Was das iPhone wirklich kann

München - Offenbar lässt das iPhone nur die Wahl zwischen zwei Extremen: Entweder man schwärmt davon - oder man empört sich darüber, dass alle Welt davon schwärmt. In Deutschland kommt das angeblich revolutionäre Alleskönner-Handy von Apple morgen auf den Markt.

Wie das Urteil der Verbraucher wohl ausfallen wird, darüber mag Apple Deutschland nichts sagen. Beim Apple-Partner T-Mobile blickt man dem Start jedenfalls optimistisch entgegen, ohne sich aber mit dem Verkaufserfolg in den USA vergleichen zu wollen. Dort wurde das iPhone seit dem 29. Juni mehr als 1,4 Millionen Mal verkauft. "Wir gehen davon aus, dass das Gerät eine sehr gute Aufnahme am Markt finden wird", sagt T-Mobile-Sprecher René Bresgen. Zur Kritik an den bei 49 Euro im Monat beginnenden Tarifen (siehe Kasten) erklärt er, dies bewege sich auf dem marktüblichen Niveau für Telefon- und Datendienste. Überlegungen zu einer späteren Senkung der Nutzungsgebühren seien bislang spekulativ.

Das erste Handy von Apple kostet 399 Euro und ist zwar innovativ, technisch aber gerade mal so auf der Höhe der Zeit. Das iPhone kann sich nicht ins UMTS-Netz einklinken, sondern nutzt mit der EDGE-Technik lediglich ein aufgemotztes GSM-Mobilfunknetz: Statt der mit UMTS beim Datenempfang möglichen Geschwindigkeit bis 384 Kilobit pro Sekunde stehen maximal 220 Kilobit zur Verfügung.

In den USA wird geklagt, dass die EDGE-Verbindung im Netz des dortigen Anbieters AT&T ziemlich langsam ist - bis eine Internetseite oder eine E-Mail auf dem Bildschirm ist, dauert es manchmal mehrere Minuten. Der Apple-Slogan vom "Internet in der Tasche" wird also erst bei einem WLAN-Anschluss daheim oder im Café Wirklichkeit. Auch andere technische Ausstattungen sind eher in der Mitte als am oberen Ende der gegenwärtig verfügbaren Hightech-Ausstattung angesiedelt, etwa die Kamera mit einer Auflösung von zwei Megapixel.

Es gibt auch von Nokia, Sony-Ericsson, Samsung, Motorola oder Sharp nett aussehende Geräte, die Telefon, Musik, Video und Internet verbinden. Warum schlägt nur das iPhone so hohe Wellen? Die Antwort lautet Design. Und da macht neben der Form vor allem das Design der Benutzerführung den Unterschied aus. Das iPhone hat auf seiner Vorderseite einen einzigen Knopf. Dieser bringt immer das Startmenü zum Vorschein, das die Funktionen der 17 bei Auslieferung integrierten Programme bereithält, darunter in der untersten Zeile die Hauptfunktionen Telefon, Mail, Browser und iPod.

Ansonsten findet die Bedienung nur auf dem berührungsempfindlichen Display statt, abgesehen von dem seitlichen Schalter für die Lautstärke und der darüber liegenden Stummschalttaste sowie einer Standby-Taste am oberen Rand. Informationen und Anwendungen sind auch während eines Telefongesprächs zugänglich. Die Symbole für die Schaltflächen auf dem Display befreien den Handy-Nutzer von den komplizierten Menüs der klassischen Handy-Navigation.

So ist zwar das vom Hersteller als "Multimedia-Computer" bezeichnete Nokia N95 in mancher Hinsicht leistungsfähiger als das iPhone - zu seinem Preis von rund 700 Euro ohne Vertrag. Aber auf der Vorderseite gibt es 13 Tasten. Davon bringen gleich zwei Tasten den Nutzer ins Hauptmenü. Das N95 ist wie ein Schweizer Taschenmesser: Um die Tastatur zum Vorschein zu bringen, wird das Display nach oben geschoben. Schiebt man es nach unten, werden die Kontrolltasten für das Abspielen von Musik und Filmen sichtbar.

Das Team um Apple-Chefdesigner Jonathan Ive folgte hingegen der Linie, die Anzahl an unterschiedlichen Bedienungsmöglichkeiten so klein wie möglich zu halten. Außerdem wird eine möglichst visuelle und intuitive Bedienung angestrebt. Dazu passt das flotte Navigieren mit dem Finger in Adresslisten und Musikverzeichnissen ebenso wie der Bewegungssensor, der das iPhone von der senkrechten Display-Stellung in eine waagrechte Position bringt.

Gesamtkosten von mindestens 1600 Euro

Anders als bei allen anderen Handymodellen gibt es das iPhone nur bei T-Mobile und nur bei Abschluss eines 24-Monatsvertrages, der je nach gewähltem Tarif zwischen 49 und 89 Euro monatlich kostet. "Gesamtkosten von mindestens 1600 Euro addiert über die Mindestvertragslaufzeit sind kein Pappenstiel", erläutert Bettina Seute vom Internetportal teltarif.de. Für viele Kunden böten sich preislich günstigere Alternativen an.

Dies könnten etwa das Nokia N95, der HTC Touch oder das in Kürze verfügbare Sony Ericsson W960i sein. Fällt die Entscheidung zugunsten eines dieser Geräte, hat der Kunde die freie Tarifauswahl und kann so insgesamt deutlich günstiger telefonieren oder Internet surfen. So bezahlt der Verbraucher beispielsweise für das N95 inklusive E-Plus Zehnsation Classic Web mit 24 Monaten Laufzeit insgesamt 844,95 Euro. 

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