Italiens Gewerkschaften gegen Kaufangebot für marode Alitalia

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Rom/Brüssel (dpa) - Italienische Gewerkschaften haben sich gegen das Kaufangebot der größten europäischen Fluggesellschaft Air France-KLM für die angeschlagene Alitalia gestellt.

"Das ist eine bedingungslose Kapitulation", kritisierte Fabrizio Solari von der größten Gewerkschaft CGIL das Übernahmevorhaben am Montag in der römischen Tageszeitung "La Repubblica". Auch Fabio Berti von der Pilotengewerkschaft Anpac erklärte, "bereit zur Auseinandersetzung" zu sein. Nach dem französisch-niederländischen Angebot, das am Montag vom italienischen Finanzministerium geprüft wurde, sollen mindestens 1600 Stellen der Airline abgebaut werden. Das prüfende Ministerium wollte der versammelten Regierung am Abend berichten.

In der Nacht zum Sonntag hatte sich der Verwaltungsrat der Alitalia einstimmig für die französisch-niederländische Offerte ausgesprochen. Danach bietet Air France-KLM als Kaufpreis je eine eigene Aktie für 160 Alitalia-Anteile. Alitalia wäre demgemäß nur 138 Millionen Euro wert. In Medienberichten war in den vergangenen Wochen ein mehr als doppelt so hoher Kaufpreis angenommen worden.

Der italienische Staat hält 49,9 Prozent an der Airline, die seit fünf Jahren Verluste einfliegt, gegenwärtig in einer Höhe von einer Million Euro täglich. Am Montag war der Handel der nachgebenden Alitalia-Aktie an der Mailänder Börse zeitweise ausgesetzt worden.

Auch im laufenden italienischen Wahlkampf spielt der Verkauf der Fluggesellschaft eine erhebliche Rolle, weil der Flughafen Mailand-Malpensa als Alitalia-Drehscheibe wegfallen soll. Dagegen läuft vor allem die Lega Nord bereits Sturm. Air France-KLM wollen, dass die italienischen Gewerkschaften zustimmen, und haben auch den mit den Wahlen im April anstehenden Wechsel der Regierung in Rom im Auge.

Alitalia darf nach Ansicht der EU-Kommission nicht mehr von staatlichen Beihilfen profitieren, weil die Gesellschaft bereits 1997 Subventionen erhalten habe. Das ließ Verkehrskommissar Jacques Barrot mitteilen. Nach einer Brüsseler Regelung dürfen Unternehmen nur einmal staatliche Geldspritzen für die Sanierung erhalten.

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