Iran-Krise: Wirtschaftsexperte warnt vor Ölknappheit

- Hamburg - Eine weitere Eskalation der Iran-Krise wäre nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten für die globale Rohölversorgung ein ernstes Problem. "Iran ist der viertgrößte Rohöl-Exporteur der Welt und damit ein sehr wichtiges Land", sagte HWWA-Rohstoffexperte Klaus Matthies. Auf Dauer geringere Ölausfuhren des Landes könnten zu Versorgungsengpässen führen.

"Die Drohung ist sehr ernst zu nehmen", sagte Matthies. Die Führung in Teheran hatte am Sonntag indirekt mit einer Erhöhung der Ölpreise gedroht. Sanktionen gegen sein Land könnten zu einer Ölkrise führen, sagte Finanzminister Dawud Danesch-Dschafari. Zuvor hatte sich bereits Parlamentspräsident Gholam Ali Hadad-Adel angesichts westlicher Ankündigungen, den Weltsicherheitsrat einzuschalten, unnachgiebig gezeigt.

Deutschland könnte zwar nach Einschätzung von Matthies bei einer weiteren Eskalation kurzfristig auf die Notreserve zurückgreifen, durch die der Ölbedarf für rund 90 Tage gedeckt ist. Doch auf den Preis hätte ein Abdrehen des Ölhahns "eine explosive Wirkung".

"Bei konkreten Maßnahmen zum Stopp der Ölausfuhren wird der Ölpreisrekord vom September 2005 rasch übertroffen", sagte Matthies. Erstmals seit 1973 würde damit ein Land Öl wieder als Waffe einsetzen.

Im Spätsommer hatten die Wirbelstürme in den USA den Brent-Ölpreis in der Spitze auf knapp 69 Dollar getrieben. Matthies rechnet innerhalb der OPEC aber nicht mit einer breiten Solidarität: "Iran steht in dieser Sache allein". Die OPEC insgesamt betrachte Öl inzwischen als normale Ware und nicht mehr als Waffe. Bereits in den vergangenen Wochen hatte die Zuspitzung der Iran-Krise den Ölpreis in die Höhe getrieben. Der Atomstreit sollte am Montag auch Thema eines Diplomatentreffens in London sein.

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