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Nach massiven Preiserhöhungen boykottieren Israelis plötzlich Hüttenkäse.

"Hüttenkäse-Revolte" in Israel

Tel Aviv - “Hüttenkäse-Revolte“ in Israel: Nach massiven Preiserhöhungen boykottieren Israelis plötzlich ihre eigenen Produkte.

Wie in der arabischen Welt sorgen soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter dafür, dass sich die Proteste wie ein Flächenbrand ausbreiten. Für die meisten israelischen Tageszeitungen ist der Käseskandal am Freitag der Aufmacher. Von “Hüttenkäse-Aufstand“, “Käseprotesten“ oder “Sturm im Käsebecher“ ist die Rede.

Hüttenkäse ist in Israel praktisch ein Grundnahrungsmittel. Die lange aufgestaute Wut vieler Israelis explodierte, als der Preis für einen Becher mit 250 Gramm plötzlich die Marke von acht Schekel (1,64 Euro) überschritt. Damit sei der Preis von Januar 2008 bis Juni 2011 um 40 Prozent, der von Milch im gleichen Zeitraum aber nur um 3,9 Prozent gestiegen, rechnet die Tageszeitung “Haaretz“ vor. Und die “Jerusalem Post“ beschwert sich, dass israelische Unternehmen ihren Hüttenkäse für die Hälfte des Preises in der Europäischen Union und den USA verkauften.

Die skurrilsten Gesetze im Ausland

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Von Abzocke und kaltblütiger Ausnutzung eines Marktmonopols durch Molkereien und Hersteller von Milchprodukten ist inzwischen die Rede. Und die Konsumenten wehren sich. Mehr als 50 000 empörte Menschen hätten sich über das soziale Netzwerk Facebook organisiert, berichteten die israelischen Zeitungen. Mehr als 11 000 Anhänger fand allein die Gruppe “Konsumentenboykott für Lebensmittel“. “Die israelische Regierung leidet unter ernsthaftem Autismus und sollte außerdem mal die Stöpsel aus den Ohren nehmen“, lässt Osna K. ihrer Wut freien Lauf.

Das Problem ist spätestens seit Mittwoch auch bei Ministerpräsident Benjamin Netanjahu angekommen. Während einer Debatte im Parlament stellte ihm ein Oppositionspolitiker einen Becher Hüttenkäse vor die Nase.

Holon - Kulturoase mit Skulpturen

Holon - Kulturoase mit Skulpturen 

Im Prinzip wäre eine Lösung sehr einfach. Finanzminister Juval Steinitz spielt mit dem Gedanken, mehr Importe von Milchprodukten zuzulassen, weil die Preise bei einem größeren Angebot fielen.

Allerdings habe der Minister die Rechnung ohne den Wirt gemacht, schreibt die Tageszeitung “Maariv“. Erst vor wenigen Monaten sei ein Gesetz in Kraft getreten, das die Einfuhr von Milchprodukten nach Israel beschränke. Die für Handel- und Landwirtschaft zuständigen Minister müssten Lockerungen zustimmen. Aber genau jene beiden Minister repräsentierten im Parlament die Kibbuzim, in denen die Molkereien arbeiteten.

dpa

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