Signalstörung: Verzögerungen und Zugausfälle auf der Stammstrecke

Signalstörung: Verzögerungen und Zugausfälle auf der Stammstrecke
+
Der IWF ruft die Bundesregierung auf, ihre Haushaltsüberschüsse für Investitionen vor allem in Bildung und Arbeitnehmer zu nutzen. Foto: Jörg Sarbach

Staatsverschuldung nimmt ab

IWF: Deutsche Wirtschaft trotz Risiken gesund

Der Haushalt produziert Überschüsse, die Arbeitslosigkeit sinkt, die Staatsverschuldung ebenso: Deutschland geht es gut, attestiert der IWF. Doch am Horizont sehen die Experten durchaus Grund zur Sorge.

Washington (dpa) - Die deutsche Wirtschaft bleibt nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Muster an Stabilität, ist aber auch vor Risiken nicht gefeit. Die Wirtschaftsleistung wird der Prognose zufolge im Jahr 2019 um 2,1 Prozent steigen, die Arbeitslosenquote nochmals leicht um 0,1 Punkte auf 3,5 Prozent sinken.

Die Inflationsrate bleibt demnach mit 1,7 Prozent praktisch stabil. Die Staatsschulden sinken 2018 auf 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und im Jahr 2019 mit 56,1 Prozent darunter. Damit erreicht Deutschland wieder die Maastricht-Kriterien.

Der IWF warnt allerdings auch vor einer Eintrübung. Die Effekte eines harten Brexits, eines zunehmenden wirtschaftlichen Protektionismus nicht zuletzt in den Vereinigten Staaten und einer Neuordnung der Lastenverteilung in der Eurozone könnten das Investitionsklima belasten und die Exporte drücken.

Den Experten bereiten auch Anzeichen für eine Immobilienblase in den Zentren großer Städte Kopfschmerzen. "Die Direktoren betonen, dass der Preisanstieg bei Hauspreisen in Deutschland dynamischsten Städten eine genaue Beobachtung verdient", heißt es in dem Bericht des IWF. Derzeit stünden für eine genaue Untersuchung nicht ausreichend Daten zur Verfügung. Möglicherweise könnten hier punktuell finanzielle Anfälligkeiten entstehen.

Die Immobilienpreise in großen Städten wie München, Hamburg oder Frankfurt sind in den vergangenen Jahren und Monaten sehr stark gestiegen. Die niedrigen Zinsen haben die Nachfrage getrieben, das Angebot bleibt aber wegen geringer Neubauquoten spärlich.

Die Bundesbank geht davon aus, dass das deutsche Finanzsystem einen Rückgang der Immobilienpreise um 30 Prozent verkraften könnte. Die Kapitalausstattung der Banken sei dafür ausreichend, selbst wenn zeitgleich die Arbeitslosenquote auf acht Prozent hochschnellen sollte. Die Bundesbank hält 15 bis 30 Prozent der Wohnimmobilien - vor allem in Ballungsgebieten - für überbewertet.

Der IWF ruft die Bundesregierung auf, ihre Haushaltsüberschüsse, die in diesem Jahr von bisher 1,0 Prozent auf 1,2 und im nächsten Jahr auf 1,4 Prozent steigen werden, für Investitionen vor allem in Bildung und Arbeitnehmer zu nutzen. Es müsse darum gehen, private Investitionen zu fördern und der Wirtschaft über staatliche Maßnahmen ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte bereitzustellen.

Investitionen würden hier langfristig auch dazu führen, den Außenhandelsüberschuss des Exportlandes Deutschland zu reduzieren. Dieser wird nicht nur von US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert. Er übersteigt auch die von der EU vorgegebenen Grenzen. Die Europäische Union stuft einen Wert von mehr als sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes als stabilitätsgefährdend ein.

Deutschland erreichte 2016 ein Hoch von 8,5 Prozent und wird nach 8,0 Prozent im vergangenen Jahr 2018 bei 8,3 Prozent sowie im nächsten Jahr bei 8,1 Prozent landen, prognostiziert der IWF.

Webseite IWF

Grafik Bundesbank zu Immobilienpreisen

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Apple Pay in Deutschland gestartet
Deutschland gilt weiter als Bargeldland. In der Branche geht man aber davon aus, dass sich das schneller ändern könnte als bisher, wenn Kunden nur ihr Telefon an die …
Apple Pay in Deutschland gestartet
EuGH urteilt über umstrittene EZB-Anleihekäufe
Darf die Europäische Zentralbank Staatsanleihen in Milliardenhöhe aufkaufen, um Konjunktur und Inflation anzuheizen? Der Europäische Gerichtshof fällt nun ein …
EuGH urteilt über umstrittene EZB-Anleihekäufe
Nach Bahn-Chaos wegen Streik: Verbraucherzentrale mit harscher Kritik - Ausfälle auch am Dienstag
Der Bahnstreik der Gewerkschaft EVG schlug voll ein: Die Deutsche Bahn musste den Fernverkehr am Montagmorgen einstellen. Nun plant die EVG die nächsten Schritte.
Nach Bahn-Chaos wegen Streik: Verbraucherzentrale mit harscher Kritik - Ausfälle auch am Dienstag
Gute Konjunktur spricht für weiteren Rückgang bei Pleiten
Frankfurt/Main (dpa) - Seit Jahren sinkt dank guter Konjunktur die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland. Im Jahr 2017 war mit etwas mehr als.20 000 Fällen der …
Gute Konjunktur spricht für weiteren Rückgang bei Pleiten

Kommentare