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Die Beschäftigten im Opel-Werk Rüsselsheim könnten künftig Teil eines europaweiten Produktionsnetzwerks sein, das neben Opel-Modellen auch Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën auf einem Band fertigen könnte.

Ein Blick in die Opel-Zukunft

Ist das die Zukunft der Autoindustrie? Mehrere Autos von einem Band

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Opel hat am Dienstag das erste Auto vorgestellt, das auf einer gemeinsamen Plattform mit seiner künftigen Konzernmutter PSA entwickelt wurde. Das könnte eine Blaupause für die Zukunft sein – mit weitreichenden Auswirkungen auf Standorte und Beschäftigte bei Opel.

Rüsselsheim – Das Auto, das Opel gestern in Rüsselsheim präsentierte, war auch ein Blick in die Zukunft. Denn es ist das lang vereinbarte erste gemeinsame Produkt der Kooperation der bisherigen deutschen Tochter von General Motors mit seiner voraussichtlichen künftigen Konzernmutter PSA (Peugeot, Citroën, DS), die seit 2012 besteht.

Der Opel Crossland, ein Crossover, löst den bisherigen Minivan Meriva ab. Er wird wie der Meriva im spanischen GM-Werk Saragossa gebaut – neben dem künftigen Citroën C3 Picasso, mit dem er sich die technische Plattform teilt. Das könnte eine Blaupause werden, wie künftige Fahrzeuge im neuen Konzernverbund produziert werden: Ähnliche Modelle kommen von einem Band. Das wird auch beim größeren Bruder des Crossland, dem Opel Grandland, so sein, der mit dem Peugeot 3008 im PSA Werk Sochaux vom Band laufen wird.

Der Crossland beschränkt sich auf Motoren von PSA. Auch das könnte ein Hinweis auf die künftige Zusammenarbeit sein. Denn dass PSA als größter Dieselmotorenhersteller der Welt auf Opel-Motoren zurückgreifen wird, ist unwahrscheinlich – vor allem weil PSA langfristig Ersatz für den Dieselmotoren-Großabnehmer Ford finden muss. Das GM Dieselmotoren-Entwicklungszentrum in Turin dürfte schon deshalb zu den gefährdeten Standorten zählen.

Allerdings dauert eine solche Umstellung viele Jahre. So arbeiten sowohl PSA als auch Opel beispielsweise mit Fiat zusammen – in der Nachwirkung längst geschiedener früherer Partnerschaften. So wird Peugeot noch eine ganze Weile an Ford liefern und Opel Autos mit eigenen Motoren bestücken.

Know-how aus Detroit für Europa?

Langfristig wird sich die Technik ohnehin in Richtung Elektromotoren entwickeln. Und da wieder steht Opel besser da. In Rüsselsheim wurde der erste Opel Ampera entwickelt, der in den USA als Chevrolet Volt verkauft wurde. Der zweite Ampera ist zwar in Wahrheit ein Chevrolet Bolt. Doch ist zu erwarten, dass GM einen gehörigen Teil seiner Elektro-Kompetenz über Opel an PSA lizenzieren wird.

Ohnehin ist die Vorstellung eines harten Bruchs zwischen GM und Opel zu kurz gedacht. Auch wenn die GM-Aktie nach den ersten Trennungsnachrichten von Opel Freudensprünge machte, wird man weiter in einem Boot sitzen.

Sicherlich ist es für GM gut, das seit 1999 verlustbringende Europageschäft aus der Bilanz zu bekommen. Doch gleichzeitig sollte man die strategische Dimension nicht aus den Augen verlieren. Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne strebt nach wie vor nach Größe, wenn er auch gerade nicht von Fusionen sprechen will. Doch dass er ein Auge auf PSA geworfen hat, kann er kaum verheimlichen. Käme es zu einem französisch-italienisch-amerikanischen Bündnis, stünde GM mit Opel in Europa ganz allein da – und ziemlich hilflos, weil kein möglicher Partner mehr in Sicht wäre. Und mit gut einer Million Autos als Jahresabsatz ist Opel eigentlich nicht überlebensfähig.

Es könnte auch für GM die bessere Option sein, einen unabhängigen Markenverbund zum Partner zu haben, als eine eigene, aber abhängige Tochter ohne Zukunftsperspektive. Ob PSA mit Opel im Bereich der Elektromobilität seine Startchancen verbessen kann, hängt entscheidend davon ab, ob und unter welchen Bedingungen auch die Franzosen Zugriff auf US-Entwicklungen und Erfindungen haben. Das muss ausgehandelt werden.

Allianz zwischen PSA und Opel könnte Renault überholen

Beim Absatz in Europa läge eine Allianz zwischen PSA und Opel hinter VW auf Platz zwei – deutlich vor Renault. Im britischen Markt würden Vauxhall (unter dieser Marke wird Opel dort verkauft) mit 9,3 Prozent samt PSA mit 6,7 Prozent Ford mit 12,8 Prozent von Platz eins verdrängen.

Manche Experten spekulieren bereits über Arbeitsplatzabbau und Werksschließungen. Doch für solche Überlegungen ist es zu früh. Entscheidend für die Werke dürfte die Auslastung sein. Opel wie auch PSA haben eine Modelloffensive angekündigt, von deren Erfolg hängt die Zukunft der Jobs ab – ob getrennt oder unter einem Dach.

Synergien sind mit Sicherheit bei der Entwicklung zu realisieren. Doch angesichts der notwendigen Investitionen in Elektromobilität und autonomes Fahren dürften zwar zahlreiche Aufgaben – etwa bei der Entwicklung von Verbrennungsmotoren und Getrieben – wegfallen, dafür aber auch neue – etwa für Batterietechnik oder Softwareentwicklung – entstehen. Bisherige deutsch-französische Kooperationen können Anhaltspunkte liefern, wie es bei PSA und Opel laufen könnte.

Sowohl beim Zusammenschluss der deutsch-französischen Luftfahrtindustrie über EADS zu Airbus als auch in Chemiebranche – über Hoechst und Aventis zu Sanofi – hat sich bei vielen Beobachtern der Eindruck festgesetzt, dass Franzosen ihre nationalen Interessen härter und zielstrebiger vertreten und durchsetzen können. Bei der Entwicklung von Standorten und Arbeitsplätzen ergibt sich aber unter dem Strich ein ausgewogenes Bild.

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