Italiener haben HVB-Mehrheit: Verdi hofft, dass sie nicht zu groß wird

- München - Die größte grenzüberschreitende Bankenfusion in Europa ist praktisch in trockenen Tüchern. Die italienische Unicredit sicherte sich laut Bankenkreisen bereits eine Woche vor Ende der Umtauschfrist mehr als 70 Prozent der HypoVereinsbank-Aktien (wir berichteten). "Das zeigt, dass die Investoren an die Story glauben", sagte Banken-Analyst Metehen Sen von Sal. Oppenheim. Die Entscheidung der EU-Kommission, die für den heutigen Dienstag erwartet wird, gilt auf dem Weg zur Fusion eher als Formsache. Die Kommission hat bereits signalisiert, dass sie den Zusammenschluss insgesamt als Bereicherung für den EU-Finanzmarkt sieht.

In den vergangenen Wochen hatten die Gegner der Fusion noch versucht, Stimmung gegen den Zusammenschluss zu machen. "Ich habe trotz des Sperrfeuers nie daran gezweifelt, dass die Italiener ihre Mehrheit bekommen", sagt HVB-Aufsichtsrat Klaus Grünewald von der Gewerkschaft Verdi. In der Bank herrscht dennoch Erleichterung, dass die wichtigste Hürde nun genommen ist. "Das Sperrfeuer wird vielleicht trotzdem noch eine Weile weitergehen", sagt ein Branchenexperte, "das nimmt aber langsam clowneske Züge an." Vor allem Aufsichtsrats-Chef Albrecht Schmidt ist ein entschiedener Gegner der Fusion.

Sperrfeuer dürfte noch eine Weile weitergehen

Unicredit hatte es zur Bedingung gemacht, dass mindestens 65 Prozent der HVB-Aktionäre das Übernahmeangebot annehmen. Andernfalls wäre die Fusion geplatzt. Einschließlich der 18 Prozent des Großaktionärs Münchener Rück haben die Italiener jetzt die selbst gelegte Hürde übersprungen. In Finanzkreisen gilt es als gut möglich, dass Unicredit sogar über 75 Prozent kommt, was den Einfluss zum Beispiel bei Satzungsänderungen noch vergrößern würde.

Sollte die Umtauschquote noch einmal deutlich höher liegen, könnten die Italiener versuchen, eines Tages die freien Aktionäre der HypoVereinsbank AG über ein "Squeeze-Out" aus dem Unternehmen zu drängen. "Je näher man an die 95 Prozent kommt, desto größer werden die Spekulationen, dass es zu einem Squeeze-Out kommt", sagt Analyst Sen. Die Arbeitnehmervertreter hoffen dagegen, dass der Einfluss der Italiener nicht zu groß wird und die Beteiligung am besten unter 75 Prozent bleibt. "Ansonsten müssten die neuen Anteilseigner weniger Rücksicht nehmen", sagt Aufsichtsrat Grünewald.

Dem Geschäft der HypoVereinsbank hat die bevorstehende Übernahme laut Vorstandschef Dieter Rampl nicht geschadet. "Der befürchtete und von vielen herbeigeredete Einbruch durch den Weggang von Kunden blieb aus", schrieb er kürzlich in einem Brief an die Mitarbeiter. Er will die Fusion nun schnell vorantreiben. Der europäische Bankenmarkt verändere sich rasant. Unicredit und HVB hätten sich einen Vorsprung verschafft. "Jetzt müssen wir den Zusammenschluss nur so schnell wie möglich voranbringen."

Rampl macht beim Zusammenschluss Tempo

Auch wenn die EU-Kommission grünes Licht geben sollte, wird es spannend bleiben. Noch vor Weihnachten soll zum Beispiel die Entscheidung fallen, wer künftig an der Spitze der HypoVereinsbank steht, wenn Rampl den Vorsitz des Unicredit-Aufsichtsrats übernimmt.

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