorübergehendes Sparangebot im Urlaubsland oder niedrigere Preise im Herstellerland. Es gibt viele Möglichkeiten zu sparen. Ein neues iPhone aus den USA ist beispielsweise beim direkten Onlinevergleich der Apple Stores in den USA und Deutschland im Schnitt um 200 Euro günstiger als auf dem deutschen Markt. Ein Mac Book Pro in der teuersten Version kostet in den USA 1699 US-Dollar. Das sind umgerechnet rund 1250 Euro. Auf den ersten Blick winkt eine Preisersparnis von rund 550 Euro. Denn in Deutschland kostet das Gerät 1799 Euro.

Bei Geräten anderer Herstellen ist der mögliche Preisvorteil geringer. Für sie werben Händler auch im Inland öfter mit Sonderangeboten, die es bei Apple nicht gibt.

Gerade der direkte Vergleich im Internet lässt Schnäppchenjäger-Herzen oft höherschlagen. In dieser Rechnung sind aber Zoll und die oft hohen Versandkosten nicht berücksichtigt. Nach Aufschlag von Zollgebühren kann, wer ein Apple-Gerät im Ausland kauft, aber immer noch zwischen 100 Euro und 300 Euro sparen.

Der Händler

Ob direkt im Geschäft oder beim Kauf im Internet, der Käufer sollte immer auf die Seriosität des Händlers achten. Wer seine Ware im Kaufhaus erwirbt, fährt sicherer als beim Kauf eines Schnäppchens auf dem Bazar. Beim Kauf übers Internet lohnt sich ein prüfender Blick aufs Impressum und die Homepage: Sämtliche Informationen zum Händler, zur Postadresse des Geschäfts, zu Versandkosten, Produkt, Widerrufsrecht und anderen Gewährleistungen sollten dort ausgewiesen sein. „Im Impressum steht, wer für den Shop verantwortlich ist und wer ihn betreibt. Es gibt häufig schwarze Schafe, die zwar Geld kassieren, aber nie liefern“, sagt André Schulze-Wethmar vom Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz. Ein Händler nach den oben genannten Kriterien ist ein guter Hinweis für eine sichere Kaufabwicklung und oft ein Garant dafür, dass man am Ende kein Plagiat in den Händen hält.

Bei der Bezahlung sollte der Käufer immer eine Rechnung einfordern – auch beim Online-Kauf. Die Rechnung dient zur Überprüfung des Betrages und als Beweis für die Kaufabwicklung – auch später beim Zoll. Bei Online-Käufen innerhalb der EU gewährt sie auch Sicherheit zur Einhaltung des Widerrufsrechts. Innerhalb von sieben Werktagen kann der Kunde die Ware ohne Nennung von Gründen zurücksenden und sein Geld einfordern. Bei Käufen in normalen Geschäften ist dies Kulanzsache.

Die Technik

Sowohl beim Kauf im Geschäft als auch im Internet sollte der Käufer darauf achten, dass das Produkt den länderspezifischen Anforderungen entspricht. So sollte der PC mit einer deutschen Tastatur ausgestattet sein. Bei elektronischen Geräten sollte man sich außerdem informieren, ob sie sich für die deutsche Netzspannung von 230 Volt eignen. Falls nicht, kann schon ein günstiger Adapterstecker das Problem beheben.

Gewährleistung

Generell gilt EU-weit: „Bei defekter Ware kann der Käufer seine Gewährleistungsrechte einfordern und zwei Jahre lang sein Recht auf kostenlose Reparatur bzw. Austausch in Anspruch nehmen“, sagt Schulze-Wethmar. Allerdings: Nur bis zu sechs Monate nach dem Kauf geht das Gesetz davon aus, dass die Ware defekt angeliefert wurde. Danach dreht sich die Beweislast und der Käufer muss beweisen, dass er die Ware nicht beschädigt hat. Beim Kauf von Ware aus einem Drittland wird es schwieriger.In der Regel gilt das Recht des Landes, in dem der Händler seinen Sitz hat. Bei außereuropäischen Online-Shops greifen die Mindeststandards zum Verbraucherschutz nicht. Wenn ein in den USA gekauftes Apple-Gerät kaputtgeht, hilft trotzdem der Gang zum deutschen Apple Store: Das Unternehmen gewährt weltweit Garantie. Allerdings gibt es kein deutsches Austauschgerät, sondern wieder das Modell aus den USA.

Zoll und Versand

Häufig ist Käufern ausländischer Ware nicht klar, was auf der Verpackung steht, oder was wirklich drin ist. „Deshalb sollte man keine Verträge abschließen, die man nicht versteht“, rät Schulze-Wethmar. Es empfiehlt sich, immer jemanden mitzunehmen, der die Sprache beherrscht. Dies schützt auch vor Erklärungsnot später beim Zoll.

Oft machen hohe Versandkosten oder Zollgebühren Sparpreis-Jägern einen Strich durch die Rechnung. Die Höhe der Versandgebühren steht in der Regel auf der Homepage des Internetshops.

Beim Zoll gilt für Waren aus Drittländern wie den USA oder China eine Freigrenze bis zu einem Warenwert von 430 Euro. Liegt der Einkauf darüber zahlt man bis zu einem Wert von 700 Euro einen Pauschalbetrag von 17,5 Prozent. Über 700 Euro fallen abzüglich der Freigrenze 19 Prozent Einfuhrumsatzsteuer und ein individueller Zollsatz bis zu 14 Prozent an.

Für Schnäppchen aus EU-Ländern – und nicht nur für Elektronikartikel – gilt: Jeder darf Waren zum Eigengebrauch einführen. „Innerhalb der EU fallen keine zusätzlichen Zollgebühren an“, sagt Thomas Meister, Pressesprecher des Hauptzollamts München. Einzige Ausnahme seien Waren von den Kanarischen Inseln.“ Hier sollte man sich vorher über Zollgebühren und andere Bestimmungen informieren. Weitere Informationen zu den Kosten bei einer Einfuhr und den zulässigen Mengen zum Eigenbedarf gibt es auf der Homepage des Hauptzollamtes München. Dort gibt es auch eine Zoll-App für Reisende.

Strafen

Immer wieder versuchen Urlauber, ihre neuen Technik-Schnäppchen am Zoll vorbeizuschmuggeln. „Dies passiert vor allem bei Waren aus den USA oder China“, sagt Thomas Meister. Wer versucht, sich am Zoll vorbeizuschleichen und erwischt wird, muss nicht nur tief in die Tasche greifen. „Ab einem Preis von 700 Euro droht ein Strafverfahren. Das Strafmaß richtet sich nach dem Verdienst des Zoll-Verweigerers „und schmerzt sicher mehr als die 17,5 Prozent Zollgebühren“, sagt Thomas Meister.

Der bekannteste Fall stammt aus dem letzten Jahr. Im September 2013 wurde der frühere Nationalfußballer Karl-Heinz Rummenigge zu 250 000 Euro Strafe verurteilt, weil er mit zwei Luxusuhren im Gepäck den Ausgang mit der Beschilderung „Nichts zu verzollen“ gewählt hatte. Fazit: Der Import von Technikschnäppchen lohnt sich oft – gerade beim Kauf von Luxusgütern. Wer sich nicht informiert oder den Zoll umgeht, zahlt am Ende oft drauf.

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