Aus für irreführende Lockangebote

Straßburg - Fluggäste in der Europäischen Union können bald die Preise für Flugtickets besser vergleichen. Das Europaparlament stimmte am Mittwoch in Straßburg für ein Verbot irreführender Lockangebote. Das Gesetz, das in den nächsten Monaten in Kraft tritt, verlangt korrekte Preisangaben.

Passagiere müssen bereits bei der Buchung, auch per Internet, über die tatsächlichen Preise und anfallenden Kosten wie Steuern, Flughafen- oder Buchungsgebühren informiert werden. Betroffen sind vor allem Billigflieger mit sehr günstigen Werbe-Angeboten, die sich bei der Buchung als sehr viel teurer herausstellen.

"Mit dem heutigen Beschluss haben wir endgültig Klarheit und ein hohes Maß an Verbraucherschutz geschaffen. Damit ist dieser Sommerurlaub der letzte, in dem man bei Ticketpreisen lieber zweimal hinschauen sollte", erklärte der SPD-Verkehrsexperte Ulrich Stockmann.

Das Verbot gilt für alle Anbieter in der Europäischen Union. Es darf außerdem keine "Paket-Angebote" mehr im Internet geben, in denen beispielsweise Versicherungen mit inbegriffen sind. Die Verbraucher sollen die Möglichkeit haben, Zusatzleistungen per Mausklick dem Ticket hinzuzufügen. Für die Mitnahme zusätzlicher Gepäckstücke können die Fluggesellschaften allerdings einen Aufpreis verlangen.

"Die Trickserei mit Lockangeboten muss ein Ende haben", sagte die CDU-Europaabgeordnete Elisabeth Jeggle. "Die Preisgestaltung muss klar und transparent sein." Sie empfiehlt trotzdem eine vorsichtige Prüfung der Angebote. Gesellschaften aus Drittstaaten ohne Sitz in der EU können im Internet weiterhin mit irreführenden Angeboten werben.

Zwar hat sich nach Angaben der EU-Kommission bereits eine Reihe von Anbietern im Internet an die neuen Vorgaben angepasst, doch wird immer noch jeder dritte Verbraucher, der online ein Flugticket buchen will, über den wahren Preis von Flugtickets falsch informiert. Die EU-Kommission will ihre Untersuchung der Internet-Angebote bis Mai 2009 abschließen. Sollte es dann immer noch Probleme geben, will die Kommission eingreifen.

 Die Kostenfallen beim Fliegen

Viele Fluglinien verstecken nach der Erfahrung von Verbraucherschützern die wahren Kosten. "Der Flug wird für einen Euro angeboten und am Ende kostet er 120 Euro", berichtet Petra von Rhein, Expertin der Verbraucherzentrale Bayern.

Gepäck

Mehrere Billigflieger verlangen inzwischen Gepäckgebühren, für die teilweise auch noch Mehrwertsteuer fällig wird, wie die Stiftung Warentest in ihrer jüngsten Untersuchung schreibt. Unter Umständen könnten die Gepäckkosten inzwischen höher sein als der eigentliche Ticketpreis.

Versicherungen

"Manchmal zahlt man auch eine Versicherung mit, die man eigentlich gar nicht haben wollte", berichtet Falk Murko, Experte der Stiftung. Daher sollten Kunden im Internet darauf achten, dass keine Kästchen schon automatisch angekreuzt sind.

Kerosinzuschläge

Ein weiterer Kostenpunkt sind die Kerosinzuschläge. Die Lufthansa erhöhte diese Mitte Juni für Flüge in Europa um 3 Euro auf 24 Euro pro Strecke, für Langstreckenflüge um 10 Euro auf 92 Euro.

Sitzplätze

Als weitere Einnahmequelle haben Fluglinien der Stiftung Warentest zufolge die Sitze entdeckt. Beispielsweise dürfe, wer zusätzlich zahle, teilweise vor den anderen Passagieren an Bord. Oft kosten Plätze mit mehr Beinfreiheit an den Notausgängen extra.

Zahlverfahren

Käufer von Flugtickets sollten außerdem prüfen, ob beispielsweise für die Zahlung per Kreditkarte Gebühren zu zahlen sind.

Steuern und Flughafengebühren

Dazu sollte man auch an die Steuern denken, wenn man die Preise vergleicht. Zusammen mit den Flughafengebühren machen sie oft einen Hauptteil des Gesamtpreises aus, wie Verbraucherschützerin von Rhein sagt.

Zusätzliche Fahrtkosten

Die Stiftung rät zudem, bei Billigfliegern zu bedenken, dass diese oft auf abgelegenen Flughäfen landen. Das koste Zeit und Geld.

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