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Ein beschädigter Eurofighter macht auf der Straße seinen Weg. Noch ist Bayern das deutsche Zentrum der militärischen Luftfahrt. Doch dieser Bereich schrumpft, während andere wachsen. Gute Aussichten bietet das Feld der Raumfahrtanwendungen. 

Luft- und Raumfahrtindustrie

Der irdische Nutzen vieler Höhenflüge

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München – Oberbayern ist eine der wichtigsten deutschen Regionen der Luft- und Raumfahrtbranche. Die größten Wachstumsaussichten bietet in dieser Industrie ein Sektor, der sich auch für Menschen mit Flugangst gut eignet.

Wenn ein gigantischer Airbus vom Typ A380 abhebt, ist das immer noch ein spektakuläres Ereignis. Ebenso ein Eurofighter, der kurz nach dem Start scheinbar senkrecht in den Himmel aufsteigt. Raketenstarts werden heute nur noch dann öffentlich wahrgenommen, wenn etwas schiefgeht. So hat kaum einer bemerkt, dass Ende vergangener Woche die europäische Trägerrakete Ariane 5 ihre 70. erfolgreiche Mission in Folge absolviert hat – eine in der Geschichte der Raumfahrt wohl einmalige Serie. All diese Projekte wären ohne Spitzentechnologie aus Oberbayern nicht denkbar. München, Manching, Ottobrunn/Taufkirchen und Oberpfaffenhofen steuern zu all diesen Systemen wichtige Komponenten bei.

Doch die Erfolgsgeschichte hat eine Schattenseite: Traditionell ist die militärische Luftfahrt der wichtigste Schwerpunkt in Oberbayern. Über 50 Prozent des Umsatzes machen die 8900 Beschäftigten in insgesamt 82 Unternehmen, die der militärischen Luftfahrtindustrie zugeordnet sind (zivile Luftfahrt: 8000 Arbeitsplätze in 190 Unternehmen). Tendenz allerdings fallend: „Durch fehlende Entwicklungprogramme ist die Aufrechterhaltung der spezifisch militärischen Entwicklungsfähigkeiten mittelfristig absehbar massiv bedroht“, beschreibt die Studie „Luft- und Raumfahrt in Oberbayern“, die schleichende Auszehrung dieser Teilbranche, die bereits begonnen hat. Da haben ausbleibende Rüstungsaufträge bereits spürbare Folgen. Die Studie wurde gemeinsam von der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern und Bavairia erstellt, dem Verein, der den Cluster Aerospace in Bayern organisiert.

Die Entwicklung einer Euro-Drohne oder eines künftigen, möglicherweise auch unbemannten, Kampfflugzeugs könnte den drohenden Kompetenzverlust für Oberbayern aufhalten. Immerhin gibt es inzwischen vorsichtige politische Signale in diese Richtung.

Unabhängig davon entwickelt sich heute ein Zweig der Branche, der noch klein ist, aber wohl die größte Wachstumsdynamik entwickeln kann: Im Bereich der Raumfahrtanwendungen werden erst 700 Beschäftigte in 45 Unternehmen gezählt. Rechnet man den Branchenriesen Airbus nicht mit ein, hat jedes in diesem Bereich tätige Unternehmen durchschnittlich neun Mitarbeiter. Dabei soll es aber nicht bleiben.

Bei den Raumfahrtanwendungen geht es um den irdischen Nutzen der Raumfahrt. Wer abends den Fernseher einschaltet und ein Satellitenprogramm empfängt, nutzt Weltraumtechnologie. Die meisten Telefongespräche über größere Entfernung werten heute via Satellit abgewickelt. Und auch jeder Wetterbericht gehört zu den Raumfahrtanwendungen, weil er ohne Daten aus dem Orbit gar nicht mehr denkbar wäre.

Satellitennavigation ist ein Bereich, mit dem sich viele junge Unternehmen auseinandersetzen. Über GPS – und künftig auch Galileo – navigieren nicht nur Flugzeuge, Autos und Schiffe. Führerlos ziehen vollautomatische Pflüge die Furchen über riesige Ackerflächen. Satellitentechnik kann Landwirten auch helfen, den optimalen Zeitpunkt für Aussaat und Ernte zu finden.

Nicht nur die Landwirtschaft gehört zu den in Zukunft wichtigsten Nutzern von Raumfahrttechnik. Auch bei der Ortung von Rohstoffen werden künftig die Daten aus dem Weltall gebraucht. Denn die Sensorik moderner Satelliten forscht nicht nur die Oberfläche der Erde aus, sie durchdringt sie und hilft bei der Suche nach Erzen und anderen Mineralien. Und im Katastrophenschutz helfen Daten aus dem All beispielsweise die Ausbreitung von Tsunamis oder mögliche Erdbeben weit besser als bisher vorherzusagen.

Immer wichtiger werden aber auch Verknüpfungen von Daten aus dem Weltraum mit solchen von der Erde. Immer genauere elektronische Kartendienste ermöglichen eine Ortsbestimmung auch unabhängig von Satelliten. Verknüpft man beide Datengrundlagen, wird die Ortung genauer.

Oder man verknüpft Ort-ungsdaten beispielsweise mit Impulsen aus den Regensensoren von Fahrzeugen – die ja eigentlich nur den Scheibenwischer in Gang setzen sollen. So kann man Wetterphänomene mit einer nahezu unbegrenzten Anzahl von Messstellen viel genauer erfassen als bisher.

Die meisten künftigen Raumfahrtanwendungen, die derzeit nur als Ideen der Entwickler existieren, bleiben vorerst auch Geheimnis der Unternehmen, die daran arbeiten. Denn mit vielen möglichen Innovationen trauen sich Firmen erst an die Öffentlichkeit, wenn es dafür einen wirksamen Patentschutz gibt.

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